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Donnerstag, 22. Juni 2017
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Kernaktivitäten

 

79. Pfingsttagung des VHB

7. bis 9. Juni 2017 in St. Gallen

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Verleihung der VHB-Preise 2014

Der VHB zeichnet einmal jährlich Wissenschaftler für deren hervorragende Leistungen mit den Verbandspreisen aus.

 

Mit dem Best Paper Award werden vom VHB Wissenschaftler für bemerkenswerte internationale Publikationen ausgezeichnet. Durch diese Auszeichnung sollen die Verbandsmitglieder ermutigt und bestärkt werden, sich mit ihren wissenschaftlichen Publikationen der internationalen Diskussion zu stellen.

 

In diesem Jahr wurden (ohne Abstufung) zwei Preise vergeben.

 

Zum einen ging der Preis an Junior-Professorin Dr. Elke Schüßler (FU Berlin), Associate-Professor Dr. Charles-Clemens Rüling (Grenoble Ecole de Management) und Dr. Bettina Wittneben (University of Oxford) für ihre Publikation:

 

„On Melting Summits: The Limitations of Field configuring Events as Catalysts of Change in Transnational Climate Policy”

erschienen in: Academy of Management Journal, online 2013

 

Warum gelingt es den alljährlichen Klimakonferenzen der Vereinten Nationen nicht, effektive Regulierungen für das Erreichen des Zwei-Grad-Ziels der internationalen Klimapolitik hervorzubringen? Zur Beantwortung dieser Frage haben Elke Schüßler, Charles-Clemens Rüling und Bettina Wittneben die Entwicklung der Klimakonferenzen von 1995 bis 2011 qualitativ durch Interviews, umfassende Dokumentenanalysen und teilnehmende Beobachtungen bei 13 Klimapolitikevents untersucht. Dabei beziehen sie sich auf neue organisationstheoretische Überlegungen über die Wirkung von Großveranstaltungen wie Messen, Konferenzen, Preisverleihungen oder Sportevents auf Städte, Branchen, Märkte oder politische Institutionen. Die Theorie sagt, dass solche Veranstaltungen aufgrund ihrer zeitlichen und räumlichen Begrenztheit außergewöhnliche Interaktionen zwischen diversen Akteuren eines organisationalen Feldes erlauben, die dann weit über den Event hinaus Ausstrahlungseffekte haben. Im Feld der Elektromobilität beispielsweise treffen sich Unternehmen, Forschungsinstitutionen und politische Akteure beim Elektromobilitätsgipfel, um Wissen auszutauschen, Netzwerke zu bilden oder ihre Entwicklungsarbeit zu koordinieren. So können sie wesentlich die Meinungsbildung und das institutionelle Umfeld beeinflussen. Veranstaltungen können hierbei eine katalytische Wirkung entfalten und neue, wegweisende Standards hervorbringen.

 

Die vorliegende Studie arbeitet heraus, wie sich die Struktur und Interaktionsdynamik der Klimakonferenzen im Zeitverlauf grundlegend verändert haben, so dass diese katalytische Wirkung abhanden gekommen ist. Die Klimapolitik gewann an Sichtbarkeit und wurde nicht zuletzt durch die Einführung von Marktmechanismen im Rahmen des Kyoto-Protokolls für eine wachsende Anzahl von Akteuren ein relevantes Handlungsfeld. Zugleich fanden die Interaktionen zunehmend innerhalb hochspezialisierter Akteursgruppen statt. Somit war ein gemeinsamer Bezugsrahmen nicht mehr gegeben. Logistische Schwierigkeiten beim medial aufgeheizten Klimagipfel in Kopenhagen sowie die mangelnde Erfahrung der Verhandlungsführer haben die Kluft zwischen den diversen Akteurs- und Interessensgruppen darüber hinaus geweitet. Unter diesen Bedingungen war das Aushandeln eines umfassenden neuen Klimavertrags nicht mehr möglich. Die Autoren plädieren daher für eine Fokussierung auf enger gefasste Themenfelder und ein dezentralisiertes Verhandlungsmodell. Diese Erkenntnisse sind nicht nur für Politikfelder relevant, sondern auch für Veranstaltungsorganisatoren und Unternehmen, die im Rahmen von Branchenkonferenzen oder Messen Institutionenarbeit leisten wollen.

