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Wednesday, October 18, 2017
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80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Bericht zur Arbeitstagung

 

Bericht über die Arbeitstagung „Akquisition von Drittmitteln: Chancen und Risiken einer Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen“ am 16. März 2012 im Opernturm in Frankfurt am Main

 

Thematik: 

Am 16. März 2012 fand bei Roland Berger Strategy Consultants GmbH in Frankfurt am Main eine Arbeitstagung des VHB zum Thema „Akquisition von Drittmitteln: Chancen und Risiken einer Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen“ statt. Da Drittmittel eine immer höhere Bedeutung für Universitäten gewinnen und speziell in der Betriebswirtschaftslehre die private Wirtschaft ein gewichtiger Geldgeber ist, war es Zielsetzung der Arbeitstagung, erfolgreiche Kooperationsprojekte und Erfahrungen aus Praxiskooperationen vorzustellen und Gestaltungsformen aufzuzeigen, um die Unabhängigkeit von den Unternehmen zu bewahren.

 

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Dr. Bröskamp von Roland Berger gab der Stellvertretende Vorstandsvorsitzende des VHB, Professor Dr. zu Knyphausen-Aufseß, eine Übersicht über den Inhalt sowie den Ablauf der Arbeitstagung. Anschließend folgten die einzelnen Beiträge:

 

 

Prof. Dr. zu Knyphausen-Aufseß, Dr. Bröskamp

 

 

Vorträge:

 

Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft im Wandel: Ansatzpunkte zur Etablierung neuer Kooperationsformen

Prof. Dr. Knut Koschatzky, Leiter Competence Center Politik und Regionen, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI

 

Professor Dr. Koschatzky ist Leiter des Competence Centers Politik und Regionen des Fraunhofer-Institutes für System- und Innovationsforschung (ISI). Nachdem er sich sowie das ISI-Institut vorgestellt hatte, berichtete er über die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen und Drittmittel aus der Wirtschaft für Forschungseinrichtungen. Seit Mitte der neunziger Jahre ist eine Steigerung der Aufwendungen zu erkennen. Hochschulen setzen mittlerweile immer mehr auf Drittmittel. Deutschland ist bei der Einnahme von Wirtschaftsdrittmitteln mittlerweile führend. Ausschlaggebend für eine Förderung aus der Wirtschaft ist die Bereitschaft von beiden Seiten, zusammenzuarbeiten und zu kooperieren.

Herr Koschatzky stellte fest, dass die Hochschulen immer mehr wie Unternehmen agieren. Aber auch im Industriebereich gibt es Veränderungen, wie die Zunahme der Globalisierung. Dadurch verschieben sich die Schnittstellen zwischen Unternehmen und Hochschulen. Während früher in der Forschung von den Unternehmen Wert auf kurzfristige Verwertung gelegt wurde, gewinnt heute eine längerfristige Grundlagenforschung immer mehr an Bedeutung. Außerdem wird heute eher ein verteilter Innovationsprozess angestrebt. Wissensgenerierung und Wissensanwendung entstehen aus der sozialen Interaktion zwischen den Beteiligten. Herr Koschatzky stellte die verschiedenen Formen des Wissens- und Technologietransfers vor sowie die Hemmnisse und Defizite.

Er schloss mit der Feststellung, dass sich die Beziehungen zwischen Hochschulen und Wirtschaft in den letzten Jahren intensiviert haben. Neben den klassischen Formen der Zusammenarbeit haben sich neue Kooperationsmodelle etabliert.

In der anschließenden Diskussion wurde überlegt, dass es wichtig wäre, irgendwann die verschiedenen Kooperationsformen zwischen Hochschulen und Wirtschaft zu evaluieren und zu vereinheitlichen. Herr Koschatzky stimmte zu, dass es dafür an der Zeit ist und dass man sich bisher eher in einer Suchphase befunden hat. Es wurde festgestellt, dass Auftragsforschung interessanter für technische Fächer ist, da die BWL überwiegend anders sozialisiert ist. Es ist aber auch in den wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fächern die Bereitschaft zur Zusammenarbeit da. Wissenschaftler müssen sich aber darüber klar sein, welchen Nutzen eine Kooperation für die Hochschule bringen kann und soll.

 

 

 

 

Universitätskooperationen der Siemens AG
Dr. Natascha Eckert, Siemens AG

 

Frau Dr. Eckert berichtete aus der Perspektive der Praxis. Sie ist bei der Siemens AG zuständig für den Bereich Hochschulkooperationen. Nach der Vorstellung der Siemens AG kam sie auf die Frage zu sprechen, warum es für Siemens interessant und sinnvoll ist, mit Universitäten zusammenzuarbeiten. Dazu zählen Innovation, Rekrutierung von Mitarbeitern und soziale Verantwortung.

