Sie sind hier: VHB informiert / Rundschreiben VHB aktuell / VHB aktuell II/2013 / Pfingsttagung 2013: Nachlese / Podiumsdiskussion: „Gelingt es der BWL, die PS auf die Straße zu bringen?“
Mittwoch, 15. November 2017
Follow & Join Us
VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

„Gelingt es der BWL, die PS auf die Straße zu bringen?“

Was kann und muss die betriebswirtschaftliche Forschung für den Praxistransfer leisten?

 

Moderation: Prof. Dr. Barbara E. Weißenberger

 

Teilnehmer:

Prof. Dr. Dr. h. c. Günter Fandel, Fern-Universität Hagen / Editor-in-Chief der ZfB/JBE,

Georg Giersberg, Wirtschaftsredaktion FAZ,

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Christian Homburg, Universität Mannheim / Gründer und Vorsitzender des wiss. Beirats von Homburg & Partner,

Prof. Dr. Bernhard Pellens, Ruhr-Universität Bochum / stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Schmalenbach-Gesellschaft

 

 

„Alle wollen forschen, keiner will lehren“ – das war das ernüchterte Fazit der FAZ in ihrem Bericht über die Bozener Pfingsttagung in 2012. Für die Forschung aber ist zu konstatieren, dass sie sich oftmals weit von der Unternehmensrealität entfernt hat. Viele Praktiker beklagen sich, dass die betriebswirtschaftliche Forschung zwar für sich in Anspruch nimmt, Phänomene der Unternehmenspraxis zu durchleuchten, ein verständlicher Transfer der gewonnenen Erkenntnisse aber unterbleibt. Langfristig kann dies die gesellschaftliche Legitimation der betriebswirtschaftlichen Hochschullehre unterhöhlen. Auf dem Panel „Gelingt es der BWL, die PS auf die Straße zu bringen?“ wurde deshalb darüber diskutiert, ob Praxistransfer von den Hochschulen stattfindet und wie dieser konkret aussehen kann.

 

Mehrere Ergebnisse können festgehalten werden. So hat die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Praxis unter anderem durch die Orientierung hin zur Internationalisierung nachgelassen hat. Es wird nicht mehr dieselbe Sprache gesprochen. Die wissenschaftlichen Zeitschriften werden kaum von Praktikern gelesen, nicht zuletzt auch, weil diese einen anderen Anspruch haben.

Andererseits kann ein Praxistransfer aber auch über Lehre stattfinden, indem Forschungserfahrungen in die Lehre eingebracht werden, die die Studierenden anschließend in die Praxis weitertragen. Dies funktioniert durch die Selbstverpflichtung des Lehrenden zu einem solchen Engagement. Beispiel für einen gelungenen Praxistransfer in der Lehre sind die MBA-Programme, da dort Leute aus der Praxis weitergebildet werden. Die Möglichkeit, dass Doktoranden in Teilzeit promovieren und parallel forschen, wurde dagegen eher mit Skepsis betrachtet.

Neben der Lehre ist auch die Öffentlichkeitsarbeit, z. B. durch die Nutzung von Pressestellen ebenso wie das Verfassen von an die allgemeine Öffentlichkeit gerichteten Publikationen ein wichtiges Element des Praxistransfers. Durch eine bessere Nutzung auch dieser Kommunikationskanäle könnte die Betriebswirtschaftslehre wieder mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangen und sich zu einer gehörten Stimme entwickeln.

Als wichtiges Problem, das einem Engagement für den Praxistransfer entgegensteht, wurden schließlich Berufungsverfahren angesehen, bei denen heute vielfach nur noch die Forschungsleistung zählt, nicht aber deren Praxisnähe. Daraus wurde die Forderung abgeleitet, Berufungsverfahren sollten mehrdimensional sein und auch praxisrelevante Veröffentlichungen (auch in deutscher Sprache) sollten eine Rolle spielen. Andererseits spielt möglicherweise gerade in einer frühen Phase der Hochschullehrerlaufbahn der Praxistransfer aufgrund des erforderlichen Erfahrungs- und Know-how-Aufbaus noch eine geringere Rolle im Vergleich zu späteren Phasen.

 

Insgesamt sollte der Verband– so das Fazit der Diskussion - eine stärkere Hinwendung der Mitglieder zu einem engagierten Praxistransfer fördern, u.a. auch durch eine verstärkte Kooperation mit wissenschaftlich orientierten Verbänden der Unternehmenspraxis. Herr Kollege Pellens als Vertreter der Schmalenbach-Gesellschaft warb hier stellvertretend eindringlich für ein stärkeres Engagement.