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Donnerstag, 16. November 2017
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Kernaktivitäten

 

80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Stuck in the middle – Die BWL zwischen Theorie und Anwendungsorientierung

 

 

Moderation:

Prof. Dr. Dirk Simons

 

Teilnehmer:

Professor Dr. Dr. h. c. Sönke Albers, Kühne Logistics University Hamburg;

Tankred Schipanski, Rechtsanwalt und Bundestagsabgeordneter;

Prof. Dr. Joachim Weimann, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 

Die Betriebswirtschaftslehre an Universitäten wendet sich in Forschung und Lehre an einen umfangreichen Adressatenkreis. Studierende erwarten eine akademische Lehre, die dem universitären Anspruch an Abstraktionsfähigkeit und Denken in übergreifenden betriebs- und volkswirtschaftlichen Zusammenhängen genügt (also Bildung ist). Andererseits soll die universitäre Lehre auch für eine erfolgreiche berufliche Zukunft in Unternehmen, Behörden oder Forschungseinrichtungen qualifizieren (also Ausbildung sein). Auch Unternehmen erwarten hervorragend ausgebildete Absolventen, die in den verschiedensten betriebswirtschaftlichen Funktionen mit möglichst kurzer Einarbeitungszeit erfolgreich und eigenständig anspruchsvolle Aufgaben bewältigen können. Darüber hinaus soll das Studium der Betriebswirtschaftslehre an Universitäten auch forschungsorientiert sein, d.h. die Absolventen dazu befähigen, sich als Doktoranden in den Wissenschaftsbetrieb zu integrieren. Dazu sind heute in zunehmendem Maße methodische Kenntnisse erforderlich.

 

Dieser Auftrag der universitären BWL konstituiert ein Alleinstellungsmerkmal auch im institutionellen Kontext. Durch den Bezug zur Unternehmenspraxis unterscheidet sie sich von der abstrakteren Volkswirtschaftslehre, durch den Anspruch nach Bildung und Forschungsorientierung von der deutlich anwendungsorientierten und auf betriebswirtschaftliche Techniken ausgerichteten Ausbildung an Fachhochschulen. Gerade der letztere Aspekt wird zunehmend ignoriert, was jüngst durch den schleswig-holsteinischen Vorschlag zum Promotionsrecht an Fachhochschulen erneut bestätigt wurde. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, dass die universitäre Betriebswirtschaftslehre ein klares und eigenständiges Profil hervorhebt und bewahrt.

 

Das Panel versuchte deshalb unter anderem, folgende Fragen zu beantworten:

 

Wie findet die universitäre BWL die richtige Mischung zwischen Rigorosität und Relevanz?

Beides steht nicht notwendigerweise in einem Widerspruch zueinander, bedingt sich eher untereinander, ist also zueinander komplementär.

 

Welche methodische Kompetenz erfordert eine betriebswirtschaftliche Promotion? Wie muss sie sinnvollerweise betreut/begleitet und begutachtet werden?

Es gibt bisher keinen einheitlichen Doktorandenstatus, Bologna hat das Problem durch eine Reduktion der Vergleichbarkeit von wissenschaftsvorbereitenden Abschlüssen noch verschärft. Damit die Universitäten ihre Vorrangstellung bei der Doktorandenausbildung beibehalten können, wird eine noch stärker strukturierte Doktorandenausbildung in Zukunft unverzichtbar werden. Theorie- und Methodenkompetenz eines Promovenden wird sich in umfassenden Kenntnissen wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Theorien, der Ökonometrie, in Experimentaldesigns und der Optimierung zeigen müssen.

 

Ein exzellentes methodenorientiertes Studium und Doktorandenprogramme liefern  ein ausdifferenziertes Betreuungskonzept, wie es bereits bei der Befürwortung von Graduiertenkollegs ein Kriterium ist, mit Schwerpunkten u.a. in Doppelbetreuung, Mentorenprogrammen und   Auslandsaufenthalten. Hier hätten Universitäten grundsätzlich die Möglichkeit, gemeinsame Promotionskollegs mit den Fachhochschulen weiter auszubauen, um deren Absolventen mehr Möglichkeiten zu geben, die Promotion an einer Universität zu ermöglichen.