 

 

Zum anderen ging der Preis an Professor Dr. Albrecht Enders (IMD Lausanne) und Professor Dr. Andreas König (Universität Passau) für ihren zusammen mit Dr. Wolf-Christian Gerstner (McKinsey & Company) und Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Donald C. Hambrick (Pennsylvania State University) verfassten Artikel:

 

„CEO Narcissism, Audience Engagement, and Organizational Adoption of Technological Discontinuities”

erschienen in: Administrative Science Quarterly, 2013

 

 

 

Foto: Phillip Ehret ; (v.l.n.r.): Die Best Paper Award-Gewinner Andreas König und Albrecht Enders, welche auch für virtuose musikalische Highlights während der Preisverleihungen im Gewandhaus zu Leipzig sorgten.

 

 

In ihrem Artikel untersuchen die Autoren Wolf-Christian Gerstner, Andreas König, Albrecht Enders und Donald C. Hambrick einen bedeutenden, aber bisher nur unzureichend erforschten Einflussfaktor auf die Anpassung etablierter Unternehmen an diskontinuierlichen Wandel: Die Persönlichkeit des CEOs – und insbesondere CEO-Narzissmus. Am Beispiel der Reaktion traditioneller Pharmaunternehmen auf die Biotechnologie zwischen 1980 und 2008 stellen sie fest, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen in diskontinuierliche Technologien investieren, umso höher ist, je narzisstischer (also sich selbst liebender) der jeweilige CEO ist. In einem weiteren Schritt zeigen die Autoren, dass die durch CEO-Narzissmus herbeigeführten Unterschiede im Anpassungsverhalten von Unternehmen durch die Beachtung der jeweiligem Technologie in der Öffentlichkeit – dem so genannten „Audience Engagement“ – signifikant verstärkt werden: Narzissten benötigen Aufmerksamkeit und agieren daher vor allem dann, wenn die Wahrscheinlichkeit für öffentliches Scheinwerferlicht besonders hoch ist. Letzteres ist insbesondere in Zeiten der Fall, in denen die Presse viel über eine Technologie schreibt und diskutiert und die neue Technologie als neuartig, heilsbringend, zugleich aber auch risikoreich beschreibt. Abschließend zeigen die Autoren zum ersten Mal den Effekt von CEO-Persönlichkeit auf die Wahrnehmung technologischer Diskontinuitäten durch das Top Management von Unternehmen. Je narzisstischer ein CEO, umso mehr Beachtung widmet das Top Management aufkommenden, risikoreichen Technologien – und auch dieser Effekt ist dann besonders stark, wenn die öffentliche Aufmerksamkeit für diese Technologien besonders hoch ist. Narzissten haben im Fazit also nicht nur negative Auswirkungen auf Unternehmen, sondern können unter Umständen zentrale Impulse für die Überwindung organisationaler Starrheit geben. Zudem sind Unternehmen in ihren Innovationsanstrengungen stärker von der öffentlichen Meinung beeinflusst als bisher in der Forschung dargestellt. Somit bietet der Beitrag wegweisende Implikationen sowohl für die Managementforschung als auch für die Psychologie. Schließlich liefert die Studie auch für Unternehmen wertvolle Denkansätze, insbesondere hinsichtlich der Auswahl von Führungskräften und der Gestaltung von Anreiz- und Kontrollsystemen.

 

Die Laudationes für beide Preise hielt Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl von der Universität Augsburg.

 

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Foto: Phillip Ehret ; Barbara E. Weißenberger überreicht die Urkunde an den Nachwuchspreisgewinner Martin Jacob

Der Nachwuchspreis richtet sich an jüngere Verbandsmitglieder oder nichtpromovierte Nachwuchswissenschaftler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Durch diese Auszeichnung soll der wissenschaftliche Nachwuchs ermutigt und bestärkt werden, seine wissenschaftlichen Aktivitäten an renommierter Stelle zu präsentieren, über den deutschsprachigen Bereich hinaus zu publizieren und sich der internationalen Diskussion zu stellen.

