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Nach der Krise ist vor der Krise

VHB expert Sebastian Hoffmann zu wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie

Mit sinkenden Inzidenzen, der Beschleunigung der Impfkampagne und Lockerungen im öffentlichen Leben stellt sich die Frage, welche mittel- und langfristigen wirtschaftlichen Folgen nach Ende der Corona-Pandemie zu erwarten sind. Das Ausmaß staatlicher Interventionen, welche das öffentliche und private Leben innerhalb des letzten Jahres bestimmt haben, lässt ahnen, dass „Nebenwirkungen“ nach dem Ende der Einschränkungen wahrscheinlich sind. Sebastian Hoffmann, Research Professor of Accounting an der HHL Leipzig Graduate School of Management, wagt dazu drei Thesen.

 

Die nächste Krise kommt

Fundamentale Verwerfungen etablierter sozialer und wirtschaftlicher Strukturen sind nicht nur in Folge von Pandemien bekannt, sondern z.B. auch im Zusammenhang mit Kriegen und Revolutionen gut dokumentiert. So unterschiedlich die konkreten Ursachen und Auswirkungen sind, bleibt historisch betrachtet stets eines gewiss: Sie alle führen früher oder später zu neuerlichen Krisen.

Staaten, Unternehmen und Banken als Brennpunkte

Eine Analyse der staatlichen Interventionen zur Milderung der sozio-ökonomischen Effekte der Corona-Pandemie erlaubt die Identifikation von wirtschaftlichen Brennpunkten, welche für den Ausbruch der nächsten Wirtschaftskrise prädestiniert sind. Erstens, die Staaten, welche sich substanziell neuverschuldet haben. Zweitens, die Unternehmen, die durch staatliche Stützungen vor Insolvenz geschützt wurden, deren Geschäftsmodell durch die Pandemie indes obsolet geworden ist. Drittens, die Banken, welche durch quasi unbegrenzte Liquidität selbst staatlich gestützt werden und zeitgleich vom Überleben krisengebeutelter Unternehmen abhängig sind.

Strukturellen Veränderungen und Inflation sind unvermeidbar

Unabhängig davon, wo und wann die Corona-Folge-Krise ausbricht, wird diese zu grundlegenden strukturellen Veränderungen führen müssen, um die Sozial- und Wirtschaftsordnung nachhaltig zu stabilisieren. In diesem Zusammenhang müssen wir uns auch darauf einstellen, dass spürbare Inflation als historisch bewährtes „Krisenüberlaufventil“ nach mehr als zwei Jahrzehnten Abstinenz wieder relevant werden wird. Dies wird die bereits seit 15 Monaten stark beanspruchten Bürger vor weitere große Herausforderungen stellen.

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