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Dienstag, 27. Juni 2017
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VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

79. Pfingsttagung des VHB

7. bis 9. Juni 2017 in St. Gallen

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Anmerkungen zum verantwortlichen Umgang mit VHB-Jourqual

 

Liebe Verbandsmitglieder,

 

es freut mich, Ihnen hiermit die von den Kollegen Hennig-Thurau (Münster) und Sattler (Hamburg) in Abstimmung mit dem JOURQUAL-Beirat und dem Verbandsvorstand ermittelten Ergebnisse von VHB-JOURQUAL 2.1 zur Verfügung stellen zu können. Ich nehme dies zum Anlass für einige persönliche Anmerkungen zum Ranking.

 

Mit VHB-JOURQUAL ist es, dem Wunsch vieler Verbandsmitglieder entsprechend, nun bereits seit vielen Jahren möglich, BWL-Zeitschriften zu ranken, vor allem auch solche Zeitschriften, die nicht in anderen verfügbaren Rankings enthalten sind. Auf diese Weise sollen die Möglichkeiten einer Beurteilung der Qualität von Zeitschriften deutlich verbessert werden. JOURQUAL ist damit eine wertvolle Unterstützung für die BWL als Wissenschaft im Wettbewerb mit anderen Disziplinen um knappe Finanzmittel geworden. Dies war auch Anlass für einen erheblichen Teil unserer Verbandsmitglieder, Herrn Hennig-Thurau und Herrn Sattler sowie den VHB-Vorstand, eine kurzfristige Aktualisierung des Rankings in Hinblick auf die Zeitschriftenbasis zu forcieren (JOURQUAL 2.1) sowie JOURQUAL für die nächste Vollerhebung methodisch weiterzuentwickeln (JOURQUAL 3).

 

Das nun vorliegende JOURQUAL 2.1 dient dazu, auch solche Zeitschriften zu erfassen, die in der Vorgängerversion nicht enthalten waren. Dies schließt sowohl neu etablierte Zeitschriften als auch solche, die seit der letzten Erhebung an Bedeutung gewonnen haben, ein. Die Methodik für dieses Ranking entspricht hierbei der von JOURQUAL 2 (vgl. Schrader/Hennig-Thurau, Business Research 2009, 2 (2), 180-204).

 

Anlässlich dieses aktualisierten Rankings möchte ich die Wichtigkeit eines verantwortlichen und reflektierten Umgangs mit solchen Rankings betonen, insbesondere wenn es um die persönliche Leistungsbeurteilung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geht. Rankings können und sollen das Lesen der jeweiligen Publikationen – gerade bei Evaluierungen von Forschungsleistungen Einzelner – nicht ersetzen. Jegliche Evaluation von Forschungsleistungen unter Rückgriff auf standardisierte Verfahren und Durchschnittswerte beinhaltet Vereinfachungen und damit eine Verengung des Blickfeldes. Dies wird beispielsweise bereits daran deutlich, dass grundlegende Arbeiten zum Teil außerhalb von Mainstream-Zeitschriften publiziert werden, die nicht hinreichend durch ein Ranking abgedeckt werden. Zeitschriftenrankings können in diesem Sinne nur Indikatoren für die durchschnittliche Qualität der Publikationen in bestimmten Zeitschriften zu bestimmten Zeitpunkten liefern und auf diese Weise den Evaluationsprozess unterstützen. Die verantwortungsvolle Beurteilung von Zeitschriftenpublikationen kann nicht durch mechanisch-automatisiertes Abzählen auf der Basis von Rankings erfolgen, sondern verlangt einen differenzierteren Einsatz von Rankings.

 

JOURQUAL unterstützt die Beurteilung der Qualität von Zeitschriften in unserem Fach und ist insbesondere für Fachfremde ein wertvolles Hilfsmittel bei der Einschätzung von Forschungsleistungen – nicht mehr und nicht weniger. Zumindest im Bereich der Fachzeitschriften kann das Ranking dazu beitragen, die Verzerrungen durch andere Rankings abzubauen, die teilweise die Forschungsgebiete und relevanten Fachzeitschriften unserer Mitglieder nur schlecht abdecken. Dies schließt selbstverständlich nicht aus, Rankings mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen in die Beurteilung von Forschungsleistungen, die in Zeitschriften publiziert worden sind, unterstützend einzubeziehen.

 

Das Ranking bezieht sich ausschließlich auf Publikationen in Zeitschriften. Ein anderer Teil betriebswirtschaftlicher Forschung wird in anderen Medien publiziert, etwa in Monografien, oder zeigt sich in der Entwicklung von Prototypen. Diese Forschungsleistungen werden durch JOURQUAL nicht erfasst und somit auch nicht bewertet. Entsprechendes gilt für andere Leistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, wie z. B. Lehre, Dienstleistungen in Selbstverwaltung und für die Forschendengemeinschaft. Aus diesen Gründen hat sich der Vorstand des VHB bewusst gegen ein Personenranking auf der Basis von Zeitschriftenrankings ausgesprochen; diese Haltung besteht unverändert.

 

Eine methodisch überarbeitete Version wird Ihnen der Verband, wie oben angekündigt, mit JOURQUAL 3 bereitstellen. Wir möchten Sie ausdrücklich dazu einladen, Vorschläge für JOURQUAL 3 in die Diskussion mit der Leitung von JOURQUAL (Kollegen Hennig-Thurau und Sattler), dem JOURQUAL-Beirat und dem Verbandsvorstand einzubringen. Die Anregungen, die uns vorliegen, fließen in diese Entwicklungsarbeit bereits ein. Schließlich veranstaltet der VHB auch in Zukunft Symposia zu diesem Thema auf unseren Pfingsttagungen, um die breite Diskussion zu fördern, auf dieser Basis JOURQUAL weiterzuentwickeln und die Mitglieder in Sachen JOURQUAL über aktuelle Entwicklungen zu unterrichten.

 

 

Mit herzlichen Grüßen

Ihre

 

Prof. Dr. Caren Sureth, Vorsitzende