Sie sind hier: Veranstaltungen / Arbeitstagungen / Forschungsförderung durch die DFG und andere Institutionen - 5. März 2015
Dienstag, 14. November 2017
Follow & Join Us
VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Bericht zur Arbeitstagung

"Forschungsförderung durch die DFG und andere Institutionen" am 5. März 2015 in Mannheim

 

 

 

Exzellente Forschung braucht Ressourcen – und diese kosten Geld: So einfach diese Aussage klingt, so schwierig ist es heute, im Wettbewerb vieler spannender Forschungsideen die notwendigen finanziellen Mittel für die eigenen Projekte zu akquirieren.

Zudem ist gerade die Einwerbung von Drittmitteln heute Bestandteil vieler Zielvereinbarungen zwischen Hochschulen und Lehrstuhlinhabern. Schon von akademischen Nachwuchskräften auf Juniorprofessuren oder Habilitandenstellen wird erwartet, dass sie erfolgreich Drittmittel aus den verschiedenen Forschungsförderlinien der DFG und anderen Programmen insbesondere begutachteter Forschungsförderung z.B. der EU, des BMBF, der Länder oder auch privater Stiftungen, einwerben können. Auch die Forschungsstärke von Hochschulen wird an der Höhe der eingeworbenen Drittmittel gemessen.

 

 

Ziel der Veranstaltung unter Leitung von Prof. Dr. Birgitta Wolff war es, über bedeutsame Förderlinien für kompetitive Drittmittel in der Betriebswirtschaftslehre zu informieren und gleichzeitig aus dem Kreis erfahrener Kollegen Hinweise und Strategien für die erfolgreiche Entwicklung eines Forschungsportfolios, die Organisation von Forschungskooperationen für Zwecke der Drittmittelakquise und das Schreiben „guter“ Anträge zu erfahren. Hierbei war es uns ein Anliegen, darauf aufmerksam zu machen, dass Forschungsförderung aus ganz verschiedenen Perspektiven gesehen werden kann: Forschungsförderung aus Sicht einer Nachwuchswissenschaftlerin/eines Nachwuchswissenschaftlers, aus Sicht erfahrener Hochschullehrer/innen oder auch aus der Perspektive des Dekanats (Stichwort Wissenschaftsmanagement) bis hin zur Universität als Gesamtorganisation, die Forschungsförderung als ein strategisches Instrument unter vielen begreift.

 

Im ersten Beitrag „Forschungsförderung durch die DFG in der Betriebswirtschaftslehre: Programme, Antragstellung und Erfahrungen“ stellte Dr. Christiane Joerk die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) als eine Förderinstitution vor, die durch wissenschaftspolitische Unabhängigkeit gekennzeichnet ist, von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern getragen wird und erkenntnisorientierte Forschung fördert. Die weiteren Ausführungen konzentrierten sich auf Sachbeihilfen der DFG (Einzelprojekte), da diese quantitativ am stärksten nachgefragt werden. Anhand des Leifadens für die Antragstellung (Merkblatt) wurde dargestellt, wie ein erfolgreicher Antrag aufgebaut sein sollte und was bei der Antragstellung zu beachten ist. Hervorgehoben wurden eine Skizzierung des Forschungsstands (einschlägige Literatur, internationale Forschung) und die Darlegung der eigenen fachlichen und/oder methodischen Expertise, jeweils im Hinblick auf das zu fördernde Projekt.

Anschließend wurde der Entscheidungsprozess skizziert. Zunächst werden Anträge schriftlich von jeweils im Forschungsfeld ausgewiesenen Experten begutachtet. Anschließend werden die Anträge auf Basis der Gutachten im Fachkollegium Wirtschaftswissenschaften diskutiert und eine Empfehlung über die Förderung ausgesprochen. Im Rahmen dieses Diskussions- und Bewertungsprozesses kommt dem Fachkollegium, so Christiane Joerk, eine in gewisser Weise „Standards für gute wissenschaftliche Forschung setzende Funktion zu“, dessen Wirkungen vermutlich auch über die DFG-Praxis hinausreichen dürfte. Insgesamt wurde eine weitreichende Transparenz im Entscheidungsprozess hervorgehoben. Die eingeholten Gutachten und das Votum des Fachkollegiums werden bei der Ablehnung von Anträgen grundsätzlich immer zur Verfügung gestellt. Frau Joerk informierte in diesem Zusammenhang auch über den Anteil der BWL am Gesamtfördervolumen in den Wirtschaftswissenschaften und betonte, dass die BWL im Bereich der koordinierten Forschungsförderung noch etwas Nachholbedarf habe.

Als Programmdirektorin der Gruppe Geistes- und Sozialwissenschaften ermutigte Frau Joerk ausdrücklich zur Antragstellung und betonte, dass eine Ablehnung zwar erstmal enttäuschend sei, aber immer auch die Möglichkeit gegeben sei, einen unter Berücksichtigung der Gutachtenkritik und der Hinweise des Fachkollegiums überarbeiteten Antrag einzureichen. Es wurde weiterhin betont, dass die Geschäftsstelle für alle Fragen in Bezug auf Fördermöglichkeiten, konkrete Antragstellung, Überarbeitung eines Antrags, etc. jederzeit gern zur Verfügung steht. In der anschließenden Diskussion wurden konkrete Einzelfallfragen beantwortet.

