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Dienstag, 16. Juli 2019
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VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

82. Jahrestagung des VHB

17. bis 20. März 2019

in Frankfurt am Main

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Unternehmensskandale: Bietet ein Strafrecht für Unternehmen eine Lösung?

Einladung zur Arbeitstagung

 

Donnerstag, 7. November 2019

 

Universität Augsburg,

Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement (fim)

Gebäude I1, Raum 1201/02 

Anmeldung

Bis zum 25. Oktober 2019 schriftlich an info(at)vhbonline(dot)org bei gleichzeitiger Überweisung der Teilnahmegebühr unter Angabe des Teilnehmernamens auf das Konto des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft bei der Kasseler Sparkasse mit der IBAN: DE44 5205 0353 0002 1156 89 (SWIFT BIC.: HELADEF1KAS).

 

Teilnahmegebühr (inkl. Tagungsverpflegung):

Ordentliche Mitglieder VHB 95,00 Euro

Nachwuchsmitglieder VHB 55,00 Euro

Mitglieder DZWiSt 95,00 Euro

Extern/Nicht-Mitglied im VHB 150,00 Euro

  

Inhalt

Immer wieder stehen Unternehmensskandale im Zentrum des medialen Interesses. Die diskutierten Fälle treten jedoch oft nur aufgrund ihrer Größe und Tragweite aus dem Meer (ethisch wie rechtlich) problematischer Handlungen von und in Unternehmen heraus.

 

Wie man solchen Handlungen entgegentreten kann, wie man sie – wenn schon nicht vermeiden – zumindest in der Häufigkeit ihres Auftretens reduzieren kann, ist umstritten. Die einen setzen auf die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen, die anderen fordern die Schaffung eines Unternehmensstrafrechts, wie es in vielen anderen Ländern bereits etabliert ist. Wieder andere schlagen vor, beide Wege gleichzeitig zu beschreiten.

 

Diese Diskussion wird nicht nur in Öffentlichkeit und Politik rege geführt, sondern darüber hinaus wieder zunehmend von den Rechtswissenschaften aufgenommen. Gleichzeitig ist sie im hohen Maße für die Betriebswirtschaftslehre relevant, die sich mit der Steuerung der Handlungen von und in Unternehmen befasst.

 

Einen fruchtbaren Austausch erhoffen wir uns auf der diesjährigen Herbsttagung zum Thema „Unternehmensskandale: Bietet ein Strafrecht für Unternehmen eine Lösung?“. Diskutieren werden wir mit ausgewiesenen Experten aus den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und laden Sie herzlich ein, dabei zu sein.

 

 

Programm

9:00 Eröffnung

 

Anschließend:

Moral und Recht durch Corporate Compliance? Herausforderungen und Antworten

Prof. Dr. Josef Wieland, Lehrstuhl für Institutional Economics, Organisational Governance, Integrity Management & Transcultural Leadership, Zeppelin Universität

 

Abstract:

In den letzten beiden Jahrzehnten erlebten wir weltweit, aber vor allem auch in Deutschland, Wirtschaftsskandale, die in der Gesellschaft massive Zweifel an der Rechtstreue und Integrität von Unternehmen und vor allem deren Führung haben aufkommen lassen. Die Verpflichtung zur Prävention doloser und unethischer Handlungen hat zu einer skeptischen Diskussion der Effektivität von unternehmerischem Compliance Management und der Forderung nach Einführung eines Unternehmens- / Verbandsstrafrechts geführt. Der Beitrag diskutiert die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen, die zu der skizzierten Situation geführt haben, erörtert die Effektivitätsbedingungen von Legal- und Social Compliance und bietet einen Einblick in die Herausforderungen der Realisierung risikobasierter Sorgfaltspflichten.

10:00 Uhr Kaffeepause

 

10:30 Uhr

Corporate Governance und Unternehmensfehlverhalten 

Prof. Dr. Till Talaulicar, Lehrstuhl für Organisation und Management, Universität Erfurt

 

Abstract:

Corporate Governance bezeichnet die Strukturen, Prozesse und Personen der Leitung und Überwachung von Unternehmen. Gute Corporate Governance soll dazu beitragen, dass die Mitglieder der Führungsorgane ihre Unternehmensziele wirksam anstreben. Insoweit mag zunächst verblüffen, dass die zunehmende Verbreitung von Standards guter Corporate Governance dem Auftreten teilweise gravierender Fehlverhaltensweisen im Unternehmenssektor offenbar nicht ausreichend Einhalt gebieten konnte. In dem geplanten Beitrag werden mögliche Ursachen entsprechender Standardisierungsgrenzen ermittelt und gezeigt, dass Besserungen nicht allein über – unverändert den Kern einschlägiger Regelungen ausmachende – Strukturgestaltungen herbeiführbar sind, sondern insbesondere auch führungsethischer und organisationskultureller Erwägungen bedürfen.

