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Samstag, 24. Juni 2017
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Kernaktivitäten

 

79. Pfingsttagung des VHB

7. bis 9. Juni 2017 in St. Gallen

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

76. Jahrestagung des VHB

04.06.2014
Ebnet die BWL Wege aus der wirtschaftlichen Krise – oder steckt sie selbst in der Krise? Universität Leipzig als Zentrum betriebswirtschaftlicher Diskussion

Krisen prägen das neue Millenium über seine erste Dekade hinaus – in einzelnen Unternehmen ebenso wie in der gesamten Wirtschaft. Heftige Kritik am alleinigen Ziel der Gewinnmaximierung und an der Überbetonung des Shareholder-Value-Gedankens stellen ebenso wie ein deutliches Misstrauen gegenüber der Stabilität eines immer schwerer zu verstehenden Finanzsystems viele traditionelle Werkzeuge und Modelle in der Betriebswirtschaftslehre (BWL) in Frage. Rund 450 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen sich im Rahmen der jährlichen Pfingsttagung des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB), die in diesem Jahr an der Universität Leipzig stattfindet, mit diesen Krisenerscheinungen und drängenden Fragen in Unternehmen und Wirtschaftswissenschaften auseinander. In mehr als 100 Vorträgen und Symposia geht es um Stand und Entwicklungslinien der betriebswirtschaftlichen Forschung sowie den Transfer der Erkenntnisse in die Praxis.

 

Dotcom-Blase, Finanz- und Wirtschaftskrise und schließlich Staatsschuldenkrise im Euroraum: Welche Ansprüche leiten sich aus diesen Herausforderungen für die BWL in der Praxis, in der Wissenschaft und in der Lehre konkret ab? Was erwarten Politik und Öffentlichkeit von der BWL als wissenschaftlicher Disziplin? „Als Wissenschaftsdisziplin ist die BWL gefordert, Verantwortung zu übernehmen und nachhaltige Lösungen zu finden“, betont Dodo zu Knyphausen-Aufseß, Vorstandsvorsitzender des VHB und Professor für Strategische Führung und Globales Management an der TU Berlin. „Wir müssen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen akademischer Forschung und Lehre einerseits und der Orientierung an den Bedürfnissen der Unternehmenspraxis andererseits herstellen. Dem VHB, der die BWL als Gesamtdisziplin vertritt, ist es dabei ein besonderes Anliegen, aus Sicht aller betriebswirtschaftlichen Teildisziplinen Perspektiven für die BWL in Krisenzeiten zu entwickeln und sich dabei auch kritisch mit möglichen Fehlentwicklungen auseinander zu setzen.“ Zielsetzung muss es sein, für Krisen in Zukunft besser gerüstet zu sein: Weil man ihre Gründe und Ursachen besser versteht – und weil die BWL die notwendigen Instrumente zur Vermeidung und Bekämpfung von Krisen bereitstellt.

 

Die diesjährige Pfingsttagung findet vom 11. bis 13. Juni 2014 statt und wird von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig ausgerichtet. „Die Konferenz zeichnet sich durch hochkarätige, interdisziplinäre Vorträge aus Wissenschaft und Wirtschaftsöffentlichkeit aus“, freut sich Matthias Schmidt, Sprecher des Leipziger Organisationsteams und Professor für Unternehmensrechnung, Finanzierung und Besteuerung. „Beispielsweise beleuchtet Mario Monti in seinem Vortrag was wir aus der europäischen Staatsschuldenkrise  lernen können, oder der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther nimmt Stellung zur aktuellen und brisanten Frage der Rolle der Demographie. Ingo Pies, Professor für Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg geht der Frage nach, wie die Betriebswirtschaftslehre durch Forschung und Lehre zur Bewältigung multipler Krisen – Krisen der Wirtschaft und der Wirtschaftswissenschaften – beitragen kann. Inwiefern Politik in Zeiten wirtschaftlicher Krisen agieren kann, erörtert Peer Steinbrück, Mitglied im Deutschen Bundestag. Zum Aufbau von Großprojekten unter Prämissen wie Planung, Kommunikation, Strukturen, Politik, Regelwerken, Interessenslagen, Hierarchien, Kontrollsystemen und Managern, spricht der Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Hartmut Mehdorn.„ erläutert Fakultäts- und Teamkollege Dubravco Radic, Professur für Dienstleistungsmanagement. Der Tagungsort Leipzig wird von den Kongressteilnehmern nicht nur aufgrund seiner Geschichte, seinem kulturellen Angebot, das sich zeitlich optimal vor und nach der Tagung mit Wave-Gotik und Johann Sebastian Bach präsentiert, geschätzt, sondern auch als ein renommierter Wissenschaftsstandort gerade im Bereich der Wirtschaftsdisziplinen. Vor genau 100 Jahren hatte zudem die erste Zusammenkunft von Hochschullehrern der Betriebswirtschaftslehre ebenfalls hier in Leipzig stattgefunden.

 

Neben Keynote-Vorträgen und spezialisierten Fachbeiträgen werden auch diverse grundlegende Fragen zur BWL als Wissenschaftsdisziplin thematisiert: Kann sie sich als Wissenschaft im Spannungsfeld zwischen rigor und relevance, zwischen VWL und Fachhochschule behaupten? Ist die bisherige Art der Verbreitung des akademischen BWL-Wissens in Zeiten von ‚open science’ noch angemessen? Zudem treffen sich am Donnerstag, den 12. Juni 2014, Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft zum Austausch über die aktuelle Situation der deutschen Wirtschaft. Erwartet werden u.a. Kurt Bock, Vorstandsvorsitzender der BASF SE, Jörg Rocholl, Präsident an der European School of Management and Technology, und Burkhard Schwenker, CEO der Roland Berger Strategy Consultants Holding GmbH, mit Diskussionsbeiträgen zur Frage „Siegen wir uns zu Tode – vergisst die deutsche Wirtschaft im Erfolg ihre Hausaufgaben?“.

 

Alle Informationen zur Tagung finden sich online: www.bwl2014.de.