 

Die Betreuung und Begutachtung der Promovenden an Universitäten wäre somit qualitativ anders zu bewerten als die an Fachhochschulen. An der Universität ist eine Betreuung über möglichst mehrere Personen gewährleistet, die an diesen Institutionen über ausreichende Forschungszeit verfügen und selbst hochrangig in der BWL publizieren.

 

Wer sind die Empfänger der betriebswirtschaftlichen Lehrleistung?

Hier sind die Studenten der BWL im Allgemeinen und der wissenschaftliche Nachwuchs im Weiteren zu nennen. Und über diese hinaus sind es dann Unternehmen mit Bedarf an betriebswirtschaftlich ausgebildeten Mitarbeitern oder sogar an Mitarbeitern mit Wissenschaftserfahrung (Doktoranden).

 

Als Ergebnis der Lehr- und Lernleistung ist im Regelfall nicht die Promotion zu sehen. Für die Entscheidung eines künftigen Studierwilligen, in die Praxis oder in die Forschung zu gehen bzw. für die Wahl seiner Lehrinstitution und deren Standort, ist eine qualifizierte Studienberatung womöglich ausschlaggebender. Hier könne frühzeitig eine richtunggebende Hilfestellung ansetzen.

 

Welche Arbeitsteilung gibt es zwischen der BWL-Ausbildung an Universitäten und Fachhochschulen?

Von der Ausbildung an Fachhochschulen mit einem anwendungsorientierten Praxisbezug profitiert das mittlere Führungsmanagement von kleinen und mittleren Unternehmen. Eine Ausbildung an der Universität bietet Unterstützung dem gehobenen Management und dem künftigen Wissenschaftler. Diesen Anforderungen gemäß sind die Schwerpunkte der Ausbildungen beider Einrichtungen bislang bewusst unterschiedlich gehalten und die Absolventen sind betrieblich ganz unterschiedlich und dabei doch vielseitig einsetzbar.

 

Die über die Lehre hinausgehende Forschung und der daraus resultierende zusätzliche Kostenfaktor bei den Universitäten werden offiziell als Grund für die Zusammenlegungsabsichten genannt. Kurz: hier sollen Kosten reduziert werden. Gleichzeitig könnte dies aber auch als Begründung einer notwendigen Abgrenzung der Universität zur Fachhochschule angeführt werden, welche ja von der ökonomischen Grundlagenforschung und wissenschaftlichen Ausbildung mit ihren formal-analytischen, empirischen Methoden freigestellt ist. Da Forschungsmittel der Universitäten überwiegend aus der Finanzbewilligung der DFG kommen und damit extern zufließen, während sich  Fachhochschulen meist aus der Auftragsforschung refinanzieren, hält dieses Argument nicht stand. Es wird sogar die Ansicht geäußert, dass die Kleingruppenarbeit an den Fachhochschulen eher kostenintensiv ist als die universitären Angebote.

 

Im Bezug auf die internationale Wahrnehmung deutscher Universitäten würde man sich ebenfalls eine klarere Abgrenzung gegenüber den Fachhochschulen wünschen.

 

Fraglich bleibt in diesem Zusammenhang eine ebenfalls notwendige Abgrenzung zu außeruniversitären Forschungseinrichtungen, denen man das Promotionsrecht dann ebenfalls nicht verweigern könne.

 

Welche Arbeitsteilung gibt es zwischen den universitären Disziplinen BWL und VWL?

Während die BWL Aussagen für unternehmerisches Handeln ableitet, trifft die VWL Aussagen eher für politisch relevante, gesamtwirtschaftliche Entwicklungen. In der jeweiligen Methodik werden diese kaum unterschiedlich erarbeitet.

 

Fazit: Man befürchtet, dass der Diskurs um das Promotionsrecht an sich bereits große Unsicherheit bei den Promovenden hervorruft und damit schadet. Es wird appelliert, die Universität als Institution künftig für die Öffentlichkeit transparenter zu machen.

 

Zunehmend interessant in diesem Diskurs wäre auch die Position der Unternehmer und der Absolventen selbst.