Vor zehn Jahren hat sich Siemens einen Überblick über die Universitätslandschaft verschafft. Dabei wurde festgestellt, dass Siemens mit über 800 Universitäten weltweit zusammenarbeitet. Mit über 60 dieser Universitäten findet ein intensiverer Austausch statt. Acht Universitäten haben mit Siemens einen Rahmenvertrag, um eine langfristige Zusammenarbeit aufzubauen. In Deutschland gehören dazu die RWTH Aachen, die TU München und die TU Berlin. Die Zusammenarbeit sollte mit der Arbeit des dahinter stehenden Unternehmens korrelieren. Frau Eckert erklärte, was konkret in den acht Universitäten gemacht wird, u. a. Projektseminare und Konferenzen. Außerdem bestehen Möglichkeiten, dass Professoren Praxiserfahrungen sammeln oder dass Siemensmitarbeiter sich die Arbeit in der Hochschule anschauen können.

In der anschließenden Diskussion wurde darüber gesprochen, ob das Siemensmodell auch für die BWL Sinn macht und welche Finanzierungsmodelle es gibt.

 

 

 

 

 

Erfahrungsbericht eines „drittmittelstarken“ Kollegen bei der Initiierung und Steuerung von Praxiskooperationen

Prof. Dr. Reinhard Busse, TU Berlin

 

Professor Dr. Busse berichtete von seinen Erfahrungen bei der Drittmitteleinwerbung. Er ist der Leiter des Fachgebietes Management im Gesundheitswesen der TU Berlin. Viele seiner Mitarbeiter sind drittmittelfinanziert. Neben den finanziellen Möglichkeiten findet er die Arbeit mit der Praxis wichtig, um zu sehen, ob die erforschten Fragestellungen praxisrelevant sind.

Herr Busse unterscheidet die Arten der von Unternehmen gegebenen Drittmittel in Auftragsforschung und Kooperationen. Werden wissenschaftliche Interessen verfolgt, so erweist sich die Auftragsforschung oft als weniger geeignet, da dort regelmäßig die Unternehmen einen erheblichen Einfluss auf die Art der Forschung und ggf. auf die Veröffentlichung der Ergebnisse ausüben können, während bei Kooperationen eine gemeinsame Fragestellung entwickelt wird. Er wies darauf hin, dass die Gestaltung der Verträge enorm wichtig ist. Er handhabt das so, dass z. B. das Recht auf Publikation bei der Universität bleibt.

Herr Busse stellte verschiedene Beispiele der Zusammenarbeit seines Fachgebietes mit Unternehmen vor. Er wies darauf hin, dass es einfacher wird, Drittmittel einzuwerben, wenn man sich als Fachgebiet bereits einen Namen verschafft hat. Die Ergebnisse einer Forschungsarbeit sollten in Zeitschriften veröffentlicht werden, die auch die jeweiligen Kooperationspartner lesen. Wichtig ist immer die Wahrung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit sowie Transparenz gegenüber Dritten.

In der anschließenden Diskussion wurde die Frage gestellt, wer den Arbeitsaufwand für die Drittmitteleinwerbung trägt, da diese recht zeitintensiv ist. Herr Busse berichtete, dass die meisten Kooperationspartner die Verträge direkt mit dem Professor machen wollen. Je nach Zeitaufwand bekommt man von der Universität dafür mehr Sekretärinnenstellen zur Verfügung gestellt. Herr Busse wies darauf hin, dass bei ihm keine Projektberichte geschrieben werden, sondern nur Zeitschriftenaufsätze. Nach Publikation sind die Ergebnisse der Forschungsarbeit dann öffentlich zugänglich.

 

 

 

Erfahrungen beim Aufbau von umfassenden Unternehmensnetzwerken: Das Frankfurter „House of Finance“ und das „e-finance lab“

Prof. Dr. Wolfgang König, Universität Frankfurt

 

Professor Dr. König stellte zuerst die Universität Frankfurt und das House of Finance inklusive E-Finance Lab sowie die Drittmittelquellen im House of Finance vor. Das E-Finance Lab ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Frankfurt und der TU Darmstadt und finanziert sich durch verschiedene Sponsoren. Es gibt gemeinsam betriebene Forschungsprojekte sowie ein kooperatives Promotionsprogramm, bei dem geeignete Mitarbeiter/innen aus den Sponsorenhäusern in die Forschungsgruppen der Universität integriert werden. Zunehmend wird außerdem die Grundlagenforschung finanziert.

Herr König berichtete über die Probleme bei der drittmittelfinanzierten geisteswissenschaftlichen Forschung in Deutschland sowie über deren Lösungsansätze. Er fasste anschließend zusammen, dass heute vielfach die Forschung ohne Drittmittel nicht mehr finanzierbar ist.

In der anschließenden Diskussion wurde nachgefragt, wo die Grenze zwischen Forschung und der Weitergabe verwertbarer Daten an die Unternehmen zu ziehen ist. Herr König meinte, dass die Unternehmen die Aufgabe haben, die deutschen Universitäten im internationalen Wettbewerb vor­anzubringen.

