Sie sind hier: VHB informiert / Nachrichten
Donnerstag, 27. April 2017
Follow & Join Us
VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

79. Pfingsttagung des VHB

7. bis 9. Juni 2017 in St. Gallen

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Verleihung der Verbandspreise

28.05.2015
Betriebswirtschaftliche Forschung untersucht spannende und gesellschaftlich relevante Fragestellungen: Kunden mit voller Preiskontrolle – eine erfolgreiche Marketingstrategie? Wie erklärt sich der Momentum-Effekt? Funktionsweise „ökonomischer Mechanik“ und optimierte Lösungsansätze innovativ vermittelt. Der VHB zeichnet hervorragende Publikationen auf seiner Jahrestagung aus.

 

 

Der Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e. V. zeichnet einmal jährlich Wissenschaftler oder Wissenschaftlerinnen für hervorragende Publikationsleistungen aus. Prämiert werden Beiträge zur wissenschaftlichen Forschung (Best Paper Award und Nachwuchspreis) sowie das beste neu erschienene betriebswirtschaftliche Lehrbuch (Lehrbuchpreis). 

 

Mit dem Best Paper Award werden vom Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. deutsche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für herausragende und international sichtbare wissenschaftliche Publikationen ausgezeichnet. 

 

Der diesjährige Preis geht an Professor Dr. Klaus M. Schmidt (LMU München), Professor Dr. Martin Spann (LMU München) und Robert Zeithammer (UC Los Angeles, USA) für ihre Publikation:

 

„Pay What You Want as a Marketing Strategy in Monopolistic and Competitive Markets”

erschienen in: Management Science, online 2014

 

Pay What You Want (PWYW) ist eine Marketingstrategie, bei der Verkäufer Kunden die volle Preiskontrolle überlassen – im Extremfall zahlt der Käufer nichts. Neben dem bekannten Beispiel der Rockband Radiohead gibt es viele Einzelbeispiele von Restaurants, Hotels, Museen oder den Zoos in Münster und Augsburg, die diesen Mechanismus zeitweise oder dauerhaft einsetzen. Was sind Einflussfaktoren auf die Bereitschaft von Käufern im Rahmen von PWYW freiwillige Zahlungen zu leisten? Was sind die Auswirkungen auf die Profitabilität von PWYW Verkäufern, auch im Wettbewerb mit klassischen Festpreisverkäufern? Klaus M. Schmidt, Martin Spann und Robert Zeithammer untersuchen diese Fragestellungen anhand von ökonomischen Laborexperimenten unter verschiedenen Wettbewerbsbedingungen. Die Ergebnisse zeigen, dass Kunden positive Preise aufgrund einer Präferenz für eine faire Nutzenaufteilung und Kostendeckung des Anbieters zahlen. Für Anbieter, die aufgrund eines exklusiven Angebots eine monopolistische Marktposition innehaben, kann PWYW auch dauerhaft profitabel sein. Zu höheren gezahlten Preisen führen außerdem strategische Überlegungen der Kunden, die einen Anbieter (z. B. Restaurant) im Markt behalten wollen. Unternehmen die wiederholt mit ihren Kunden interagieren, weil sie zum Beispiel in der Nachbarschaft sind, können daher höhere Zahlungen erwarten. Die Ergebnisse implizieren, dass PWYW erfolgreicher von kleinen Unternehmen und Institutionen angewendet werden kann sowie für Produkte, die durch geringe marginale Kosten gekennzeichnet sind. Dazu gehören digitale Produkte, Dienstleistungen oder kulturelle Angebote wie zum Beispiel Museen oder Konzerte. Als Marketingstrategie kann PWYW für Verkäufer sinnvoll sein, um Aufmerksamkeit zu erlangen und eine hohe Marktdurchdringung zu erreichen. Als Wettbewerbsstrategie ist PWYW weniger geeignet, da es einen Festpreiswettbewerber nicht aus dem Markt drängt. Vielmehr wirkt dann der Wettbewerbspreis als Obergrenze für die von den Käufern gezahlten Preise, d. h. keiner zahlt mehr aber manche weniger. 

 

Die Laudatio hält Prof. Dr. Dr. h.c. Sönke Albers von der Kühne Logistics University Hamburg. 

