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Freitag, 22. September 2017
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VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Code of Conduct für BWL-Hochschullehrer?

 

Moderation: Prof. Dr. Dodo zu Knyphausen-Aufseß

 

Teilnehmer:

Prof. Dr. Dres. h. c. Arnold Picot, LMU München (Vorsitzender AG Ethik),

Prof. Dr. Thomas Günther, TU Dresden,

Prof. Dr. Hansrudi Lenz, JMU Würzburg,

Prof. Dr. Till Talaulicar, Univ. Erfurt

 

Verschiedene Wissenschaftsorganisationen (z. B. auch der Verein für Socialpolitik) haben in jüngster Zeit, ähnlich wie die Wirtschaft, Verhaltenskodizes entwickelt.

Das Panel sollte die Frage klären, ob auch der VHB einen solchen Verhaltenskodex haben sollte, um den Mitgliedern eine Orientierung zu geben – für ihre wissenschaftliche Tätigkeit, aber auch für ihre Arbeit als Hochschullehrer/innen insgesamt.

Herr zu Knyphausen-Aufseß, als VHB-Vorstandsvorsitzender, erläuterte, dass Ethik bereits seit vielen Jahren ein Thema im Verband ist und der Vorstand mit Unterstützung der AG Ethik wissenschaftlichen Arbeitens, die seit 1996 existiert, schon einige Stellungnahmen anlässlich durch die Öffentlichkeit diskutierter Fälle veröffentlicht hat. Er betonte, dass der Vorstand es wichtig findet, im Verband über die Einrichtung und Form eines Ethik-Kodexes eine offene Diskussion zu führen, und dass die Stellungnahmen, Beiträge und Anregungen aller Verbandsmitglieder berücksichtigt werden sollen.

Herr Picot, Sprecher der AG Ethik wissenschaftlichen Arbeitens, stellte das von der AG erarbeitete Konzept eines Ethik-Kodexes vor und erläuterte Intention und Vorgehensweise der Gruppe. Er wies darauf hin, dass die AG es für wichtig hält, dass nach dem Panel ein Zeitplan gegeben wird, wie die weitere Entwicklung des Kodexes erfolgen soll. Außerdem betonte er, dass die AG auch einen Verfahrensteil entwickelt hat, der Vorstand sich aber vorerst dafür entschieden hat, nur den Orientierungsteil zu erarbeiten.

Mit den weiteren Panelisten, den Mitgliedern der AG Ethik wissenschaftlichen Arbeitens und dem Publikum wurde eine lebhafte Diskussion über die Notwendigkeit und den Umfang eines Ethik-Kodexes geführt.

Der Großteil der Redner sprach sich für die Notwendigkeit der Einrichtung eines Kodexes als Orientierung für die Mitglieder, insbesondere des wissenschaftlichen Nachwuchses, aber auch als Positionierung des Verbandes insgesamt, aus. Der VHB stehe in der Öffentlichkeit und trüge daher Verantwortung für seinen Umgang mit Fehlverhaltensvorwürfen und der Legitimation der Mitgliedschaft betroffener Personen und könne dieser Verantwortung mit einem eigenen Kodex nachkommen. Es gab aber auch Gegenstimmen und die Befürchtung, dass die Einrichtung eines Ethik-Kodexes zum Selbstläufer wird bzw. unkontrollierbar für verbandsfremde Zwecke missbraucht werden könnte. Einigkeit bestand darin, dass der VHB sich nicht in der Aufgabe sieht, öffentlichen Diskussionen zu offenen Verfahren eine disziplinarische Richtung zu geben.

Uneinigkeit herrschte über den Umfang und Abstraktionsgrad eines Kodexes. Dies schließt die Konkretisierung von für den Verband relevanten Werten und angemessenen Beurteilungskriterien bei Fehlverhalten in Form von Verstößen gegen die Verbandssatzung ein. Fraglich ist auch, für welchen Personenkreis der BWL die Regelung dann gilt.

Ein Vorschlag war zudem, neben einem Ethik-Kodex auch die Einzelfälle, zu denen die AG Ethik wissenschaftlichen Arbeitens in der Vergangenheit Entscheidungen getroffen hat, Dritten zugänglich zu machen. Wenn die Arbeit der AG transparent gestaltet werden sollte, müssen zwingend die Persönlichkeitsrechte gewahrt werden.

Herr zu Knyphausen-Aufseß betonte abschließend, dass die Diskussionsrunde den Beginn eines offenen, diskursiven Prozesses darstellt. Die Verbandsmitglieder werden dazu eingeladen, sich weiterhin schriftlich zum Ethik-Kodex äußern. Die Diskussion soll sich zunächst, wie geplant, auf den Orientierungsteil (Werteteil) konzentrieren; eine geeignete Einbeziehung des Verfahrensteiles steht aber natürlich auch auf der Agenda. Die Einrichtung eines Ethik-Kodexes sollte nicht überstürzt stattfinden.

Herr zu Knyphausen-Aufseß bedankte sich bei der AG Ethik wissenschaftlichen Arbeitens für deren wertvolle Arbeit beim Erstellen eines Entwurfes für einen Ethik-Kodex und versichert, dass eine Zeitschiene für das weitere Vorgehen eingeführt werden wird, nachdem eine klare Planung erfolgt ist.