Sie sind hier: VHB informiert / Nachrichten
Dienstag, 23. Mai 2017
Follow & Join Us
VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

79. Pfingsttagung des VHB

7. bis 9. Juni 2017 in St. Gallen

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Integration von Flüchtlingen aus Unternehmensperspektive

26.09.2016
Gemeinsame Panel-Diskussion von VfS, VHB und SG

 

 

Mittwoch, 07.09.2016

12:15 – 13:15 Uhr

PANEL-DISKUSSION IM RAHMEN DER JAHRESTAGUNGDES VEREINS FÜR SOCIALPOLITIK IN KOOPERATION MIT DEM VERBAND DER HOCHSCHULLEHRER FÜR BETRIEBSWIRTSCHAFT (VHB) UND DER SCHMALENBACH-GESELLSCHAFT FÜR BETRIEBSWIRTSCHAFT (SG)

 

„Integration von Flüchtlingen aus Unternehmensperspektive"

 

Das Diskussionspanel war der Flüchtlingsproblematik aus der Perspektive der Unternehmen gewidmet, da eine Integration nicht ohne diese gelingen kann. Es diskutierten unter Moderation von Karen Horn (Publizistin und Dozentin für ökonomische Ideengeschichte)

 

Birgitta Wolff (Goethe Universität Frankfurt, stellv. Vorsitzende VHB),

Renate Ortlieb (Karl-Franzens-Universität Graz),

Florian Wurzer (DB Mobility Networks Logistics AG) und

Johanna Strunz (LAMILUX Heinrich Strunz Holding GmbH & Co. KG, Die Jungen Unternehmer).

 

Die Integration von Flüchtlingen in die Arbeitsmärkte ist eines der Themen mit höchster Dringlichkeit. Gleichzeitig ist es aber auch eines der Themen von höchster Komplexität. Die vollständige Integration selbst scheinbar weniger Flüchtlinge in ein Unternehmen ist angesichts der Fülle der Herausforderungen eine herausragende Leistung. Als Herausforderungen werden vor allem Sprachkompetenz, Integration in das Leben in Deutschland (insbesondere Kenntnisse über Geschichte, Kultur, Rechtsordnungen), stabile (rechtliche) Rahmenbedingungen, Erkennen und Anerkennung von im Ausland erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten sowie insbesondere infrastrukturell bedingte regionale Herausforderungen benannt. Wichtige Chancen, so Johanna Strunz, sind der Bedarf an Arbeitskräften, sowohl für einfache Tätigkeiten, Auszubildende als auch Fachkräfte und (bisher noch) die hohe Motivation der Flüchtlinge. Renate Ortlieb nennt hier auch Social Resposibility Aspekte für Unternehmen sowie die große Hilfsbereitschaft einzelner Personen.

 

Während kleinere Unternehmen, vor allem auch in ländlichen Regionen, insbesondere Bedarf an Arbeitskräften für einfache Tätigkeiten haben, berichtet Florian Wurzer von größeren Unternehmen, die sich mit eigenen Programmen vor allem für langfristige und qualifizierte Integration einsetzen. „Integration finde nicht auf dem Markt sondern in den Unternehmen statt“, so Renate Ortlieb, dennoch wird diese durch die enorme Komplexität und Unsicherheit erschwert. Beginnend damit, die statistischen Systeme für die Erfassung von Flüchtlingen auszulegen, sind der Abbau bürokratischer Hürden und stabile Rahmenbedingungen sowie die Bündelung der Informationen, sei es die formalen Anforderungen betreffend oder die Anerkennung von im Ausland absolvierten Ausbildungen, von großer Bedeutung.

 

Birgitta Wolff zitiert Frank-Jürgen Weise: Vorsicht mit allen Zahlen - unsere Statistiksysteme sind flächendeckend nicht für die Kategorisierung von Flüchtlingen angelegt. Wir können meist Staatsangehörigkeit erfassen, aber nicht „Flüchtling“.

 

Bei der Organisation von Integration kann auch die BWL in der Flüchtlingsproblematik unterstützen. Beispielsweise kann bei öffentlichen Serviceeinrichtungen betriebswirtschaftliches Knowhow helfen, hohe Prozessqualität und damit effiziente Abläufe zu erreichen. Auch kann der Einsatz moderner wissenschaftlicher Diagnostikverfahren aus dem Human Research Management dazu beitragen, unabhängig von der Sprache herauszufinden, ob jemand bereits über insbesondere handwerkliche Qualifikationen verfügt und so das Problem der international nicht vergleichbaren Zertifizierungsstandards abfedern.

 

Als Empfehlung für die Umsetzung echter Integration durch qualifizierte Ausbildung werden die Überarbeitung der dualen Ausbildung und die Verknüpfung von Integration und Ausbildung genannt. Die Verbesserung der Kooperation mit den Regulierungsbehörden und die Flexibilisierung könnte dazu führen, dass in vielen Berufsfeldern Teilzertifikate auch frühzeitig und zunächst ohne umfassende Sprachkenntnisse - vor allem ohne Schriftdeutsch - ausgestellt werden und so bereits deutlich früher als bisher Beschäftigung ermöglichen. Birgitta Wolff betont, dass es viele gute Idee gibt, die oft auch aus den Wirtschaftswissenschaften kommen, die sich aber nur langsam in der Praxis durchsetzen. So könnte die Flüchtlingssituation auch als Anlass gewertet werden, Duale Ausbildungsgänge auf den Prüfstand zu stellen, um sie zu modularisieren und integrationsfreundlicher zu gestalten.

 

Fazit: Beschleunigung braucht Zeit

 

Sehen Sie das gesamte Panel unter: http://livestream.com/medienlabor/events/5988143/videos/135032192