 

+++ 

 

Der Nachwuchspreis wird durch den VHB Jungwissenschaftlern in Deutschland, Österreich und der Schweiz vergeben, denen es gelingt, ihre wissenschaftlichen Leistungen an renommierter Stelle zu präsentieren, über den deutschsprachigen Bereich hinaus zu publizieren und sich so der internationalen Diskussion zu stellen. In diesem Jahr wird die folgende, von Alexander Hillert,  Dr. Heiko Jacobs und Dr. Sebastian Müller (alle Universität Mannheim) verfasste Arbeit ausgezeichnet:

 

„Media Makes Momentum”

erschienen in The Review of Financial Studies, 27/2014

 

Zu den größten und in Forschung und Praxis am kontroversesten diskutierten Phänomenen in Aktienmärkten zählt der Momentum-Effekt, welcher aussagt, dass sich Renditemuster der jüngeren Vergangenheit tendenziell in der nahen Zukunft fortsetzen. In „Media Makes Momentum“ werden empirisch konkurrierende verhaltenswissenschaftliche Erklärungsansätze für diesen Effekt getestet. Dazu wird ein umfassender Mediendatensatz erstellt, der gut 2,2 Millionen firmenspezifische Artikel aus 45 nationalen und lokalen US-amerikanischen Zeitungen zwischen 1989 und 2010 umfasst. Neben der Artikelanzahl wird auch der mit linguistischen Methoden gemessene Ton der Artikel analysiert. Es wird gezeigt, dass Gewinneraktien (Verliereraktien) der Vergangenheit ihre Renditeentwicklung insbesondere dann fortsetzen, wenn die Medien besonders häufig und positiv (negativ) über diese Firmen berichten. Der Effekt dreht sich langfristig um und ist besonders ausgeprägt für fundamental schwer bewertbare Aktien sowie in Regionen, in denen Investoren tendenziell ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen. Als Schlussfolgerung daraus ergibt sich, dass der Momentum-Effekt primär eine Überreaktion darstellt, die durch exzessive Medienberichterstattung gerade auch bei großen Unternehmen mittelfristig weiter befeuert werden kann.

 

Die Laudatio hält Prof. Dr. Engelbert Dockner von der Wirtschaftsuniversität Wien. 

 

+++ 

 

Zur BWL als Universitätsdisziplin gehört auch die hervorragende Lehre. Mit der jährlichen Vergabe des Lehrbuchpreises werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im VHB gewürdigt, die durch ein inhaltlich und didaktisch herausragendes neues Lehrbuch zu wissenschaftlich fundierter Lehre im Fach Betriebswirtschaftslehre beitragen.

 

In diesem Jahr wird Professor Dr. Stefan Helber (Leibniz Universität Hannover) für sein Lehrbuch ausgezeichnet: 

 

„Operations Management Tutorial”

Erschienen selbstveröffentlicht, 2014  

 

Wo sind im Bereich "Operations" die Stellschrauben, wie wirken sie auf die Ziele und wo liegen die Restriktionen? Wie regelt man das Management von Beständen, die Tourenplanung von Servicemitarbeitern oder der Personaleinsatz im Call Center? Immer wieder stehen Operations Manager vor Fragen dieser Art und setzen zur Lösung komplexe IT-Systeme ein. Dieses Buch verrät Ihnen, wie die "ökonomische Mechanik" solcher Probleme funktioniert und wie moderne Lösungsmethoden aussehen. Alle Inhalte des Buches werden auf über 50 YouTube-Videos im YouTube-Kanal zum Buch erläutert. Auf der Internetseite zum Buch gibt es zudem Beispieldateien und Online-Berechnungen zur Lösungskontrolle. Lesen können Sie das Buch auch unterwegs in einer für Tablets und Smartphones optimierten eBook-Variante. 

 

Die Laudatio hält Professor Dr. Andreas Kleine von der Fernuniversität in Hagen.

 

+++ 

 

Die Überreichung der Auszeichnungen erfolgt in feierlichem Rahmen während des Galadinners der Jahrestagung des VHB.

 

Wir gratulieren allen Preisträgern herzlich!