 

 

 

  • 01 Joerk 01.pdfFolien zu "Forschungsförderung durch die DFG in der Betriebswirtschaftslehre: Programme, Antragsstellung und Erfahrungen"

 

Als nächstes gab Prof. Dr. Andreas Herrmann von der Universität St. Gallen einen Erfahrungsbericht zu „Getting published mit Industrieprojekten“. Die Universität St. Gallen pflegt einen intensiven Kontakt zu Unternehmen. Dies zeigt sich in einem sehr umfassenden Executive Education-Programm wie auch in vielfältigen bilateralen Kooperationsprojekten zwischen Lehrstühlen und der Industrie. Hierzu sind Rahmenbedingungen erforderlich, die die Akquisition von Drittmitteln ermöglichen. Im Rahmen des Vortrages wurden diese Rahmenbedingungen diskutiert. Darüber hinaus steht auch die Universität St. Gallen im Blickfeld von Rankings. Folglich bedarf es einem Transfer der Ergebnisse aus Kooperationsprojekten in Zeitschriften und Publikationen. Auch dieser Aspekt war Gegenstand des Vortrages.

In St. Gallen muss ein großer Teil der Gelder, mit dem die Lehrstühle arbeiten, durch Drittmittel akquiriert werden. Die Universität pflegt deshalb intensiven Kontakt mit Alumnis und Unternehmen. Während der Fragerunde betonte Andreas Herrmann, dass sich im Laufe der Zeit ein intensives Vertrauensverhältnis zwischen Hochschule und Unternehmen gebildet hat, und dieses Grundlage für gemeinsame Veröffentlichungen mit Unternehmen ist.

 

 

 

 

Prof. Dr. Thomas Hess von der Ludwig-Maximilians-Universität München berichtete über zwei verschiedene Drittmittelprojekte in seinem Vortrag „Finanzierung von Forschungsprojekten durch BMBF und Unternehmen“. Drittmittel stellen einen bedeutenden Teil der Etats deutscher Forschungseinrichtungen dar. Ob­wohl deren Gewinnung in der Regel mit hohem Aufwand und nicht selten mit gewissen Richtungsvorgaben einhergeht, bieten Drittmittel die Möglichkeit weitere Themenfelder zu erschließen oder den Wegfall von Erst- und Zweitmitteln zu kompensieren. Zudem wird die Einwerbung von Dritt­mitteln gerne auch als – wenn auch umstrittener – Indikator für Leistung in der Forschung bemüht. Neben der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Stiftungen und der Europäischen Union stellen insbesondere Unternehmen und Bundes­mini­sterien erfolgversprechende Quellen für Drittmittel dar. Der Erfahrungsbericht sollte anhand von zwei Beispielen zeigen, dass sowohl die Privatwirtschaft als auch das Bundes­ministerium für Bildung und Forschung als Financiers von Forschungsprojekten in Frage kommen – sofern man Intention und Logik solcher Kooperationsmodelle versteht und die Unab­hängigkeit in der Forschung wahrt.

Das „Internet Business Cluster“, in dem seit 2011 drei Universitätsinstitute und vier Medien- und Internetunternehmen aus dem Raum München zusammenarbeiten, hat sich Fragestellungen um Medienunternehmen im Wandel der Digitalisierung verschrieben. Konkret umfasst das IBC mit Forschung, Lehre und Standortförderung drei Arbeitsbereiche.

Das Forschungsvorhaben "Deutsche Software Champions - Bestandsaufnahme, Stellschrauben, Perspektiven" – eine Kooperation des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), zweier Institute der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Center for Digital Technology and Management – hatte das Ziel, die Zukunftspotentiale der deutschen Software-Industrie detailliert zu analysieren und Erfolgsstrategien in Bezug auf deren Internationalisierung abzuleiten. Basierend auf natio­nalen und internationalen empirischen Erhebungen auf volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Ebene wurden über 2,5 Jahre Handlungsempfehlungen nicht nur für die Politik, sondern auch für Unternehmen und Verbände abgeleitet.

Herr Hess stellte die beiden Projekte vor. Das Projekt „Internet Business Cluster“ wird durch Drittmittel aus Unternehmen finanziert. Diese Art der Förderung ist sehr individuell und basiert laut seinen Erfahrungen auf persönlichen Kontakten. Das Projekt „Deutsche Software Champions“ wird durch das BMBF gefördert. Das BMBF schreibt in der Regel Projekte aus, auf die man sich bewirbt. Es gibt auch Sonderprojekte, bei denen das BMBF auf eine Person zugeht. Laut der Beobachtungen von Thomas Hess muss man sich bei Förderformaten jenseits der DFG den Zielen Dritter anpassen. Er schlägt vor, mit anderen zusammenzuarbeiten und eher größere Projekte zu machen, da kleine Projekte sich für die Sichtbarkeit meist nicht lohnen.

