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Wednesday, October 18, 2017
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Kernaktivitäten

 

80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Internationalisierung als Herausforderung für Fakultäten im deutschsprachigen Raum

 

 

Moderation

Prof. Dr. Caren Sureth, Universität Paderborn

 

Teilnehmer

Prof. Dr. Uschi Backes-Gellner, Universität Zürich

Prof. Dr. Michael Dowling, Universität Regensburg

Prof. Dr. Oliver Günther, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Katrin Talke, Universität Hamburg

 

Bericht

Im Zuge der Internationalisierung der BWL stehen Fakultäten im deutschsprachigen Raum zunehmend dem Erfordernis der Einbindung ausländischer Wissenschaftler in den Forschungs- und Lehrbetrieb gegenüber.

Ist diese Internationalisierung von Fakultäten ein sinnvolles und erreichbares Ziel? Welche Konsequenzen birgt diese Strategie für die Organisation und Struktur von Fakultäten?

Die Teilnehmer haben jeweils unterschiedliche Erfahrungen mit Internationalisierungsstrategien und haben die folgenden Aspekte diskutiert:

  • Chancen und Grenzen für Fakultäten des deutschen Sprachraums, ausländische Wissenschaftler zu berufen;
  • Erfahrungen von Universitäten außerhalb des deutschen Sprachraums, ausländische Wissenschaftler zu attrahieren;
  • Berufungschancen für ausländische Wissenschaftler im deutschen Sprachraum;
  • Einbindung von Gastwissenschaftlern und Gastdozenten;
  • Anforderungen an die Verwaltung und das Kollegium bei internationaler Zusammensetzung.

 

Internationalisierung zeigt sich nicht nur in internationalen Kooperationen in Lehre und Forschung und in internationalen Publikationen und Projekten, sondern wirkt sich auch auf die Struktur der Fakultäten im deutschen Sprachraum aus. Die Einbindung ausländischer Wissenschaftler in den Lehr- und Forschungsbetrieb birgt etliche Herausforderungen für die Strategie, Organisation und Struktur von Fakultäten.

Universitäten, die sich internationalisieren möchten, müssen vor allem auch entsprechend qualifiziertes Personal in der Verwaltung bereitstellen. Die Verwaltung muss mitwachsen. Für neue ausländische Kollegen ist es eine enorme Erleichterung, wenn Personal für ganz alltägliche Dinge wie Umzug, Versicherungen, Zoll usw. geschult ist und zur Verfügung gestellt wird. Hier ist oft eine Neustrukturierung nötig.

Die Integration von ausländischen Professoren in die Fakultäten ist aufgrund der grundsätzlichen Internationalisierung des Kollegiums, der vielfältigen internationalen Kooperationen in Forschung und Lehre und der internationalen Präsenz von Wissenschaftlern aus dem deutschsprachigen Raum auf internationalen Tagungen wesentlich einfacher geworden.

Wichtige Herausforderung bei der Berufung von ausländischen Wissenschaftlern ist nach wie vor die Sprache. Das Sprachproblem zeigt sich weniger in der Forschung, vielmehr tritt es vor allem in der Lehre auf, wenn Studiengänge nicht teil- oder vollumfänglich in Englisch angeboten werden. In mehrsprachigen Ländern, wie der Schweiz, ist das Sprachproblem wesentlich weniger stark ausgeprägt, da hier eine größere Erfahrung im Umfang mit Mehrsprachigkeit vorliegt. Spricht auch nur eine Person im Raum kein Deutsch, wird typischerweise auf Englisch weiterkommuniziert. Diese Toleranz muss sich an vielen Standorten jedoch erst entwickeln. In Hinblick auf die Lehre muss geklärt sein, in welchen Bereichen ausländische Bewerberinnen und Bewerber sich einbringen können, so dass das Fakultätsgefüge nicht durch die Restriktionen (beispielsweise beim Einsatz in deutschsprachigen Massenveranstaltungen oder in Hinblick auf die Mitwirkung in der universitären Selbstverwaltung) gestört wird. Es zeigt sich, dass tendenziell große Standorte auch Kolleginnen und Kollegen ohne Deutschkenntnisse einstellen, während an kleineren Standorten Deutsch vorausgesetzt wird.

