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Dienstag, 12. Dezember 2017
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80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Schmalenbach-Preisträger 2015:

24.09.2015
Dr. Christian Maier, Universität Bamberg, für seine Arbeit zu „Technostress“ von VHB und Schmalenbach-Gesellschaft ausgezeichnet

 

Nicht nur Führungskräfte erhalten häufig mehr als fünfzig E-Mails pro Tag, nicht gerechnet andere elektronische Kurznachrichten und Informationen. Der daraus resultierende „Technostress“ hat sich zu einem handfesten betrieblichen Phänomen ausgewachsen, der auch dazu beiträgt, dass die erhofften Produktivitätsgewinne aus der immer umfassenderen elektronischen Kommunikation und Vernetzung deutlich kleiner ausfällt als erhofft, oder sogar ganz ausbleibt. Christian Maier, Habilitand am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der Universität Bamberg, hat sich mit den Gründen und Konsequenzen von Technostress in seiner Dissertation auseinandergesetzt. Auf dem diesjährigen DBT ist er dafür mit dem renommierten „Schmalenbach-Preis“ ausgezeichnet worden, der gemeinsam von VHB und Schmalenbach-Gesellschaft jährlich vergeben wird.

 

Schätzungen zufolge werden täglich weltweit 200 Mrd. E-Mails empfangen oder verschickt, dazu kommen rund 30 Mrd. Whatsapp-Nachrichten. Die Überflutung mit elektronischen Nachrichten und Informationen und damit verbunden die stetig wachsende Interaktion in sozialen Netzwerken führt in der Praxis oft zu Technostress. Er löst Konzentrationsschwierigkeiten aus, Vergesslichkeit, Müdigkeit und Ängste bis hin zu Depression und Burnout und verursacht nachweislich auch handfeste körperliche Probleme wie Magengeschwüre, Bluthochdruck oder gar Herzinfarkt.

 

Vor dem Hintergrund der zunehmenden IT-Infrastruktur in Unternehmen, den Trends wie Digitalisierung und Industrie 4.0 immer weiter beflügeln, wird Technostress zu einem handfesten betriebswirtschaftlichen Problem. Denn Mitarbeiter und Führungskräfte, die unter Technostress leiden, treffen schlechtere Entscheidungen. Mit anderen Worten: Technostress erhöht die Kosten und reduziert die Erlöse. Er frisst so die Produktivitätsgewinne, die Unternehmen auch mit immer neuen  IT-Infrastrukturen realisieren möchten, zu großen Teilen wieder auf! Und schon vor über 30 Jahren konstatierte der Nobelpreisträger Robert Solow: „Man kann das Computerzeitalter überall sehen, nur nicht in den Produktivitätsstatistiken.“

 

Weil die IT-Infrastruktur zunehmend komplexer wird und immer höhere und neue kognitive und soziale Kompetenzen fordert, müssen sich Unternehmen verstärkt auch dem Thema Technostress widmen: Den Auslösern, aber insbesondere auch den Maßnahmen, wie Technostress aufgefangen werden kann. Dies ist Gegenstand der Forschungsarbeiten von Dr. Christian Maier, der als Schüler von Tim Wetzel am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Bamberg auf dem Deutschen Betriebswirtschafter-Tag 2015 mit dem mit 10.000 € dotierten Schmalenbach-Preis als einem der renommiertesten und höchstdotierten deutschen Wissenschaftspreise in der BWL ausgezeichnet wurde. Christian Maier weist beispielsweise nach, dass auch IT-Professionals unter Technostress leiden oder dass eine erzwungene Abstinenz von elektronischer Kommunikation, zum Beispiel im Sinne einer E-Mail-Pause nach Feierabend, wie sie gern propagiert wird, neuen Stress verursachen kann.

 

Prof. Dr. Barbara E. Weißenberger, die als Vorsitzende des VHB auch die Preisjury leitete, begründet die Entscheidung für die Auswahl von Christian Maier: „Die Arbeit ist modern und interdisziplinär und adressiert eine für die BWL hochrelevante Schnittstellenproblematik. Sie ist theoretisch und methodisch innovativ vielfältig verfasst und besitzt ein breites und exzellentes anwendungsorientiertes Potenzial. Sie ist damit ein wichtiger und wegweisender Beitrag, um den ‚betriebswirtschaftlichen Werkzeugkasten‘ in Unternehmen im Bereich moderner Informationstechnologien zu ergänzen.“

 

Die Dissertationsschrift ist für interessierte Leserinnen und Leser, die wir mit dieser Meldung auf eine exzellente Dissertationsschrift neugierig gemacht haben, elektronisch verfügbar unter https://opus4.kobv.de/opus4-bamberg/frontdoor/index/index/docId/25658.