Feldkonfigurierende Veranstaltungen und Ereignisse

Elke Schüßler, Johannes Kepler Universität Linz

Unsere jährlichen wissenschaftlichen Konferenzen können aus organisationstheoretischer Perspektive als feldkonfigurierende Veranstaltungen bezeichnet werden. Diese sind nicht nur ein spannendes Forschungsobjekt, sondern eignen sich auch konzeptionell, um Institutionalisierungsdynamiken auf der Ebene organisationaler Felder zu verstehen.

Feldkonfigurierende Veranstaltungen sind temporäre soziale Organisationen wie Messen, Konferenzen, Technologiewettbewerbe und Betriebsfeiern, die einerseits professionelle Gruppen, Technologien, Märkte und Branchen abbilden, andererseits deren weitere Entwicklung beeinflussen.1 Derartige Veranstaltungen bieten ihren Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, sich zeitlich und örtlich begrenzt mit anderen zentralen Akteuren zu treffen, Informationen auszutauschen und Aktivitäten zu koordinieren. Dabei ermöglichen sie die Formierung von Märkten, das Setzen von Standards oder die Arbeit an Institutionen.

Prominent untersuchte Beispiele sind Nanotechnologie-Konferenzen, Buch- oder Modemessen oder auch die Klimakonferenzen der Vereinten Nationen. Organisationswissenschaftlerinnen und
-wissenschaftler interessieren sich in erster Linie für diese Veranstaltungen, weil sie es erlauben, organisationsübergreifende Standardisierungs- und Institutionalisierungsdynamiken in sogenannten organisationalen Feldern zu beobachten. Darüber hinaus bieten sie auch einen reizvollen methodischen Zugriffspunkt für die empirische Sozialforschung, weil sie üblicherweise verteilte Akteure zusammenbringen und somit zahlreiche Gelegenheiten für Befragungen oder teilnehmende Beobachtungen bieten. Veranstaltungen sind meist gut dokumentiert und erlauben, sofern sie periodisch stattfinden, Erhebungen über die Zeit. Diese methodischen Aspekte sind gerade in komplexen, fragmentierten und global verteilten wirtschaftlichen und sozialen Prozessen von erheblicher Bedeutung.

Auch akademische Konferenzen können als feldkonfigurierende Veranstaltungen betrachtet werden, denn schließlich erfüllen sie alle sechs in der Literatur genannten2 Kriterien: sie versammeln Menschen unterschiedlicher fachlicher, organisatorischer, und geographischer Hintergründe an einem Ort; sie haben eine begrenzte Dauer; sie bieten unstrukturierte Gelegenheiten für persönliche soziale Interaktion; sie beinhalten zeremonielle und dramaturgische Aktivitäten; sie bieten Gelegenheiten für Informationsaustausch und kollektive Sinnstiftung; und sie generieren soziale Ressourcen und Reputationsressourcen, die an anderer Stelle und für andere Zwecke eingesetzt werden können. Die Teilnahme an feldkonfigurierenden Veranstaltungen – im Fall der Betriebswirtschaftslehre wären dies beispielsweise die VHB-Tagung oder die Wissenschaftlichen Kommissionstagungen – beeinflusst hierbei nicht nur individuelle Karrierewege, sondern gibt durch die gesetzten Themen und geführten Debatten bestimmte Richtungen für die Entwicklung der Disziplin als Ganzes vor.

Der ursprüngliche englische Terminus lautet „field-configuring events“. Dieser Begriff differenziert nicht zwischen organisierten und nicht-organisierten Ereignissen, wenngleich die Definition des Konzepts klar auf organisierte Ereignisse abstellt. Im Deutschen ist diese Differenzierung mit dem Begriff der „Veranstaltung“ möglich. Dennoch kann es mitunter Sinn machen, auch von feldkonfigurierenden Ereignissen zu sprechen – krisenhafte Ereignisse, die ebenfalls Veränderungsprozesse auf Feldebene anstoßen.

Elke Schüßler, Johannes Kepler Universität Linz

Quellenangaben:

Meyer, A. D., Gaba, V., & Colwell, K. A. (2005). Organizing far from equilibrium: Nonlinear change in organizational fields. Organization Science, 16(5), 456-473: 467

Lampel, J., & Meyer, A. D. (2008). Guest Editors’ Introduction. Journal of Management Studies, 45(6), 1025-1035: 1026