 

 

 

  • 03 Hess.pdfFolien zu "Erfahrungsbericht: Finanzierung von Forschungsprojekten durch BMBF und Unzernehmen"

 

In der letzten Präsentation des Tages „Erfahrungsbericht: Erfolgreicher Aufbau und Umsetzung eines drittmittelstarken Forschungsprogramms“ berichtete Professor Dr. Dr. h.c. Sönke Albers von der Kühne Logistics University Hamburg (KLU) über Erfahrungen aus drei verschiedenen Initiativen, drittmittelstarke Forschungsprogramme aufzubauen. Zum ersten handelt es sich um das Graduiertenkolleg „Betriebswirtschaftliche Aspekte lose gekoppelter Systeme im Zeitalter elektronischer Medien und Electronic Commerce“, welches von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) von 1999-2009 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gefördert wurde und für das er als Sprecher fungiert hat. Zum zweiten handelt es sich um einen SFB-Antrag der CAU zum Thema „Gerechtigkeit in einer globalisierten Welt: Nachhaltigkeit, Partizipation, Entwicklung“, welcher von der DFG zwar positiv begutachtet wurde, aber schließlich nicht finanziell gefördert wurde. Zum dritten handelt es sich um die Forschergruppe zum Thema „Vermarktung hedonischer Medienprodukte im Kontext digitaler sozialer Medien“, welche von einer Gruppe von Forschern der Universitäten Hamburg, Münster, Köln und der KLU (u. a. Albers) beantragt worden war und seit dem letzten Jahr von der DFG finanziell gefördert wird.

Aus diesen Erfahrungen leitete Sönke Albers zehn Thesen ab:

  1. Wähle ein Thema, das spezifisch genug ist, aber unter dem sich möglichst viele Kollegen wiederfinden können.
  2. Die Struktur innerhalb der Beteiligten muss hierarchisch sein.
  3. Akzeptiere nur Mitstreiter, die wirklich an dem Forschungsprogramm teilnehmen wollen.
  4. Akzeptiere nur Mitstreiter, die gute Forschungsperformance gezeigt haben.
  5. Der Antrag sollte Synergien zwischen den Forschern aufzeigen.
  6. Der Antrag muss konkret genug sein, damit Reviewer ihn auch beurteilen können.
  7. Jeder Antrag sollte vorher einem „friendly review“ unterzogen werden.
  8. Das Forschungsprogramm sollte von der Universitätsleitung unterstützt werden.
  9. Gute Ergebnisse erzielt man nur, wenn man sehr gute Doktoranden auswählen kann.
  10. Ohne direkten und intensiven Input des Forschers geht es nicht.

In seinem Vortrag gab Herr Albers viele wichtige Hinweise und zahlreiche Tipps aus langjährigen Erfahrungen mit Drittmittelprojekten. Auch er wies darauf hin, dass Zusammenarbeit mit anderen Kollegen meist sinnvoller ist, als kleinere Projekte alleine zu bearbeiten und besonders für einen persönlich so eine Zusammenarbeit sehr motivierend und lehrreich sein kann. In der Fragerunde ging er unter anderem darauf ein, dass bei Erstanträgen die „Past Performance“ keine Rolle spielt, sondern erst bei Folgeanträgen.

 

 

  • 04 Albers.pdfFolien zu "Erfahrungsbericht: Erfolgreicher Aufbau und Umsetzung eines drittmittelstarken Forschungsprogramms"

 

In der abschließenden Diskussion wurde u.a. erörtert, dass und inwiefern wissenschaftliche Forschungsstärke – auch gezeigt durch entsprechende Drittmittelstärke – auch in der Differenzierung zur BWL an Fachhochschulen wichtig ist. Zugleich könne man aber auch mit Fachhochschulen in Sinne komplementärer Partnerschaften kooperieren, beispielsweise bei der Doktorandenbetreuung.

Wie wichtig es ist, bei Berufungsverfahren nachzuweisen, dass man bereits Drittmittel eingeworben hat, hängt davon ab, auf was man sich bewirbt. An Technischen Universitäten spielt das eine größere Rolle als an anderen Universitäten. Eine wichtige Rolle spielt auch die Vernetzung: Es hilft, wenn man auf Tagungen präsent ist, da man dort auf Personen treffen kann, die man in späteren Verfahren wiedersieht.

 

Während der Vorträge und der Pausen gab es intensive Gespräche zwischen Referenten und Teilnehmern und einen regen Erfahrungsaustausch. Die Arbeitstagung verlief mit 45 Teilnehmern sehr erfolgreich und erhielt ein positives Feedback.

 

An dieser Stelle gilt unser Dank noch einmal den Referenten, die unsere Veranstaltung möglich gemacht habe. Außerdem danken wir Dirk Simons und der Universität Mannheim für die Bereitstellung von Räumen und Unterstützung.