Sie sind hier: VHB4you / Dissertation: Schicksale betriebswirtschaftlicher Hochschullehrer im Dritten Reich
Donnerstag, 19. Januar 2017
EN
Follow & Join Us
VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

79. Pfingsttagung des VHB

7. bis 9. Juni 2017 in St. Gallen

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Hochschullehrer der Betriebswirtschaftslehre in der Zeit des Nationalsozialismus

 

Einführende Bemerkungen

Im Jahr 1999 erfolgte die Anregung Georg Schreyöggs (Berlin) an den Vorstand des „Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V.”, sich mit dem Schicksal derjenigen Hochschullehrern der Betriebswirtschaftslehre (BWL) zu befassen, die durch das nationalsozialistische Regime verfolgt wurden. Der Vorstand setzte daraufhin 1999 zur Prüfung dieses Vorschlags eine Arbeitsgruppe ein, der die Professoren Eduard Gaugler (Mannheim) als Moderator, Arnold Picot (München), Erich Potthoff (Meerbusch), Dieter Schneider (Bochum) und Georg Schreyögg (Berlin) angehörten.

 

Die Arbeitsgruppe bestimmte (a) zunächst die Zielgruppe des Vorhabens, erstellte (b) einen Katalog möglicher Schädigungen und Verfolgungen von Hochschullehrern unter dem nationalsozialistischen Regime (NS-Regime) und (c) führte im Jahr 2001 zwei Befragungen bei zumeist älteren Fachvertretern und bei wissenschaftlichen Hochschulen (mit dem Fach Betriebswirtschaftslehre im Dritten Reich) durch. So sollten die möglicherweise verfolgten Betriebswirte ermittelt werden. Zur Auswertung der ersten Ergebnisse und für weiterführende Recherchen gewann die Arbeitsgruppe den Historiker Jürgen Kocka (Berlin) – zu dieser Zeit auch Präsident des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) – als Projektberater. Ein Doktorand Kockas, Peter Mantel, wurde im Rahmen einer Promotion mit der Bearbeitung des Themas betraut. In Kooperation mit der VHB-Arbeitsgruppe und unter Beteiligung Mantels erarbeiteten Jürgen Kocka und Dieter Schneider einen Antrag an die DFG auf Gewährung einer Sachbeihilfe zu einem Projekt mit dem Thema „Die Betriebswirtschaftslehre unter dem Nationalsozialismus (unter besonderer Berücksichtigung der Verfolgung der Hochschullehrer der Betriebswirtschaftslehre)”; dieser wurde im April 2004 von der DFG bewilligt.

 

Mantel legte 2007 die Ergebnisse seiner Untersuchung in einer Dissertation zur institutionen- und personengeschichtlichen Entwicklung der BWL während des Dritten Reichs (unter besonderer Berücksichtigung der Opfer des NS unter den Hochschullehrern des Fachs) vor. Seine Ergebnisse stützen sich insbesondere auf bislang meist unerschlossenen Quellen aus Archiven von Hochschulen und Ministerien. Im Folgenden sind wichtige Ergebnisse der Recherchen festgehalten. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf einer kurzen Darstellung der Lebenswege der verfolgten Betriebswirte. Die Ausführungen sollen erste Anhaltspunkte zur Geschichte der Betriebswirtschaftslehre (BWL) und den Verfolgungen während des Dritten Reichs geben; die (kurze) Darstellung der Lebenswege der Verfolgten hat zudem zum Ziel, dieser derart zu gedenken.

 

Eine weit ausführlichere Darstellung mit deutlich erweiterten Fragestellungen, in der auch weiterführende Literatur und ausführliche Quellenangaben enthalten sind, findet sich in der im Gabler-Verlag erschienenen Dissertation von Peter Mantel, „Betriebswirtschaftslehre und Nationalsozialismus. Eine institutionen- und personengeschichtliche Studie”, Wiesbaden 2009. Eine ausführliche Beschreibung der Aktivitäten der VHB-Arbeitsgruppe „Hochschullehrer der Betriebswirtschaftslehre unter dem NS-Regime” findet sich im Geleitwort von Eduard Gaugler zum FBS-Band 65. (Peter Mantel: „Schicksale betriebswirtschaftlicher Hochschullehrer im Dritten Reich”, herausgegeben von Eduard Gaugler in der Schriftenreihe der Forschungsstelle für Betriebswirtschaft und Sozialpraxis e.V. [FBS], Mannheim 2009.)