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Donnerstag, 19. Januar 2017
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VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

79. Pfingsttagung des VHB

7. bis 9. Juni 2017 in St. Gallen

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Bericht zur Arbeitstagung

 

  

Ethik als Herausforderung in der Betriebswirtschaftslehre

Am 6. November 2009 fand in München in den Räumen der Ludwig-Maximilians-Universität eine sehr gut besuchte Arbeitstagung zum Thema Ethik statt. Die Arbeitstagung wurde von Herrn Prof. Dr. Pfingsten als für das Ressort Lehre zuständiges Vorstandsmitglied des VHB in Kooperation mit der Arbeitsgruppe „Unternehmensethik und Betriebswirtschaftslehre“ sowie dem Gastgeber Prof. Dr. Dr. h.c. Küpper organisiert.

 

Bei der Eröffnung betonte Prof. Pfingsten die ethische Dimension wirtschaftlichen Handelns, welche spätestens im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise zu einem Top-Thema in der Öffentlichkeit geworden sei. Die nachfolgenden Vorträge behandelten wirtschafts- und unternehmensethische Aspekte vor allem in der Lehre. Die Inhaber wirtschaftsethisch ausgerichteter Lehrstühle gaben Einblick in ihre individuellen Konzepte der Integration ethischer Aspekte in das betriebswirtschaftliche Studium. Weitere Referenten beleuchteten die Anforderungen an Forschung und Praxis. Die Teilnehmer der Arbeitstagung konnten in angenehmer Gesprächsatmosphäre intensiv an den Erfahrungen und Überlegungen von Kollegen partizipieren und nutzten die Gelegenheit zu regen Diskussionen.

 

 

Im Eröffnungsvortrag "Der Beitrag der Ethik zur betriebswirtschaftlichen Ausbildung" betonte Prof. Dr. Andreas Suchanek (Handelshochschule Leipzig) die grundlegende Spannung zwischen dem „großen Bild“ und den „konkreten Details“ und erläuterte mögliche Vorbehalte gegenüber Ethik, wodurch eine Verwendung normativer Denkweisen erschwert würde. Der Beitrag der Ethik in der Betriebswirtschaftslehre sollte im vernünftigen Gebrauch normativer Konzepte im Kontext betriebswirtschaftlicher Fragestellungen liegen. Aus Komplexitätsgründen empfahl der Referent, sich im Rahmen betriebswirtschaftlicher Ausbildung auf wenige Dilemmata, speziell die relevanten Konfliktfelder von Moral und Gewinnerzielung zu konzentrieren und appellierte dabei an die Verantwortung der Hochschullehrer. Dabei wurde, nicht unstrittig, Ethik auch als eine Art Werkzeug interpretiert. Der Verband wurde dazu aufgefordert, Kurse in Ethik anzubieten.

  

Prof. Dr. Jörg Althammer

Prof. Dr. Jörg Althammer (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) betonte in seinem Vortrag "Wirtschafts- und Unternehmensethik: Profilierungsmöglichkeit oder Basisanforderung  für wirtschaftswissenschaftliche Fakultäten?" die Bedeutung des normativen Kontextes für unternehmerisches Handeln und formulierte sowohl wirtschaftsethische Basisanforderungen an das betriebswirtschaftliche Studium als auch Profilierungsmöglichkeiten im Bereich Wirtschafts- und Unternehmensethik.

 

Der Referent forderte eine stärkere Verankerung normativer Aspekte in der Lehre, da elementare Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens (z.B. die Wissenschaftstheorie) nicht mehr in hinreichendem Umfang vermittelt würden. Herr Prof. Althammer hielt eine Profilbildung im Bereich Wirtschafts- und Unternehmensethik für wünschenswert und schilderte ein mögliches Konzept am Beispiel der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, welche bei der Gründung eines eigenständigen Instituts dem Weg der Interdisziplinarität folge. Er betonte, dass es nicht darum gehe, den Studierenden dezidierte Antworten zu geben. Vielmehr solle der Blick der Studierenden für ethische Konflikte z. B. anhand von Fallstudien geschärft werden, darüber hinaus solle ihnen ein „Handwerkzeug“ mitgegeben werden, mit dem sie sich normativen Problemstellungen nähern könnten.