An vielen Standorten verfügt auch ein Teil der (ausländischen) Studierenden über keine oder nur geringe Englischkenntnisse, so dass auch aus diesem Grund dort an einem deutschsprachigen Studienangebot festhalten werden soll. Rein englischsprachige Studiengänge bergen zudem das Problem, dass für die Studierenden, die Deutsch nicht beherrschen und die nach dem Studium in Deutschland arbeiten möchten, es schwierig sein kann, einen Arbeitsplatz zu finden. An etlichen Universitäten ist der Versuch, ein durchgängiges Studium auf Englisch anzubieten, gescheitert, da sich sowohl die Studierenden als auch die Professoren dagegen ausgesprochen haben. Nicht jeder Studiengang lässt sich in ein englischsprachiges Programm überführen. Daneben gibt es jedoch auch etliche Universitäten, die vollumfänglich englischsprachige Studiengänge anbieten oder zumindest Studiengänge anbieten, die es erlauben, bei entsprechender Modulwahl ausschließlich englische Veranstaltungen zu besuchen.

Durch die immer weiter voranschreitende Internationalisierung in Lehre und in der Studierendenschaft ziehen vermehrt internationale Strukturen in deutsche Universitäten ein. So hat sich gezeigt, dass sich z. B. ausländische Partneruniversitäten zurückziehen, wenn nicht genügend englischsprachige Kurse für „incoming“ Austauschstudierende im Angebot sind.

In Hinblick auf die Forschung werden in der Berufung von ausländischen Bewerberinnen und Bewerbern lediglich Vorteile gesehen, wenn der Auswahlprozess sich ausschließlich an den üblichen Qualitätskriterien orientiert. Aus den Erfahrungen der Podiumsteilnehmer lässt sich folgern, dass kulturelle und sprachliche Heterogenität nicht hemmend, sondern eher beflügelnd für die Forschung wirken.

Bei der Qualifikation des Nachwuchses und in Hinblick auf internationale Karrierewege zeigt sich, dass die Habilitation immer seltener als Qualifikationsweg gewählt wird. Sie gilt nicht mehr als besonders wichtiges Instrument der Qualitätssicherung, sondern steht gleichberechtigt neben anderen Wegen, etwa der Juniorprofessur. Bei internationalen Rekrutierungen ist die Qualität der Publikationen wichtigster Indikator für die Forschungsleistung des Bewerbers, das formale Kriterium einer Habilitation wird regelmäßig nicht benötigt. Bei ausländischen Kandidaten wird die fehlende Habilitation in der Regel gar nicht thematisiert, sondern über habilitationsäquivalente Leistungen formal geprüft, bei deutschen Bewerberinnen und Bewerbern kann eine fehlende Habilitation im Einzelfall hingegen noch ein Ausschlusskriterium sein. Auch bei Promotionen findet man an allen Standorten mehr und mehr kumulative Promotionsverfahren.

Die Entlohnung von Kolleginnen aus anderen Besoldungs- und Alterssicherungssystemen ist eine weitere wichtige Herausforderung bei Berufungen. Im Zuge der Internationalisierung wird es für deutsche Universitäten, die relativ geringe Verhandlungsspielräume zur Verfügung haben, zunehmend schwieriger, bei Bleibeverhandlungen mit anderen zu konkurrieren. Dies gilt nicht nur hinsichtlich des Verhandlungsspielraumes bei Gehaltsverhandlungen, sondern auch strukturell. Im Vergleich zu vielen Fakultäten, insbesondere im angelsächsischen Sprachraum, sind die deutschen Fakultäten klein und es bleibt schwierig, den ausländischen Professoren die Stärke des Lehrstuhlsystems zu vermitteln. Dieses System ist im Ausland weitgehend unbekannt. Wahrgenommen wird oft nur die auf den ersten Blick relativ hohe Belastung in der Lehre.

Internationalisierung bedeutet vor allem Sprachkenntnisse und in gewissem Maße eine Neustrukturierung der Universitäten, damit sie im Wettbewerb um Kandidaten als attraktive Standorte mit dem Ausland konkurrenzfähig bleiben.