11:30 Uhr Kaffeepause

 

12:00 Uhr

Unternehmensstrafrecht: Betriebswirtschaftslehre und die Wirkmacht korporativer Akteure

Prof. Dr. Günther Ortmann, Professur für Führung, Universität Witten/Herdecke 

 

Abstract:

Was sagt die Betriebswirtschaftslehre (BWL) zum Unternehmensstrafrecht? Was kann sie sagen? Um diese beiden Fragen zu beantworten, ist es hilfreich, sich ihr Selbstverständnis als Theorie vor Augen zu führen. Das ist gegründet auf vier Überzeugungen, die allesamt für Stellungnahmen zu einem Unternehmensstrafrecht hinderlich sind: Werturteilsfreiheit, Wirtschaftlichkeitsprinzip als scheinbar unschuldiges Auswahl- oder Identitätsprinzip der Disziplin, Nutzenprinzip und methodologischer Individualismus. Allerdings ist es selbst in diesem engen Rahmen zwar wenig, aber nicht Nichts, was die BWL dazu sagen kann.

Wenn man über diesen Rahmen hinausgeht und Organisationen, besonders Unternehmen, als die mächtigen Akteure der Moderne auffasst, korporative Akteure mit großer Verfügungsmacht über gesellschaftliche Regeln und Ressourcen, einschließlich großer Kommunikations-, Exkommunikations- und Legitimationsmacht, dann lassen sich aus Sicht der BWL indes starke, nicht zuletzt organisationstheoretische Gründe für ein Unternehmensstrafrecht ins Feld führen.

13:00 Uhr Mittagessen

 

13:45 Uhr

Die Erweiterung des klassischen Strafrechts um die Strafbarkeit juristischer Personen als Herausforderung für die Strafrechtswissenschaft und -praxis

Prof. Dr. Gerhard Dannecker, Institut für deutsches, europäisches und internationales Strafrecht und Strafprozessrecht, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

 

 

Abstract:

Die Bundesregierung hat sich in der Koalitionsvereinbarung über die Einführung eines Verbandsstrafrechts geeinigt. Das Justizministerium diskutiert seit Ende 2018 mit Vertretern der Justiz, der Anwaltschaft, der Wirtschaft und der Wissenschaft über die Ausgestaltung eines Verbandssanktionenrechts und will den Entwurf noch in der ersten Hälfte dieses Jahres vorlegen. Aber brauchen wir überhaupt ein Verbandssanktionenrecht und weshalb? Können Verbände Normadressat im Strafrecht sein, sind sie handlungs-, schuld- und straffähig? Welche Rechte stehen Verbänden im Strafverfahren zu, insbesondere: gilt der Grundsatz „nemo tenetur“, kann die Staatsanwaltschaft auf die Ergebnisse von Internal Investigations zugreifen? Welche Bedeutung kommt Compliance-Maßnahmen zu?

14:45 Uhr Kaffeepause

 

15:15 Uhr

Welchen Zweck hat die Sanktionierung von Unternehmen?

Prof. Dr. Helmut Frister, Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

 

Abstract:

Ich werde in meinem Vortrag zunächst darlegen, dass die Kriminalstrafe in unserer Rechtsordnung zwar auch eine abschreckende Wirkung haben soll, ihre grundsätzliche Ausgestaltung aber durch die Aufgabe bestimmt wird, die Anerkennung der strafrechtlichen Verhaltensnormen als Wertmaßstäbe für das Handeln und Erwarten in unserer Gesellschaft zu erhalten. Auf dieser straftheoretischen Grundlage gehe ich dann der Frage nach, ob der Sanktionierung eines Unternehmens die gleiche Funktion zukommt. Dabei wird sich zeigen, dass eine Unternehmenssanktion im Gegensatz zur Bestrafung natürlicher Personen nicht die Geltung der durch die Straftat verletzten Norm symbolisch wiederherstellt, sondern ausschließlich auf den abschreckenden Nebeneffekt der Strafe bezogen ist, den sie sichert und verstärkt. Welche Konsequenzen sich aus dieser Erkenntnis für die systematische Einordnung und die kriminalpolitische Ausgestaltung von Unternehmenssanktionen ergeben, soll in einem letzten Abschnitt wenigstens kurz angerissen werden.

 

16:15 Uhr Abschlussdiskussion

 

16:30 Uhr Ende

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