  

Prof. Dr. Albert Löhr (Internationales Hochschulinstitut Zittau) betonte nach einem historischen Rückblick in seinem Beitrag "Zwischen Dosis und Disziplin - Möglichkeiten zur Integration ethischer Reflexion im betriebswirtschaftlichen Studium", dass es nicht mehr um die Frage gehe „ob“, sondern nur noch darum „wie“ ethische Aspekte in das betriebswirtschaftliche Studium zu integrieren seien. Der Referent forderte die Dozenten dazu auf, ihren jeweiligen Ansatz transparent zu machen, da es einen „Plural“ an Ethiken und eine Vielzahl von Vernunftbegriffen gäbe. Er selbst, als Vertreter der Diskursethik beleuchtete Ebenen, Ansatzpunkte und Methoden des Ethikunterrichts. Die Unternehmensethik dürfe nicht zu einer „Spezialsache“ gemacht werden. Ziel der curricularen Verankerung sei die Ausbildung einer universellen Haltung, die als glaubwürdiges Charakteristikum das Studium mit prägen solle. Herr Prof. Löhr forderte außerdem eine institutionelle Verankerung in Form von Professuren, um eigene Forschung betreiben zu können. Die Teilnehmer diskutierten vor allem über Lernressourcen im Bereich Unternehmensethik und die Grenzen ihrer Anwendung im Massenfach Betriebswirtschaftlehre.

  

Prof. Dr. Bolko von Oetinger (The Boston Consulting Group und Vorstandsmitglied für Praxiskontakte im VHB) beschäftigte sich in seinem Vortrag "Unternehmen und gesellschaftliche Verantwortung" mit der Grundsatzfrage, inwieweit Unternehmen sich als Teil der Gesellschaft oder als unabhängige Institutionen verstehen dürfen. Neben einer Systemkrise konstatierte der Referent auch eine Vertrauenskrise gegenüber global agierenden Konzernen. Die daraus resultierenden Kosten des Misstrauens bildeten einen erheblichen, aber gestaltbaren Kostenfaktor. Die Führungskräfte müssten begreifen, dass viele globale Konzerne schon wegen ihrer Größe ein politischer Faktor geworden seien. „Das Unternehmen bleibt eine effiziente Veranstaltung, aber eine Veranstaltung in und nicht neben bzw. außerhalb der Gesellschaft.“

 

Der Referent ermutigte die Manager globaler Konzerne dazu, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. In ihrem Selbstverständnis sollten sich die Unternehmen als aktiv Mitwirkende der Zivilgesellschaft sehen und strategisch schneller reagieren. Vertrauensprobleme müssten entschärft werden, globale Marktführer sollten Standards setzen und ggf. die Messmethoden unternehmerischen Erfolgs überdacht werden, lauteten die Vorschläge des Referenten. Herr Prof. von Oetinger illustrierte seinen Beitrag mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis, in denen Unternehmen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellten.

  

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Ulrich Küpper (Ludwig Maximilians-Universität München) prüfte in seinem Vortrag "Unternehmensethik - notwendig für Praxis, Forschung und Lehre?" die Notwendigkeit von Unternehmensethik für Praxis Forschung und Lehre. Nach einem Überblick über Entwicklungslinien der Betriebswirtschaftslehre erläuterte der Gastgeber der Münchener Arbeitstagung kontroverse Definitionen der Unternehmensethik. Er betonte die Aspekte Sensibilisierung, Berufsvorbereitung sowie Prägung als Funktionen der Unternehmensethik in Studium und Lehre. Weiter erläuterte er, das Ziel könne nicht die Erziehung eines „guten“ Wirtschaftsmenschen sein Es gehe vielmehr um die „Lieferung von Instrumenten“, mit deren Hilfe die Praktiker ethische und soziale Probleme lösen könnten. Als Perspektive der Unternehmensethik schloss der Referent seine Ausführungen mit der Hoffnung auf eine höhere Akzeptanz und Bereitschaft zur Diskussion ethischer Aspekte.

 

... rege Diskussion.

Über alle Beiträge wurde im Plenum und in den Pausen intensiv diskutiert. Die Evaluationsergebnisse zeigen, dass die Teilnehmer der Veranstaltung unbeschadet kleiner Änderungswünsche mit der Arbeitstagung sehr zufrieden waren. Unser herzlicher Dank geht an die Referenten, die durch ihre Mitwirkung den Erfolg ermöglicht haben, und an die Organisatoren der Arbeitstagung.