 

In diesem Jahr wurde die folgende, von Professor Dr. Martin Jacob und Dr. Markus Jacob (WHU-Otto Beisheim School of Management) verfasste Arbeit ausgezeichnet:

 

„Taxation, Dividends and Share Repurchases: Taking Evidence Global”

erschienen in Journal of Financial and Quantitative Analysis, 2013

 

In ihrem Beitrag untersuchen die Autoren Martin und Markus Jacob, wie sich die Dividenden- und Aktienrückkaufsbesteuerung auf das Ausschüttungsverhalten von Unternehmen auswirken. In der Literatur war es bislang strittig, ob und inwieweit Steuern einen Einfluss auf Dividenden und Aktienrückkäufe haben. Um dieser Frage nachzugehen, haben die Autoren eine umfassende internationale Steuersatzdatenbank für 25 Länder für den Zeitraum 1990 bis 2008 erstellt. Mit Hilfe dieser Datenbank gelingt es den Autoren nachzuweisen, dass die Wahl des Ausschüttungsweges und auch die Höhe von Ausschüttungen von gelisteten Unternehmen maßgeblich von der Besteuerung beeinflusst werden. Diese Steuersatzdaten stehen anderen Forschern für künftige Projekte zur Verfügung und werden bereits in anderen Studien verwendet.

 

Die Laudatio hielt Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl von der Universität Augsburg.

 

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Die Entwicklung der BWL als Universitätsdisziplin ist ein Satzungszweck des VHB. Hierzu zählt somit auch hervorragende Lehre. Mit der jährlichen Vergabe des Lehrbuchpreises sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darin bestärkt werden, ihre Aktivitäten im Bereich der Lehre auszuweiten, so dass die Bedeutung wissenschaftlich fundierter Lehre im Fach Betriebswirtschaftslehre hervorgehoben und gewürdigt wird.

 

 

Foto: Phillip Ehret ; (v.l.n.r.): Lehrbuchpreisträger Michael Eßig, Erik Hofmann, Wolfgang Stölzle

In diesem Jahr wurden ausgezeichnet Professor Dr. Michael Eßig (Universität der Bundeswehr München), Professor Dr. Erik Hofmann und Professor Dr. Wolfgang Stölzle (Universität St. Gallen) für ihr Lehrbuch:

 

„Supply Chain Management”

erschienen im Verlag Franz Vahlen GmbH, 2013

 

Wettbewerbsfähige Produkte sind niemals das Ergebnis einzelner Unternehmensaktivitäten, sondern entstehen im Zuge leistungsfähiger Zuliefer-Abnehmer-Beziehungen - eine an sich triviale Erkenntnis. Um Effizienzvorteile durch Spezialisierung bei gleichzeitiger Steigerung der Kundenzufriedenheit zu erschließen, gehen Unternehmen dazu über, den Anteil zugekaufter Vorleistungen weiter zu erhöhen (Stichwort "Outsourcing"). In der Industrie liegt beispielsweise der Anteil des Beschaffungsvolumens am Umsatz in der Regel bei weit über 50%. Die zunehmende Bedeutung sowohl der Zuliefer- als auch der Produktions- und Distributionsnetze für den Unternehmenserfolg geht einher mit höheren Anforderungen an das Management unternehmensübergreifender Zusammenarbeit.

 

Während Managementkonzepte für Unternehmen weit verbreitet und detailliert diskutiert sind, konzentriert sich das Lehrbuch „Supply Chain Management“ von Michael Eßig (Universität der Bundeswehr München), Erik Hofmann und Wolfgang Stölzle (beide Universität St. Gallen) auf das Management der Supply Chain, mithin des gesamten Wertschöpfungsnetzwerks. Supply Chain Management (SCM) in diesem Sinne ist dabei weitaus mehr als "nur" ein erweitertes Logistikkonzept. Stattdessen wird ein umfassender SCM-Pilot präsentiert, der alle relevanten Managementprozesse aus Sicht der gesamten Supply Chain ("Netzwerkperspektive") wie auch aus Sicht des einzelnen Unternehmens als Teil der Supply Chain ("Unternehmensperspektive") abdeckt. Vorab werden die Entwicklung des SCM als betriebswirtschaftliche Teildisziplin aufgezeigt, der Begriff definiert und die Bezugspunkte zur Entwicklung von SCM aus Beschaffung, Logistik, Produktion, Dienstleistungsmanagement und Absatzmarketing aufgezeigt.

 

Die Laudatio hielt Professor Dr. Udo Buscher von der Technischen Universität Dresden.

 

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Wir gratulieren allen Preisträgern herzlich!