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Samstag, 19. August 2017
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80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Ethik wissenschaftlichen Arbeitens und berufs-praktische Herausforderungen

 

 

Moderation:

Prof. Dr. Dodo zu Knyphausen-Aufseß

 

 

 

Foto: Philipp Ehret ; Prof. Dr. Dodo zu Knyphausen-Aufseß

Im Rahmen verschiedener Diskussionen – nicht zuletzt auch anlässlich der letzten Pfingsttagung in Würzburg – ist deutlich geworden, dass hinsichtlich der Handhabung wissenschaftsethischer und berufspraktischer Fragestellungen ein wachsender Orientierungsbedarf unter den VHB-Mitgliedern besteht. Vor diesem Hintergrund hat der VHB-Vorstand mit dem Projekt „Hinweise zur ethischen und berufspraktischen Orientierung der Mitglieder des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V.“ im Vorfeld der Leipziger Tagung einen Prozess zur Identifikation „guter fachlicher Praxis“ angestoßen, über dessen Verlauf die VHB-Mitglieder regelmäßig informiert wurden und auch weiterhin informiert werden.

 

Ziel dieses Workshops war es, die bestehenden, den VHB-Mitgliedern im Mai zur Einsicht vorgelegten Textentwürfe einer Diskussion zu unterziehen. Im Vorfeld der Tagung wurde deshalb eine elektronische Kurzumfrage durchgeführt mit dem Ziel herauszufinden, welche Textentwürfe als hilfreich, weniger hilfreich oder gar nicht hilfreich angesehen werden, und wenn die letzten beiden Einschätzungen überwiegen, welche Gründe dafür bestehen. Im Rahmen des Workshops sollten ausgewählte Textentwürfe diskutiert und Anregungen zur Weiterentwicklung generiert werden. Die für diese Veranstaltung lediglich vorliegenden 3 Anmeldungen bildeten in keiner Weise das starke Interesse mit über 40 Teilnehmern an diesem Thema ab. Auch die allgemeinen Kommentare, die im Verlauf der Umfrage im Vorfeld der Tagung zu den Entwürfen gemacht wurden, bestätigten dies. Nach einer kurzen Einführung und Bericht über die Ergebnisse der Umfrage erging die allgemeine Aufforderung um Anregungen an die Zuhörerschaft, wie in diesem Thema weiter vorgegangen werden soll.

 

Mit dem Gesamttenor, dass man mit diesem Projekt weitermachen solle, wurden Fragen beantwortet und mögliche Weiterentwicklungen diskutiert:

 

Die Kommentare im Forum bleiben anonym. 

Damit möchte man ein persönliches Blaming der Autoren verhindern und offenere Diskussion schaffen. Diese Anonymität ist ggfs. durch Verschwiegenheitsregeln sogar weiter zu schärfen. Umgekehrt besteht die Erwartung und Hoffnung, dass im Mitgliederbereich so etwas wie ein „Shitstorm“ unterbleibt. Noch zu klären ist, wie der Diskurs in Form von eingehenden Kommentaren sinnvoll und zielorientiert organisiert  und moderiert werden kann.

 

Welche Aussagekraft dürfen die im Forum abgegebenen Kommentare einiger Weniger für die Community haben?

Zielsetzung des Blogs ist es weniger, Regeln und Normen zu erstellen, sondern eher Orientierung über ein Spektrum dessen zu geben, wie Probleme in der BWL „vernünftigerweise“ gehandhabt werden können, aber nicht müssen. Es gibt keinen Mangel an Regularien aus den Verbänden und Institutionen, sondern sich teilweise widersprechende. Die Formalien der Universitäten sind nicht das Thema, sondern„wie“ diese Formalien abgearbeitet werden sollen. Die Vielfalt der Regularien ist auch der Grund dafür, dass die BWL sich schwer damit tut, einen Berufsethos zu entwickeln, obwohl sie immer wieder mit Problemen konfrontiert wird, denen die Missachtung eines solchen Ethos zugrunde liegt. Den VHB trifft hier die Schwierigkeit, für diese Fülle an teilweise komplizierten Regelungskonflikten, die sich über die Mitglieder unter (s)einem Dach treffen, zumindest im Ansatz eine Orientierungshilfe zu bieten.

 

Eine rein theoretische Behandlung der Themen ginge dabei an der Realität vorbei. Das Forum bietet allerdings an dieser Stelle die Möglichkeit, über Jahre hinweg im Internet die Veränderungen der Standards im Zusammenhang mit den jeweils aktuellen Rahmenbedingungen archiviert zu sehen.

 

Kann eine Umsetzung in die Praxis gesteuert werden?

Die Äußerungen im Forum bergen das Risiko, dass externe Institutionen, wie z.B. die DFG, sich daran orientieren und sie als „State of the Art“ nehmen. Wenn lediglich in Streitfällen diese Praktiken-Texte herangezogen werden, wird hier die Gefahr einer Verselbständigung gesehen – Inwieweit sind diese Praktiken in der Praxis operationalisierbar? Der VHB selbst kann hier nur Orientierung geben, aber kein „Durchsetzer“ sein.

 

Fest steht: Es geht um Diskurs.  

Aber wenn keiner darauf einsteigt, dann entwickelt er sich nicht. Neben der Frage nach den Maßstäben für eine „gute“ fachliche Praxis – was ist „gut“ im Allgemeinen und was ist „gut“ beim jeweiligen Autor der Texte – fühlen sich die Leser schon durch die Fülle der Textentwürfe entmutigt. Die Erstellung eines weiteren zusammenfassenden Papiers wäre keine Hilfestellung, die umfangreichen und oft als zu „glatt“ empfundenen Texte leichter mit einem Kommentar zu belegen. Die Informationsfunktion (lesen und überfliegen) der Texte wird genutzt, die Kommentarfunktion wird – noch – skeptisch gesehen. Es scheint dabei leichter, ganz konkret gehaltene Fragen zu beantworten als komplexe Text-Gerüste zu bearbeiten.

 

Hier bietet sich das Format von Question-and-Answers (Q&A) an. Solche konkrete Fragestellungen könnten z.B. sein:

 

  • Führung der Mitarbeiter: Inwieweit sind diese in der Verwaltung einzusetzen, wenn dies zu Lasten der Lehre geht?

  • Interessenkonflikte:  gibt es sie tatsächlich oder sind sie wahrgenommen? Definition von Interessen der Wissenschaft?

  • Wer darf eine Ehrenpromotion bekommen?

  • Wie können Befangenheitsregeln mit Selbst-Befangenen umgesetzt werden? Wie kann man da Sensitivität schaffen?

  • Wenn bei Zielvereinbarungen immer mehr das Einwerben von Drittmittel in den Vordergrund tritt, Lehre und Mitarbeiterbetreuung uninteressant werden – was tut man dann?

  • Abwicklung von Promotionsverfahren: nur noch externe Gutachter?

  • Fragen zum Problem der Spendenpraxis an Stiftungslehrstühlen

 

Der Diskurs steht ganz am Anfang – noch ist es schwer zu sagen, ob die Texte und Kommentare repräsentativ für die Meinung des Verbandes stehen. Alle Theorie ist gut, muss aber letztendlich den Professoren helfen, in ihrem Berufsalltag zu bestehen.

 

Abschließend appellierte Herr zu Knyphausen-Aufseß an die Zuhörer, Konfliktsituationen so zu beschreiben, wie sie sich im Alltag darstellen, und wünscht sich, dass diese als Beispiele im Forum geäußert werden, um dort den notwendigen Diskurs anzuregen.