Aufgaben, Organisation und Geschichte des Verbandes
Der Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft verfolgt nach seiner im Jahre 1976 verabschiedeten neuen Satzung den Zweck, der Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre als Universitätsdisziplin zu dienen, u.a. durch die Förderung der betriebswirtschaftlichen Forschung und Lehre, sowie durch die Kontaktpflege zwischen den Mitgliedern, zur Praxis und zu ähnlichen in- und ausländischen Institutionen (vgl. im Einzelnen § 2 der Satzung).
Angesichts der Entwicklung im Hochschulbereich stellt sich nach der letzten umfangreichen Satzungsänderung die Aufgabe der Anpassung von Verbandsorganisation und Strukturen an aktuelle Begebenheiten. Nach umfangreichen Vorbereitungen und Diskussionen konnten auf der Jahrestagung 2004 in Graz umfangreiche Satzungsänderungen, insbesondere auch im Hinblick auf die Mitgliedschaft, beschlossen werden. Satzung
Dem Verband gehören ordentliche Mitglieder sowie Ehrenmitglieder an. Ordentliche Mitglieder sind im Regelfall habilitierte Hochschullehrer und Honorarprofessoren sowie Nachwuchswissenschaftler, die sich nach der Promotion weiterhin wissenschaftlich betätigen, die eine Habilitation anstreben oder eine Juniorprofessur inne haben (vgl. § 5 Ziffer 2 der Satzung). Mit der Satzungsänderung von 1996 wurde darüber hinaus die Möglichkeit der Aufnahme kooptierter Mitglieder geschaffen (vgl. § 5 Ziffer 3 der Satzung). Der Verband versteht sich als Vereinigung der deutschsprachigen Universitäts-Hochschullehrer für Betriebswirtschaft. Dementsprechend stammen die meisten Mitglieder aus der Bundesrepublik Deutschland, aus Österreich und der Schweiz. Weitere Mitglieder arbeiten in vielen anderen europäischen Staaten sowie in der Türkei, in Japan, Korea, Tunesien, Australien, in den USA und Kanada.
Der Verband wird vom Vorstand geleitet, dem neben dem für zwei Jahre gewählten Vorstandsvorsitzenden und seinem Vertreter als amtierender Vorstand i.S. des § 26 BGB ein Schatzmeister sowie vier weitere ordentliche Mitglieder, davon zwei in der Regel aus dem Ausland, angehören.
Beraten wird der Vorstand von einem Vorstandsbeirat, der insbesondere aus dem Alt-Vertretungsvorstand sowie den Vorsitzenden der wissenschaftlichen Kommissionen gebildet wird. Die Mitgliedschaftskommission (bestehend aus sieben Mitgliedern) bereitet (insbesondere in Zweifelsfällen) die Entscheidungen des Vorstands über die Aufnahme ordentlicher Mitglieder vor.
Die wissenschaftliche Arbeit innerhalb des Verbandes findet vor allem in den wissenschaftlichen Kommissionen statt. Diese Kommissionen werden nach fachlichen Gesichtspunkten gegründet. Die z.Zt. sechzehn bestehenden Kommissionen spiegeln die Vielfalt und Ausdifferenzierung der betriebswirtschaftlichen Fachgebiete wieder (vgl. S. 17) und werden auf Antrag von der Hauptversammlung gebildet. Für aktuelle Aufgaben setzt der Verband Arbeitsgruppen ein.
Der Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e. V. wurde am 26. November 1921 als Verband der Dozenten für Betriebswirtschaftslehre an deutschen Hochschulen mit Sitz in Frankfurt a. M. gegründet. Der Gründung war eine Reihe von informellen Treffen vorausgegangen. Zum ersten Male hatten die Dozenten für Betriebswirtschaftslehre Pfingsten 1914 in Leipzig getagt. Die nunmehr über achtzigjährige Geschichte des Verbandes kann in fünf Abschnitte eingeteilt werden und ist von ihren Anfängen an eng mit den Namen der bedeutendsten deutschen Vertreter der Betriebswirtschaftslehre verbunden. So ging die Initiative zur Gründung von Heinrich Nicklisch, Ernst Pape und Fritz Schmidt aus. Bald wurde Josef Hellauer Mitglied des Verbandes, und nachdem Eugen Schmalenbach gewonnen war, blieb der Vorstand mit Nicklisch, Schmalenbach und Schmidt bis zum Jahre 1933 unverändert. Mit dem Aufbau des damaligen Dozentenverbandes war die Konsolidierung der Betriebswirtschaftslehre als Hochschuldisziplin aufs Engste verbunden. Nicklisch, Schmalenbach und Schmidt bildeten gemeinsam in der ersten Entwicklungsphase von 1921 bis 1933 für ungefähr ein Jahrzehnt nicht nur den Vorstand des Verbandes, sie festigten auch zusammen mit einer Reihe weiterer namhafter Hochschullehrer der Betriebswirtschaftslehre die Position dieser Disziplin im Fächerkanon der Wissenschaften.
