VHB ProDok: Erfolg durch Virtualisierung im Kurs „Design Science“

Neben dem erklärungsorientierten Forschungsparadigma hat in der Betriebswirtschaftslehre auch das gestaltungsorientierte Forschungsparadigma eine lange Tradition. Das theoriegeleitete Konstruieren von Methoden und Modellen, früher auch als „technologische“ Forschung in der BWL bezeichnet, wird international meist als „Design Science Research“ bezeichnet.

Seit 2017 gibt es deshalb eine viertägige Veranstaltung zu Design Science als Teil des ProDok-Angebots des VHB. Dieser Kurs ist als Department-übergreifendes Angebot konzipiert, um der breiten Anwendungsmöglichkeit von Design Science in der Betriebswirtschaftslehre Rechnung zu tragen. Der Kurs wurde bisher als interaktives Lernarrangement durch Prof. Dr. Robert Winter (Universität St. Gallen) und Prof. Dr. Jan vom Brocke (Universität Liechtenstein) im Sommer in St. Gallen angeboten. Passend zum iterativen Charakter des Konstruierens bestand der Kurs neben kritischer Literaturdiskussion aus vier Zyklen, in denen die Teilnehmenden eigene Forschungsprojekte weiterentwickeln und jeweils Einzel- bzw. Gruppenfeedback erhalten.

Im Frühjahr 2020 war absehbar, dass das traditionelle Viertages-Präsenzformat im Sommer nicht durchführbar sein würde. Die Dozierenden haben deshalb aus der Not(wendigkeit) eine Tugend gemacht und das Format so weiterentwickelt, dass die Nachteile der fehlenden physischen Interaktion durch die Vorteile des Nicht-mehr-reisen-müssens mehr als kompensiert werden: Der Kurs wurde komplett auf ein Distance Learning-Format gebracht und – was damit möglich war – auch auf zwei Wochen gestreckt, so dass die Teilnehmenden mehr Zeit zwischen den Iterationen für die Weiterentwicklung ihrer Forschungsdesigns hatten.

Die Ankündigung dieses neuen Formats führte nicht nur zu einer erheblichen Steigerung der Teilnehmendenzahl, sondern zugleich zu einer breiteren Wahrnehmung des Kursangebots. Die Ankündigung des neuen Formats war so erfolgreich, dass statt sonst durchschnittlich 15 sehr schnell knapp 40 Anmeldungen erfolgten. Nicht nur die Zahl der Anmeldungen stieg, sondern auch die Reichweite. Rund die Hälfte aller Teilnehmenden kam aus dem nicht-deutschsprachigen europäischen Ausland, insbesondere Finnland, Niederlande und Dänemark. Ein Teilnehmer nahm von den USA aus teil und ein weiterer Teilnehmer sogar von Neuseeland aus. Aufgrund der großen Nachfrage entschlossen sich die Dozierenden und der VHB kurzfristig, den Kurs Ende Mai/Anfang Juni 2020 gleich zweimal mit jeweils 18 Teilnehmenden anzubieten. Das didaktische Format mit vielen Einzel- und Gruppenfeedbacks erfordert nämlich, den Kurs mit maximal 20 Teilnehmenden durchzuführen.

Auch aufgrund der Stabilität und des Funktionalitätsumfangs der gewählten Online-Plattform zoom (life-Videos aller Teilnehmenden für alle Teilnehmenden, parallele Breakout-Sessions, shared Whiteboard u.v.a.) konnten die Kurse ohne Probleme und mit sehr gutem Feedback aller Beteiligten durchgeführt werden, auch wenn die europäischen Kurszeiten für die Teilnehmer aus den USA (frühmorgens) und Neuseeland (nachts) natürlich nicht ideal waren. Die Teilnehmenden regten spontan an, zur Fortführung der zweiwöchigen Lerngemeinschaft eine LinkedIn-Gruppe einzurichten und dem VHB die Durchführung eines Fortsetzungskurses (z.B. Design Research Paper Clinic o.ä.) vorzuschlagen. Außerdem gibt es schon wieder einige Anfragen, so dass der Kurs im Herbst 2020 ein drittes Mal in diesem speziellen Jahr ausgeschrieben wurde.

Aus unserer Sicht gibt es gute Gründe, das aus der Not geborene neue Format aufgrund der vielen und durchweg positiven Feedbacks auch in zukünftigen, hoffentlich Pandemie-losen Jahren in dieser Form fortzuführen. Es ist faszinierend zu sehen, wie das neue Kursformat dazu beiträgt, nicht nur Doktorandinnen und Doktoranden noch effizienter von ihren jeweiligen Standorten aus in Kursen zusammenzubringen. Wir haben auch gesehen, wie das Format dazu beiträgt, den Verband auch international bekannter zu machen und die Inhalte und Methoden der betriebswirtschaftlichen Forschung weiter in die internationale Community einzubringen.

Bericht und Kontakt: robert.winter@unisg.ch und jan.vom.brocke@uni.li