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Saturday, October 21, 2017
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80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Bilden wir genug Masterstudenten aus?

 

Foto: Universität Würzburg

 

Moderation:

Prof. Dr. Dr. Andreas Löffler

 

Teilnehmer:

Prof. Dr. Jochen Hundsdörfer, FU Berlin,

Dr. Antje Voigt, HC Business Partner Tax, PwC

 

 

Die Studienbedingungen in der Betriebswirtschaftslehre gehören seit Jahrzehnten zu den schlechtesten an den Universitäten. Durch die Bologna-Reform ist es schrittweise gelungen, diesen Zustand aufzubrechen: Während in der Bachelor-Ausbildung nach wie vor große Vorlesungen dominieren, gelingt es Universitäten im Masterbereich zunehmend, günstigere Betreuungsrelationen ("Studenten je Professor") auszuhandeln. Diese niedrigen Betreuungsrelationen schlagen sich in qualitativ höherwertiger Ausbildung nieder. Auf der anderen Seite folgt daraus, dass weniger Masterstudenten als bisher an Universitäten zu einem Abschluss gelangen.

 

In der Diskussion setzen Hochschulverwaltung, Wissenschaft und unternehmerische Praxis unterschiedliche Schwerpunkte.

 

Soll man zu größeren Masterzahlen zurückkehren, muss dann aber die Ausbildung qualitativ aufweichen?

Der politische Rahmen in Deutschland fördert eine hohe Zahl an Bachelorabsolventen. Dementsprechend hat sich die Zahl der Abschlüsse in den vergangenen Jahren verfünffacht, der Anteil in den BWL-Bereichen seit 2001 verdoppelt. Die Vertreter aus Verwaltung und Praxis sind sich einig, dass sich eine in den vergangenen Jahren beobachtete Diskrepanz zwischen Arbeitsstellen und Absolventen als Übergangsproblem inzwischen auflöst. Allerdings lässt die immer noch überkapazitative Aufnahme von Studenten eine Welle an Absolventen für den Bachelor wie auch den Master erwarten, ohne dass die administrativen Einrichtungen der Universitäten dem angepasst wären.

Seitens der Hochschulverwaltung stellt sich die Frage, wie ausreichend Masterplätze garantiert werden können und welche Universität diese Garantie erfüllen soll bzw. kann, z.B. wenn die Hochschule für den Master nach dem Bachelor-Abschluss gewechselt wird. Nach Ansicht der Administrationen bietet der Bachelor-Abschluss mit seinen universitätsabhängigen, heterogenen Vorkenntnissen keine nachhaltige Qualität für einen enger werdenden Arbeitsmarkt. Wie findet man folglich den “richtigen“ Master? Welche sinnvollen Auswahlverfahren könnten die Absolventen- bzw. Abbruchquote reduzieren? Soll es Credits für bestimmte Qualifikationen aus dem Bachelorabschluss, relative Noten, Pflichtmodule, Mentorarbeiten geben oder wird sogar die Abi-Note relevant? Für diese Fragen gibt es bisher keine befriedigenden Lösungsansätze.

Die Unternehmen dagegen bedauern, dass sie nur 50% der Kenntnisse aus einer Hochschulausbildung in der Praxis einsetzen können. Wettbewerbsvorteile erlangen sie langfristig weniger durch Methoden- als vielmehr durch Spezialistenkompetenz, wie sie branchenspezifisch, z.B. in der Energiebranche, immer mehr nachgefragt wird. Sie empfehlen den Hochschulen, das Angebot für die Absolventen zu überprüfen und ggf. um individuelle Trainings und Traineeprogramme zur Orientierungsförderung der Absolventen zu erweitern. Hochschulen sollten bei einem Ausbau der Masterausbildung berücksichtigen, dass nicht jeder Masterstudent auch Forschungsschwerpunkte hat, sondern vielleicht auf anderen Themen intellektuell tätig sein will.

Allerdings ist das für die Vielzahl gerade der kleineren Universitäten in Deutschland ebenso wenig umsetzbar, wie genug Fächer anzubieten, die einen für die Hochschulwahl relevanten “coolness factor“ haben.

 

Soll man in Kauf nehmen, dass die Praxis eine eigene Masterausbildung aufbauen wird?

Der Bachelorabsolvent wird in der unternehmerischen Praxis als wenig selbständig und problemlösungsorientiert gesehen, mit entwicklungsbedürftigem persönlichem Auftreten. Dennoch rentiert es sich, einen Bachelor einzustellen und die unternehmensinterne Personalentwicklung durch Investition von Zeit und Geld in ein berufsbegleitendes Masterstudium zu ergänzen. Sogar über die Effizienz einer Initiiative einiger Unternehmen, über Berufswege und die Masterausbildung schon in der Schule zu informieren, wird bereits nachgedacht. Diese Maßnahmen werden erschwert, da Studenten, wie auch Mitarbeiter, immer weniger dazu bereit sind, sich langfristig festzulegen.

 

Die Entscheidung gegen eine wissenschaftliche Ausbildung wird heutzutage häufig aufgrund rein montetärer Gesichtspunkte getroffen. Wer endlich im Beruf steht, wird selten zusätzlich zur Karriere noch ein Masterstudium anstreben, um danach ggf. noch berufsbegleitend zu promovieren. Und wenn doch berufsbegleitend auf den Master hin gearbeitet wird, dann wünscht man sich mehr Unterstützung durch Coaching und Mentoring.