 

 

 

Prof. Dr. Weber

Firmenkooperationen an einer Privaten Hochschule – Das Beispiel der WHU Koblenz

Prof. Dr. Jürgen Weber, WHU Koblenz

 

Professor Dr. Weber stellte die WHU vor. Er berichtete, dass ein Drittel der Einnahmen aus Studiengebühren generiert werden. Früher gab es mehr Stiftungslehrstühle, heute mehr Firmenkooperationen. Diese Kooperationen sind für alle drei Säulen der WHU (Forschung, Lehre, Praxis) wichtig. Beim Lehrstuhlsponsoring sitzt z. B. ein Sponsor mit in der Prüfungskommission. Er hat Stimmrecht, aber kein Vetorecht. Bei der Zentrumsfinanzierung werden praxisbezogene Tagungen angeboten sowie Veröffentlichungen und Projekte unterstützt. Herr Weber stellte fest, dass die Zusammenarbeit mit den Unternehmen sehr gut funktioniert und dass er bisher noch nie inhaltliche Einflussnahme erlebt hat.

In der anschließenden Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass es seltener Forschungsergebnisse gibt als erhofft. Herr König stellte fest, dass man erstmal klein anfangen muss. Herr Weber wies noch darauf hin, dass für die WHU eine Drittmittelfinanzierung durch die DFG kein Thema ist, da die Hochschule international orientiert ist, die DFG aber international keine Rolle spielt.

 

 

 

Kooperationen mit Firmen: Trennungsrechnung und Vertragsgestaltung (Stiftungsprofessuren & Forschungsprojekte). Wie kann man von Drittmittelprojekten mit der Praxis profitieren, ohne seine Unabhängigkeit zu verlieren?

Thomas Schöck, Kanzler der Universität Erlangen

 

Herr Schöck begann seinen Vortrag damit, wie unterschiedlich Zeitungen von Drittmittelförderung berichten. Anschließend stellte er die Universität Erlangen-Nürnberg und deren Umstrukturierungen in den letzten Jahren vor.

Bei der Drittmitteleinwerbung spielt für die Universität die DFG die Hauptrolle. Aber weitere Sponsoren gewinnen immer mehr an Bedeutung. Dabei gibt es wieder die Unterscheidung zwischen Auftragsforschung und Kooperation. Herr Schöck stellte auch die Formen staatlicher Beihilfen vor und welchen Einfluss diese auf die Drittmittelwerbung bei Unternehmen haben. Er wies darauf hin, dass die Vertragsgestaltung enorm wichtig ist und welche Konsequenzen sich aus Vertragsfehlern ergeben können. Herr Schöck nannte die Einhaltung der Offenheit und den Verzicht auf Beeinflussung als wesentliche Merkmale. Transparenz nach außen ist extrem wichtig. Außerdem muss die Freiheit von Forschung und Lehre bewahrt werden.

Herr Schöck zog sein Fazit, dass der Nutzen umso größer ist, je enger die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Unternehmen ist. Konfliktpotenzial lässt sich vertraglich entschärfen.

In der anschließenden Diskussion wies Herr Schöck darauf hin, dass die Verwendung von Firmendaten dem Datenschutz unterliegen, gleichzeitig aber ein Forschungsergebnis unabhängig von der Zustimmung des Unternehmens veröffentlicht werden sollte. Auf die Frage, was mit der Beteiligungen an Gewinnen passiert, die durch die Forschung erzielt werden, berichtete Herr Schöck, dass diese in der Universität Erlangen-Nürnberg unter anderem zur Anschubfinanzierung von Forschungsprojekten und zur Generierung von W2-Stellen verwendet werden. Auf die Frage, wie man mit Kooperationen oder Auftragsforschung umgehen soll, wies Herr Schöck darauf hin, dass auch hier vor allem Transparenz von großer Bedeutung ist.

 

 

 

Im Anschluss an die Vorträge fasste Herr zu Knyphausen-Aufseß die Erkenntnisse aus der Arbeitstagung zusammen. Es gibt eine Dreiteilung der Drittmittel: DFG, Kooperationen und Auftragsforschung. Die Auftragsforschung ist wegen der Möglichkeit der Einflussnahme durch die Unternehmen nicht so interessant, weshalb man sich bei der Drittmitteleinwerbung eher auf Kooperationen konzentrieren sollte. Ergebnisse sollen auch publiziert werden, wenn das Ergebnis nicht dem vom Unternehmen Erhofften entspricht. Transparenz nach außen ist enorm wichtig.

 

Während der Pausen gab es intensive Gespräche zwischen Referenten und Teilnehmern und einen regen Erfahrungsaustausch. Die Arbeitstagung erhielt ein positives Feedback, zog aber zu wenig Teilnehmer/innen (31) an. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an alle Referenten sowie an die Roland Berger Strategy Consultants GmbH für die organisatorische Unterstützung.