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Mittwoch, 18. Oktober 2017
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Kernaktivitäten

 

80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Vorstand trifft Vorstand

How Is Business Research Helping to Overcome the Euro Debt Crisis?

 

 

Moderation

Dr. Melinda Crane, Chief Political Correspondent, Deutsche Welle TV, Berlin

 

Teilnehmer

Prof. Dr. Andreas Pfingsten, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Dott. Ing. Federico Giudiceandrea, CEO Microtec
Prof. Dr. Burkhard Schwenker, Roland Berger Strategy Consultants GmbH
Prof. Dr. Hans-Helmut Kotz, Senior Fellow am Center for Financial Studies, Goethe-Universität Frankfurt

 

 

Panellisten (v.l.n.r): Andreas Pfingsten, Burkhard Schwenker, Melinda Crane, Hans Helmut Kotz, Federico Giudiceandrea

 

Bericht

Im Unterschied zu den Volkswirten haben sich die Betriebswirtschaftler bisher kaum über die Debatte zur Staatsverschuldung und zur Krise in Europa geäußert. Aber wenn die Länder versagen, hängt die Zukunft Europas von seinen Unternehmen ab. Sie fördern das industrielle Know-how in ihren Heimatmärkten und haben die Fähigkeit, auf dem globalen Markt mit einzigartigen Produkten und Dienstleistungen erfolgreich zu sein. Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert nicht nur unternehmerische Intuition, sondern auch ein breites Spektrum an Forschung auf hohem Niveau. Besonders in regulierten Branchen wie Finanzdienstleistungen ist die wissenschaftliche Analyse erforderlich, wenn neue Regeln eingeführt werden, um die Schäden künftiger Krisen zu minimieren. Zukünftige europäische Management-Modelle werden sich auf andere Werte konzentrieren als nur auf die oft falsch verstandenen Unternehmenswerte. Welche Wachstumsimpulse wird Europa von betriebswirtschaftlichen Forschern erhalten? Unser Panel sollte die Debatte mit wertvollen Beiträgen von Führungskräften, Akademikern, betriebswirtschaftlichen Forschern und Ökonomen zum Leben erwecken.

 

Auf dem Panel wurde zunächst darüber diskutiert, ob die Betriebswirtschaftslehre in der Bewältigung der europäischen Krise versagt hat. Schließlich hängt die Zukunft Europas von seinen Unternehmen ab, die sich immer weiter globalisieren müssen. Die Teilnehmer wiesen ein Versagen der Betriebswirtschaftslehre von sich. Die Politik habe allerdings eher mit Volkswirtschaftlern kommuniziert. Sie stellten daher auch fest, dass die Betriebswirtschaftslehre sich zukünftig mehr an der Kommunikation mit der Politik beteiligen sollte, um ihren Forschungsergebnissen verstärkt Gehör zu verschaffen. Die BWL, mit dem VHB als Speerspitze, sollte das Feld nicht nur den Volkswirten überlassen. Dies gilt um so mehr, da die Volkswirte oftmals makroökonomische Modelle mit Marktannahmen verwenden, die von den Realitäten weiter entfernt sind als mikroökonomische Ansätze wie sie auch in der BWL verwendet werden.

 

Der Unternehmer des Panels, Herr Giudiceandrea, zeigte sich enttäuscht von der derzeitigen Entwicklung in Europa. Er habe kaum Chancen, sein Unternehmen in Italien zu halten, da es vom Land zu wenig Unterstützung gebe, im Unterschied zu anderen Ländern. Während vieles in Europa vereinheitlicht wurde, führen lokale Regelwerke letztlich doch zu Wettbewerbsnachteilen. Ihm bleibe vermutlich nur die Möglichkeit, mit seinem Unternehmen in ein anderes Land zu ziehen. Er plädierte für gleiche Bedingungen für europäische Unternehmen in ganz Europa.

 

Es wurde aber auch festgestellt, dass man die europäischen Unternehmen positiver sehen sollte. Die Europäer arbeiten wesentlich nachhaltiger, was eine ihrer Stärken ist. Außerdem besitzen Unternehmer in Europa eine eigene Mentalität und ein eigenes Wertesystem, die sie von anderen Unternehmen weltweit unterscheiden und nicht allein auf kurzfristigen Shareholder Value fokussieren. Diese Unterschiede sollten sich europäische Unternehmen bewahren und im globalen Wettbewerb stärker einsetzen.

 

Natürlich wird die Wirtschaftswissenschaft angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise in der Öffentlichkeit kritisch gesehen. In der Diskussion wurde deshalb eigens herausgearbeitet, dass die Disziplin zwar in einigen Punkten, z.B. durch die Förderung des Glaubens, Märkte würden alles richten, eine gewisse Mitverantwortung trägt, aber gleichzeitig auch von der Praxis manche wissenschaftlichen Erkenntnisse, z.B. bezüglich der Risikofaktoren im Verbriefungsgeschäft, ignoriert worden sind. Umstritten war, wie erfolgversprechend die aktuellen Regulierungstendenzen zur Vermeidung zukünftiger Krisen im Finanzwesen sind

 

Zum Abschluss wurde noch darüber diskutiert, ob eine Trennung zwischen Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre notwendig ist. Auch die Frage nach dem Erhalt des Euros kam auf. Dass die Einführung des Euros eine gute Sache ist und vieles für Unternehmen einfacher gemacht hat, darin war sich das Panel einig.

 

Das Fazit der Veranstaltung war, dass Betriebswirtschaftler, Volkswirtschaftler und Politiker enger zusammen arbeiten sollten und dass wieder stärker die gesamtgesellschaftliche Perspektive ins Blickfeld rücken muss.