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Dienstag, 22. August 2017
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VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Bericht zur Arbeitstagung

Forschungsförderung in der BWL durch die DFG

Thematik:

 

Am 12. März 2010 fand an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main eine Arbeitstagung zur Forschungsförderung in der Betriebswirtschaftslehre durch die DFG statt. Frau Professorin Dr. Caren Sureth als für den Workshop zuständiges Vorstandsmitglied führte durch den Workshop. Während der Einführung berichtete sie, dass die Drittmittelverausgabung in der BWL stark zugenommen hat und dass die DFG einen hohen Stellenwert in der Förderung einnimmt.

 

Vor diesem Hintergrund verfolgte der VHB mit der Arbeitstagung das Ziel, seinen Mitgliedern attraktive Möglichkeiten aufzuzeigen, wie über die Förderangebote der DFG finanzielle Unterstützung gewonnen werden kann. Da für eine erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln eine gezielte Ausrichtung der Förderanträge in Hinblick auf die Bewertungskriterien der jeweiligen Programme erforderlich ist, hat der VHB mit diesen Workshop die Gelegenheit geboten, unmittelbar an den Erfahrungen in der DFG und von Kollegen, die erfolgreich Projekte eingeworben und durchgeführt haben oder Anträge und Projekte auf der Gutachterseite beurteilt haben, zu partizipieren.

 

Vertreter der DFG sowie Mitglieder geförderter Projekte berichteten während der Tagung von ihren Erfahrungen und gaben Ratschläge zur Förderpolitik der DFG. Außerdem stellten sie sich im Anschluss an ihre Vorträge den Fragen der Teilnehmer.

 

Vorträge:

 

Forschungsförderung durch die DFG in der Betriebswirtschaftslehre – Programme, Antragstellung und Erfahrungen
Michael Schuster (Deutsche Forschungsgemeinschaft)

 

Den Eröffnungsvortrag hielt Herr Michael Schuster als für die BWL zuständiger Programmdirektor der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er berichtete über die Förderungsmöglichkeiten von Einzel- sowie von Gruppenvorhaben und stellte Kriterien, Mechanismen, Instrumente und die einzelnen Förderprogramme der DFG vor. Außerdem gab Herr Schuster Tipps zur erfolgreichen Antragstellung (z.B. Vorgespräche mit den DFG-Referenten sind von Vorteil, Erstantragsteller sollten im Antrag darauf hinweisen, dass es sich um ihren ersten Antrag handelt, Bedeutung des fachlichen Ausweises auf dem beantragten Forschungsgebiet, Präzision und Originalität in der Forschungsfrage). Während der gesamten Tagung beantwortete Herr Schuster Fragen der Teilnehmer engagiert, offen und umfangreich und stand auch während der folgenden Beiträge fortwährend für Ergänzungen aus der Perspektive der DFG zur Verfügung.

 

Erfahrungsbericht eines DFG-Gutachters
Prof. Dr. Christof Weinhardt (Karlsruher Institut für Technologie)

 

Herr Professor Dr. Christof Weinhardt ist DFG-Gutachter und berichtete mit Unterstützung des Foliensatzes von Professor Dr. Wolfgang Ballwieser, der kurzfristig nicht an der Tagung teilnehmen konnte, über seine Erfahrungen mit DFG-Anträgen aus der Perspektive eines DFG-Fachkollegiaten. Er gab Ratschläge dazu, was einen guten Antrag ausmacht. Neben zahlreichen Hinweisen zur Antragstellung wies er darauf hin, dass es zudem wichtig ist, die Ergebnisse im Abschlussbericht aufzuzeigen und dass es immer einen guten Eindruck macht, Zwischen- und Abschlussberichte ohne Aufforderung einzureichen. In der anschließenden Fragerunde ging er auf die Teilnehmer intensiv ein und beantwortete die aufgeworfenen Fragen umfangreich.

 

Erfahrungsbericht aus einem DFG-Sonderforschungsbereich (SFB),
SFB „Ökonomisches Risiko“ 

Prof. Dr. Joachim Gassen (Humboldt-Universität Berlin)

 

Herr Professor Dr. Joachim Gassen berichtete über die Entwicklung des SFB Nr. 649 an der HU Berlin (2004 bewilligt, Start im Januar 2005, 2008 Folgeantrag, Start der 2. Periode im Januar 2009). Er wies darauf hin, dass ein SFB eine strukturverändernde Maßnahme für eine oder mehrere Hochschulen bedeutet. Außerdem kann ein SFB, wie in diesem Fall, verschiedene Fachgebiete umfassen, was hohen Koordinierungsaufwand bedeutet. Professor Gassen stellte ein wesentliches Produkt des SFB vor, das Risk Data Center (RDC), eine Serviceeinheit, die das Knowhow des SFB bündelt und Daten, zentrale Rechenkapazität sowie Arbeitspapiere zur Verfügung stellt. Die Mitglieder des SFB, aber auch Gastwissenschaftler können auf diesen Datenpool an der Humboldt-Universität zugreifen. Professor Gassen erklärte den zeitlichen Ablauf eines SFB-Antrages. Man braucht etwa zwei Jahre Vorlauf, außerdem muss man Ressourcen einplanen und die Projektdynamik beachten. Es ist insgesamt ein erheblicher Managementaufwand vor allem des Sprechers, aber auch aller Mitwirkenden nötig. Der Sprecher muss sich insbesondere durch herausragende Führungsqualitäten ausweisen. Auf die Frage, was nach Ablauf der Projektförderung geschieht, antwortete er, dass die Universitäten Anschlussprojekte planen. Das wird aber ggf. nicht ausreichen, um den Wissenschaftsbetrieb in seinem jetzigen Ausmaß aufrecht zu erhalten. Um die Struktur zu erhalten, muss man deshalb überlegen, neue SFB zu beantragen, was durchaus nicht unüblich ist.

