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Dienstag, 12. Dezember 2017
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VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Innovationen in der Krisenzeit?

Krise sollte als Chance gesehen werden, eingefahrene Strukturen zu überarbeiten. Hierbei kann eine organisatorische Innovation ein Weg sein, deren Umsetzung aber wahrscheinlich mit Kosten verbunden sein wird und deren Erfolg langfristig betrachtet werden muss. Von Bedeutung sind hierbei: Potential erkennen, Qualität einsetzen und hervorbringen, Mitarbeiter motivieren, Kundenbedürfnisse erkennen und neben allen betriebswirtschaftlichen Auswertungen noch gesunden Menschenverstand behalten.

 

Teilnehmer und Themen

Am Rednerpult: v. Oetinger. Auf dem Podium: Dill, Schlüter, Esser, Kaulvers und Brockhoff, Foto: H. Rehling

 

Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Brockhoff, Vorsitzender des Vorstands des VHB 1991-1992 und stv. Vorsitzender des Vorstands der Stiftung WHU, Dr. Peter Dill, Geschäftsführer "Deutsche See" GmbH, Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer Die ZEIT – Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, Dr. Stephan-Andreas Kaulvers, Vorsitzender des Vorstands der Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg-Girozentrale und Prof. Dr. Bolko von Oetinger, Mitglied des Vorstands des VHB, diskutierten am 27. Mai 2010 unter Moderation von Theo Schlüter, Radio Bremen über die Fragen: Können wir uns aus der Krise heraus sparen? Bis jetzt scheint es ein probates Mittel gewesen zu sein. Aber auch für morgen? Oder führt der Weg aus der Krise zwangsläufig über neue Produkte, neue Prozesse und neue Geschäftsmodelle? Gehen uns wegen der Kreditklemme die Möglichkeiten aus?

 

Statements der Podiumsteilnehmer

Theo Schlüter im Gespräch mit Dr. Dill, Prof. Brockhoff im Hintergrund. Foto: H. Rehling

Die Zeit befindet sich laut Aussage von Dr. Rainer Esser nicht in einer Krise. Sie hat ihre Krise vor zehn Jahren gehabt und seitdem kontinuierlich in Qualität – sowohl beim Produkt als auch beim Personal - investiert. Gehen die Geschäfte jahrelang gut, läuft man Gefahr, bequem und bräsig zu werden.

 

Das innovative Geschäftsmodell der Deutsche See GmbH war nach Dr. Peter Dill, ein kränkelndes Unternehmen zu übernehmen, das keiner haben wollte. Mit „attention to details“ und großem Einsatz („Qualität kommt von Quälen“) sowie umfassender Mitarbeitermotivation wurde eine „Fischmanufaktur“ eingerichtet, bei der auch unter schwierigen Bedingungen Qualität produziert wird.

 

Nach Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Brockhoff sind Innovationen Ideen, die neue Geschäftsmodelle hervorbringen. Bei einer konjunkturellen Krise hilft möglicherweise ein Kredit zur Überbrückung der Krise, bei unserer derzeitigen strukturellen Krise reicht ein Kredit nicht aus, ggf. ist eine über reine produkt- oder prozessorientierte Innovationen hinausgehende organisatorische Innovation hilfreich.

Innovation ist, sich ein Segment zu suchen oder zusammenzustellen, das zukunftsträchtig ist. Dabei ist Innovation stets als Investition für die Erzielung langfristigen Erfolgs zu betrachten. Hierbei sind Innovation zwar, so Brockhoff, entsprechend der Kundenbedürfnisse, aber nicht als Reaktion auf Kundenäußerungen, denn wenn man auf den Kunden hört, ist man bereits zu spät - und nur wenige Kunden sind innovativ.

 

 

Foto: H. Rehling

Prof. Dr. Bolko von Oetinger ist überzeugt, dass wir erst durch die Krise begonnen haben, Strukturen zu überdenken und das Erfordernis souveränen Handelns neu zu begreifen. Auch bei Hänsel und Gretel führte der Ausweg über das souveräne Handeln in Form des Tyrannenmordes.

Innovation in der Krise bedeutet auch, Innovation als (nicht neue) Möglichkeit zu sehen, aus der Knappheit der Ressourcen heraus etwas Neues zu entwickeln (frugal innovation). Von Oetinger sieht die Krise als Chance für kleine Unternehmen bzw. Außenseiter und als Risiko für große Unternehmen.

 

 

Die Wirtschaft neigt nach Erfahrung von Dr. Stephan-Andreas Kaulvers dazu, sich auf Strukturen und Prozesse zu verlassen. Doch trotz aller Risikofrüherkennungssysteme und Rankingergebnisse sollte ein Unternehmer nie den gesunden Menschenverstand verlieren.

Längerfristig sinnvoller ist es, sich auf seinen Einflussbereich zu konzentrieren: Eine pauschale Zusammenlegung regionaler Strukturen ist abzulehnen, eine funktionale Konsolidierung, z.B. der Landesbanken im Ausland, durchaus zu begrüßen.

 

Foto: H. Rehling

Fazit

  • Ein bisschen Krise ist gut, um den eigenen Laden wieder auf Vordermann zu bringen und sich wieder etwas anzustrengen.

  • Innovation ist auch, Potential zu sehen und dann mit Mut und langem Atem Qualität bis ins Detail durchzusetzen.

  • Ein Standortvorteil von Deutschland ist, dass mit motivierten Mitarbeitern Qualität geleistet werden kann.

  • Organisatorische Innovation sind ein Weg aus der Krise.

  • Die Krise ist ein (neutraler) Anlass für Strukturanpassung und souveränes Handeln, Krise als Chance, vernachlässigtes Nachzuholen.

  • Scheinbar verlässliche Ergebnisse sollten stets mit gesundem Menschenverstand beurteilt werden.

  • Innovation kostet und der Erfolg einer Innovation muss langfristig betrachtet werden.