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Wednesday, October 18, 2017
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Kernaktivitäten

 

80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Leistungsexplosion oder Leistenzerrung - Der Hochschullehrer als Zehnkämpfer

 

 

 

Moderation

Prof. Dr. Dirk Simons, Universität Mannheim

Prof. Dr. Robert Winter, Universität St. Gallen

 

Teilnehmer

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Mertens, Universität Nürnberg-Erlangen

Prof. Dr. Dr. h.c. Margit Osterloh, Warwick Business School

Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Handelshochschule Leipzig

Prof. Dr. Wolfgang Stoelzle, Universität St. Gallen

 

 

Bericht

Das Profil der Anforderungen an Universitäten als Institution, aber auch an den individuellen Hochschullehrer hat an Komplexität deutlich zugenommen. Angesichts knapper öffentlicher Haushalte fordert die Hochschulpolitik Effizienz ein und sorgt sich um den ordnungsgemäßen Einsatz von Ressourcen. Zur Förderung von Exzellenz in Forschung und Lehre werden viel beachtete Initiativen initiiert und Internationalisierung ist seit Bologna in aller Munde.

Leistungsorientierung sollte so einfach wie möglich gehandhabt werden, aber eben nicht einfacher. Was bedeutet aber „gute Leistung“? Welche Aufgabenfelder müssen Hochschulen/Hochschul­lehrer abdecken? Genügt es, wenn eine Fakultät summarisch alle Anforderungen erfüllt oder muss dies auch für jedes Fakultätsmitglied gelten? Suchen Hochschulen hochspezialisierte Forscher oder Generalisten, die ein breites Portfolio sehr guter Fähigkeiten in sich vereinen? Was sind geeignete Leistungsmaße? Fördern dauerhafte Evaluationen die Leistungsfähigkeit oder mehren sie lediglich bürokratischen Aufwand?

 

Lehre und Betreuung von Studierenden, Erarbeiten von Lehrbüchern und anderen Lehrmaterialien, Forschung und Ergebnistransfer in die Wissenschaft, Forschung und Ergebnistransfer in die Praxis, Forschung und Ergebnistransfer in Politik und Gesellschaft, Standortförderung (Hilfe bei Unternehmensgründung „Spin-offs“), Selbstverwaltung in der Universität, Selbstverwaltung in der Fachgemeinschaft, Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses und letztlich die Drittmittelakquisition - das sind die zehn Disziplinen, die ein Hochschullehrer heutzutage bewältigen muss. Doch während in einem leichtathletischen Zehnkampf jede Disziplin gleich gewertet wird, ist das an den Hochschulen nicht der Fall: Forschung und Ergebnistransfer in die Wissenschaft, darauf kommt es an!  Die übrigen Disziplinen rangieren weit unterhalb. Man ist sich im Plenum und im Podium einig, dass das Verhältnis ausgewogener sein sollte, denn Fakultäten, die ausschließlich aus hochspezialisierten Einzelkämpfern bestehen, entsprechen weder dem Selbstverständnis des/der Hochschullehrers/in noch den vielfältigen Aufgaben von Lehrstühlen, Fakultäten und Hochschulen.

Die Messbarkeit der Leistung gestaltet sich jedoch sehr schwierig. Anhand von Beispielen wird deutlich, wie fehlerhaft manche Vorgehensweisen bzw. Messinstrumente sind. Für die Zukunft bedeutet dies, dass zunächst die richtigen Fragen zu stellen sind und erst dann nach geeigneten Mess-Methoden zu suchen ist. Nachdem durch die Exzellenz-Initiative in Deutschland eine starke Fokussierung auf Forschungsaktivitäten erfolgte, sollte nun auch die Lehre mehr ins Blickfeld gerückt werden, ohne die Forschungstätigkeiten erneut aus den Augen zu lassen. Die bisherigen Programme konnten dies noch nicht leisten.

In diesem Kontext wurde ein Pilotprojekt der Universität St. Gallen vorgestellt. Ziel ist es, sich als Hochschule über Profilbereiche einen Namen zu machen. Es gibt vier alternative Leistungsbeurteilungen, an denen sich Hochschullehrer freiwillig beteiligen können: Scientific Impact (Messung erfolgt über Publikationen, Lehrbücher, platzierter akademischer Nachwuchs etc.), Managerial Impact (Messung erfolgt über Drittmittel, praxisorientierte Projekte etc.), Communication Impact (generelle Präsenz in der Öffentlichkeit und das nicht nur in der Fachöffentlichkeit) oder Rigor-and-Relevance-Award (Summe aus Scientific und Managerial Impact).