 

Erfahrungsbericht aus einem DFG-Graduiertenkolleg

Prof. Dr. Christof Weinhardt (Karlsruher Institut für Technologie)

 

Professor Dr. Christof Weinhardt berichtete von seinen Erfahrungen aus einem DFG-Graduiertenkolleg mit interdisziplinärer Ausrichtung in ausschließlich englischer Sprache. Das Forschungsprogramm des Kollegs wurde hierfür in Form einer Matrix dargestellt, in der die einzelnen Forschungsbereiche durch Stipendiaten (und damit der dahinter stehenden 12 antragstellenden Professoren) besetzt bzw. die Verzahnung mit Wirtschaftsbereichen angezeigt wurde. Da kumulative Promotionen in dem Graduiertenkolleg ausdrücklich zugelassen sind, entstehen referierte Publikationen in großem Umfang, viele davon als interdisziplinäre Arbeiten, die als ein Ergebnis des Graduiertenkollegs in „Kolleg-Proceedings“ erscheinen. Die Promotionszeit wird in der Regel mit drei Jahren angesetzt. Der Forschungshintergrund basiert vor allem auf interdisziplinärer Ausbildung im Studienprogramm. Der wissenschaftliche Austausch findet dabei sehr aktiv und erfolgreich in den Kolloquien statt (Teilnahmepflicht aller Kollegmitglieder), verbunden mit Socializing/Networking. Weitere Bestandteile des Kollegs sind der interaktive Diskurs in Fachseminaren, die frühzeitige Vermittlung wissenschaftlicher Methoden sowie eine intensive Berücksichtigung der Bedürfnisse der Stipendiaten. Gute Erfahrungen wurden vor allem mit selbstorganisierten Forschergruppen (Self-Organized Seminars) gemacht. Weiterhin ist auch die Unterrichtung von Softskills Bestandteil der Ausbildung. Das Ausbildungsprogramm dient der Förderung von Schlüsselqualifikationen wie interdisziplinärer und internationaler Vernetzung, Teamarbeit etc. und bereitet auf Berufe in Wissenschaft und Praxis vor. Das Graduiertenkolleg zeichnet sich durch die internationale Zusammensetzung der Stipendiaten ebenso wie durch internationale Gastvorträge aus. Die Präsentation der Kollegergebnisse erfolgt auf internationalen Konferenzen. Zudem entsteht die Motivation der Kollegbeteiligten nicht nur durch wissenschaftliche Aktivitäten, sondern auch durch die Einbindung von Freizeitaktivitäten in das Kollegprogramm.

 

Erfahrungen mit einer pluri- und einer monodisziplinären Forschergruppe

Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Sadowski (Universität Trier)

 

Im letzten Vortrag verglich Professor Dr. Dieter Sadowski eine pluri- und eine monodisziplinäre Forschergruppe. Forschergruppen sind normalerweise regional verteilt und beinhalten die Zusammenarbeit von exzellenten Wissenschaftlern. Er wies darauf hin, dass die Schwierigkeit einer pluridisziplinären Forschergruppe darin besteht, Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete zusammenzubringen. Um das möglich zu machen, müssen vorab Brückenprojekte definiert werden, die diese Zusammenarbeit ermöglichen. Er stellte genau wie Professor Gassen fest, dass eine Forschergruppe nur funktioniert, wenn es eine Person gibt, die bereit ist, die Leitung zu übernehmen und Wissen und Engagement der gesamten Gruppe zur Verfügung zu stellen. Er wies noch einmal darauf hin, dass es enorm wichtig ist, Vorgespräche mit der DFG zu führen. Zudem sollte kritisch sondiert werden, welche Projekte in eine Forschungsgruppe aufgenommen werden sollen (er empfahl max. 10 Projekte). Da Forschergruppen über einen Zeitraum von sechs Jahren gefördert werden, muss auch die Tragfähigkeit des beantragten Themas für sechs Jahre im Antrag erkennbar sein. Ergebnis der Forschergruppen können Buchpublikationen, gute Dissertationen und Zeitschriftenaufsätze sein. Außerdem werden viele Doktoranden gefördert und durch ihre Mitarbeit in einer Forschergruppe ggf. für eine weitere wissenschaftliche Tätigkeit besonders gut ausgebildet.  

 

In der anschließenden Fragerunde beantworteten die Vortragenden die verbleibenden Fragen der Zuhörer. Besonders wurde dabei noch einmal darauf eingegangen, dass es wichtig ist, eine Person dabei zu haben, die die Führung und die Kontrolle des Gesamtprogramms und damit die interne Vorauswahl der Einzelanträge koordiniert und später die Kohärenz der Teilprojekte kontrolliert. Außerdem wurde nochmals betont, wie wichtig es ist, dass ein beantragtes Thema international ausgerichtet ist (Publikationen der Teilnehmer, Vernetzung etc.). Die Anregung, sehr gute Beispiele von Anträgen im Netz zur Verfügung zu stellen, nahm Herr Schuster gerne auf.

 

Zum Schluss wurde noch der Rat an junge Antragsteller erteilt, zunächst monodisziplinäre Forschungsanträge anzustreben, um sich auf einem Gebiet zu etablieren.

 

Die Arbeitstagung verlief mit rund 70 Teilnehmern sehr erfolgreich und erhielt ein insgesamt positives Feedback, das nicht zuletzt auf das Engagement der Referenten zurückzuführen ist – an dieser Stelle: Herzlichen Dank!