Der zweite Abschnitt in der Verbandsgeschichte ist von 1933 bis 1948 zu datieren; in dieser Periode ruhte die Verbandsarbeit. Die dritte Phase dauerte von der Wiedererrichtung des Verbandes (1948) bis ungefähr 1970. Am 22. und 23. Oktober 1948 fand auf Anregung von Rudolf Seyffert in den Trümmern der Universität Frankfurt a. M. das erste Treffen nach dem 2. Weltkrieg statt, woran 35 Verbandsmitglieder teilnahmen. Die Versammlung entschied sich für die Wiedererrichtung des Verbandes der Dozenten für Betriebswirtschaftslehre in vorläufig loser Form eines Trefftages. Bei der nächsten Zusammenkunft am 10. August 1949 wurde beschlossen, den Verband zunächst in Form eines nicht eingetragenen Vereins unter dem Namen Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaftslehre fortzuführen. Auf dieser Tagung wurden Eugen Schmalenbach und Fritz Schmidt zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Ab 1950 wurden die Jahrestagungen des Verbandes - einer alten Tradition folgend - wieder in der ersten Woche nach den Pfingstfeiertagen durchgeführt. Auf der Tagung 1950 wurde beschlossen, die Satzung des Verbandes aus seinen Gründerjahren mit einigen den Namen und die Mitgliedschaft des Verbandes betreffenden Ergänzungen wieder in Kraft zu setzen. Vom Jahre 1952 an sind die Kontakte zu Fachwissenschaftlern des Auslandes wieder aufgenommen worden. Die Mitglieder der Vereinigung schweizerischer Betriebswirtschaftler, soweit sie Hochschullehrer waren, traten anlässlich einer Tagung des Verbandes in St. Gallen 1971 in den Verband ein.
Mit Beginn der siebziger Jahre trat der Verband in eine neue, vierte Entwicklungsphase ein. Bis dahin stützte sich die Verbandstätigkeit im Wesentlichen auf die traditionellen Pfingsttagungen, die den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt des Faches dokumentierten. Diese boten gleichzeitig dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine vorzügliche Gelegenheit, sich mit den eigenen Leistungen zu präsentieren. Die starke Zunahme der Zahl betriebswirtschaftlicher Lehrstühle an wissenschaftlichen Hochschulen in den sechziger Jahren und die sich intensivierende Diversifikation und Spezialisierung des Faches trugen dazu bei, dass 1970/71 mit der "Kommission für Absatzwirtschaft" die erste wissenschaftliche Kommission des Verbandes mit einer permanenten Aufgabe und einer eigenständigen Arbeitsweise im Rahmen der Verbandsorganisation entstand. In den folgenden Jahren bildete der Verband weitere fünfzehn wissenschaftliche Kommissionen. Seither stützt sich die Verbandsarbeit in gleicher Weise auf die allgemeinen Jahrestagungen mit einem wissenschaftlichen Generalthema in der Pfingstwoche und auf die intensive Arbeit in den Spezialgebieten der wissenschaftlichen Kommissionen.
Seit Beginn des neuen Jahrtausends befindet sich der Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e. V. in einer neuen, fünften Entwicklungsphase. Bemerkenswert ist in der jüngeren Entwicklung des Verbandes seine stärkere internationale Orientierung. Der Verband hat die Gründung der International Federation of Scholarly Associations of Management (IFSAM [http://www.ifsam.org/]) während seiner Jahrestagung in Frankfurt 1990 aktiv gefördert und gehört ihr als Gründungsmitglied an. Zu den traditionellen Aktivitäten traten zudem als neue Aktivitäten die Nachwuchsförderung (Vortragsprämien, Nachwuchspreis) sowie die Förderung wissenschaftlicher Publikationen ("Best Paper Award", Preis für die beste Monographie sowie für das beste Lehrbuch) hinzu. Als Folge der Wiedervereinigung konnte der Verband im Jahre 1991 die ersten Hochschullehrer der Betriebswirtschaft aus dem Gebiet der ehemaligen DDR aufnehmen, denen eine Mitgliedschaft bis dahin versagt war. 1997 fand in Halle (Saale) zum ersten Mal seit den frühen dreißiger Jahren wieder eine Verbandstagung auf dem Gebiet der ehemaligen DDR statt. Auffallend ist schließlich, dass seit wenigen Jahren der Anteil der Frauen unter den ordentlichen Mitgliedern zwar langsam, aber stetig wächst. Der Verband erfreut sich zunehmender Beliebtheit und hat positive Zuwachszahlen zu verzeichnen. Während am ersten Verbandstreffen nach dem Zweiten Weltkrieg knapp drei Dutzend Verbandsmitglieder teilnahmen, zählt der Verband heute rund 1800 Mitglieder.
Der Auf- und Ausbau der Kommunikation durch Newsletter und Internet-Plattform und die regelmäßige Veranstaltung von Diskussionsforen zu aktuellen Fragen der Hochschulpolitik stellt wichtige Maßnahmen für den wissenschaftlichen Austausch der Verbandsmitglieder dar. Die Internet-Präsenz des Verbandes (http://vhbonline.org) wird kontinuierlich in Richtung einer weiteren Erhöhung der Interaktionsmöglichkeiten zu aktuellen Themenkreisen ausgebaut. Auf die damit gegebenen Funktionalitäten als tagesaktuelles Kontakt-, Informations- und Kommunikationsforum wird an dieser Stelle nachdrücklich verwiesen.
Während am ersten Verbandstreffen nach dem Zweiten Weltkrieg knapp drei Dutzend Verbandsmitglieder teilnahmen, zählt der Verband heute etwa tausendachthundert Mitglieder.
Die Ausführungen wurden in der vorliegenden Fassung für das Mitgliederverzeichnis 1982 von Peter Mertens und Eduard Gaugler zusammengestellt. Die Angaben sind im wesentlichen übernommen aus einem Beitrag von G.-H. v. Kortzfleisch: Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V., in: Handwörterbuch der Betriebswirtschaft, Bd. I/3, 4. Aufl., hrsg. v. E. Grochla u. W. Wittmann, Stuttgart 1976, Sp. 4111ff.; Ergänzungen stammen von K. Banse, H. Linhardt, H. Müller-Merbach, K. Schwantag, K. Brockhoff, J. Hauschildt, H.J. Drumm, A. Picot, W. Ballwieser, W. Plinke, Th. Siegel, W. Weber, L. Nastansky und G. Schreyögg.




