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Thursday, October 19, 2017
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Kernaktivitäten

 

80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Podiumsdiskussion:

Grenzüberschreitende wissenschaftliche Karrieren – Am Beispiel Niederlande

  

Referenten:  

·        Prof. Dr. Dr. h. c. Alfred Wagenhofer, Karl-Franzenz-Universität

         Graz (Moderation)

·        Prof. Dr. Holger Schiele, Universität Twente, Enschede

·        Ass. Prof. Dr. Jörg Henseler, Radboud Universität Nijmegen

·        Ass. Prof. Dr. Igor Goncharow, Universität Amsterdam

 

In diesem Symposium wurden grenzüberschreitende wissenschaftliche Karrieren zwischen Universitäten in deutschsprachigen Ländern und im nahegelegenen Ausland am Beispiel der Niederlande diskutiert. Die drei Teilnehmer haben Erfahrungen in den universitären Bildungssystemen Deutschlands und der Niederlande gesammelt.

 

Das niederländische Bildungssystem orientiert sich stark am U.S.-amerikanischen System und unterscheidet sich daher sehr vom Deutschen. Die drei Podiumsteilnehmer loben den hohen Forschungsoutput in den Niederlanden, was u. a. am produktiven akademischen Mittelbau liegt. Außerdem wird ein stärkerer Fokus an den Universitäten auf die Forschung gelegt, und die Forscher haben weniger Lehrverpflichtungen. Dadurch, dass die Universitäten durch den Universitätsvorstand „top-down“ gemanagt werden, entfällt auf die einzelnen Professoren wenig Verwaltungsaufwand, was wieder mehr Zeit für Forschungen bedeutet. In den Niederlanden gibt es so gut wie keine nationalen Zeitschriften, weshalb sehr viel international publiziert wird. Dadurch hat sich eine wettbewerbsfähige internationale Forschung herausgebildet. Auffällig am niederländischen Universitätssystem ist, dass es relativ wenige Doktoranden gibt. Das liegt u. a. daran, dass Doktoranden relativ viel kosten und wenig Forschungsoutput im Gegensatz zum Assistant Professor bringen. Deshalb hat man als deutscher Akademiker gute Chancen, in den Niederlanden als Assistant Professor einzusteigen. Um Fuß zu fassen, sollte man bereits international publiziert haben, und es ist von Vorteil, die Sprache bereits gelernt zu haben. Man trifft auf ein sehr gutes Forschungsklima. In einer Disziplin arbeiten oft viele Forscher, so dass man ein regelmäßiges Feedback erhält und intensive Diskussionen führen kann. Man kann unabhängig forschen, wobei man einem recht hohen Druck ausgesetzt ist, da von einem erwartet wird, eine gewisse Anzahl guter Paper zu veröffentlichen. Die eigene Lehre wird durch regelmäßige Evaluationen durch die Studenten bewertet, wodurch man ein ständiges Feedback über die Lehrqualität erhält. Wenn die Lehrevaluationen zu schlecht ausfallen, droht der Verlust von Forschungsressourcen. Es ist jedoch relativ schwer, eine tenured full professorship zu erhalten. Ein Wechsel zurück auf eine Professur in Deutschland ist weitgehend unproblematisch, zwei der drei Podiumsteilnehmer sind gerade in diesem Prozess. Formal ist zu beachten, dass es kein Pendant zur Habilitation gibt. Die Vergütung ist in den Niederlanden tendenziell höher als in Deutschland. Außerdem sind die Kosten für Kinderbetreuung und Krankenkasse relativ gering, und es bestehen steuerliche Vorteile.