You are here: Events / Workshops / Forschungsförderung durch DFG und andere Institutionen - 18. März 2011
Thursday, October 19, 2017
DEEN
Follow & Join Us
VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Bericht zur Arbeitstagung

  

  

 

Forschungsförderung durch DFG und andere Institutionen

   

Thematik:

 

Am 18. März 2011 fand an der Technischen Universität Berlin eine Arbeitstagung des VHB zum Thema „Forschungsförderung durch DFG und andere Institutionen“ statt. Zielsetzung der Arbeitstagung war, attraktive Möglichkeiten aufzuzeigen, wie für betriebswirtschaftliche Forschung, neben den typischen Förderangeboten der DFG, finanzielle Unterstützung gewonnen werden kann. Da für eine erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln eine gezielte Ausrichtung der Förderanträge in Hinblick auf die Bewertungskriterien der jeweiligen Programme erforderlich ist, bot der VHB mit diesem Workshop die Gelegenheit, unmittelbar an den Erfahrungen von Kollegen, die erfolgreich Projekte eingeworben und durchgeführt haben, zu partizipieren. Die Vertreter ausgewählter Förderinstitutionen gewährten zudem aus erster Hand Einblicke in ihre Förderpolitik.

 

Nach einer kurzen Begrüßung gab der Stellvertretende Vorstandsvorsitzende des VHB, Prof. Dr. Dodo zu Knyphausen-Aufseß, eine Übersicht über den Ablauf der Arbeitstagung und stellte die Referenten und die Themen vor. Für besonders wichtig hielt er den Austausch zwischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie Referenten während der gesamten Tagung, weshalb genügend Raum für Diskussionen gelassen wurde.

 

 

Vorträge:

 

Forschungsförderung durch die DFG: Einzelanträge, Forschergruppen, Schwerpunktprogramme, Graduiertenkollegs
Dr. Stefan Koch (DFG)

 

Nach einer kurzen persönlichen Vorstellung berichtete Dr. Koch über die verschiedenen Förderungsprogramme der DFG. Diese unterteilen sich in Einzelförderung und Verbundförderung. In beiden Bereichen gibt es verschiedenste Fördermöglichkeiten, die sich in Umfang und Dauer unterscheiden. Den Kern der Forschungsförderung bildet die Sachbeihilfe. Dies können z. B. Mittel für Personal, Vertretungskosten, wissenschaftliche Geräte, Reisen oder Publikationen sein. Bei der Größe der geförderten Projekte gibt es keine Limitation. Die Dauer der Förderung ist projektspezifisch.

 

Für Nachwuchswissenschaftler bietet die DFG spezielle Programme an. Das Emmy Noether-Programm eröffnet jungen Nachwuchswissenschaftlern einen Weg zur frühen Selbstständigkeit. Die Förderung beträgt normalerweise 5 Jahre. Bewerben können sich PostDocs, die nach der Promotion 2-4 Jahre internationale Forschungserfahrung gesammelt haben. Zwischen der Habilitation und einem Ruf ist es möglich, sich durch das Heisenberg-Programm fördern zu lassen. Die Dauer der Förderung beträgt maximal 5 Jahre. Als drittes Programm stellte Herr Koch die Reinhart Koselleck-Projekte vor. Diese richten sich an berufene oder berufbare Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit herausragendem wissenschaftlichen Lebenslauf und großem Potential.

 

Es gibt verschiedenste Kriterien, wonach über einen Antrag entschieden wird. Entscheidend ist u. a., dass die Antragstellerin bzw. der Antragsteller die Gutachter von der erfolgreichen Durchführung des Projektes überzeugen kann.

Die DFG verfügt pro Jahr über ca. EUR 3,5 Mrd. Fördergelder ohne Zweckbindung. 48 Fachkollegien prüfen bei der DFG die eingehenden Anträge. Aus der Wirtschaftswissenschaft werden jährlich ca. 250 Anträge eingereicht.

 

 

Erfahrungsbericht eines DFG-Gutachters
Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Ballwieser (LMU München)

 

Prof. Dr. Dr. h.c. Ballwieser erklärte in seinem Vortrag aus der Sicht eines DFG-Gutachters, wie man einen „guten“ Antrag stellen sollte. In den Anträgen muss die Problembenennung eindeutig formuliert sein. Das Thema soll hier nicht in allen Einzelheiten, aber auch nicht zu kurz beschrieben werden. Auch Teilprobleme, die zu bewältigen sind, können benannt werden. Die Problemrelevanz muss begründet und die weiteren Geldgeber müssen angegeben werden. Die eigenen Publikationen sollten sortiert dargestellt werden; von einer „Aufblähung“ des Publikationsverzeichnisses ist abzuraten.

 

Überzeugend herausgearbeitete Forschungslücken hinterlassen einen guten Eindruck, wenn man außerdem erklärt, was für Erkenntnisfortschritte möglich sind.

Bei der Darstellung der Projektstufen und Methoden sollte die Dauer des Projekts realistisch dargestellt werden. Die Herangehensweise an die Problemstellung muss auch skizziert werden.

 

Die Antragsformalitäten sind von der DFG vorgegeben. Die Länge des Antrags sagt nichts über die Qualität aus und fehlende Seitenzahlen oder sehr kleine Druckschrift wecken Misstrauen. Der Antrag sollte in ganzen Sätzen formuliert werden. Die Angaben zu Kooperationspartnern, und warum diese ausgewählt wurden, dürfen nicht fehlen. Beim Finanzierungsumfang sollte man realistisch bleiben. Große Zahlen wecken Zweifel, vor allem, wenn kaum Vorarbeiten erkennbar sind. Im Abschlussbericht müssen Ergebnisse geliefert werden und Verweise auf Publikationen in referierten Zeitschriften dürfen nicht fehlen. Man sollte sich nicht mehrmals auffordern lassen den Bericht abzugeben und bedenken, dass Gutachter ein „Elefantengedächtnis“ haben.

 

Abschließend berichtete Prof. Dr. Dr. h.c. Ballwieser, dass die Summe der eingereichten Anträge stark angestiegen ist und entsprechend mit zeitlichen Verzögerungen beim Begutachtungsprozess zu rechnen ist.

 

 

Förderungsmöglichkeiten durch die Volkswagenstiftung

Prof. Dr. Hagen Hof (Volkswagenstiftung)

 

Im dritten Vortrag der Arbeitstagung stellte Herr Professor Dr. Hof sich kurz vor und berichtete dann über die Stiftung. Die Volkswagenstiftung hat ihren Sitz in Hannover und Stifter sind die Bundesrepublik Deutschland sowie das Land Niedersachsen. Der Stiftungszweck ist die Förderung von Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre. Es wurden drei Förderungsmodelle vorgestellt.

 

Die Schumpeter-Fellowships richten sich an den Hochschullehrer- und Führungsnachwuchs in den Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften. Eine Voraussetzung für die Antragstellerinnen und Antragsteller ist, dass die Promotion mindestens „magna cum laude“ erreicht hat und nicht länger als fünf Jahre zurückliegt. In den Anträgen sollte ein anspruchvolles Thema formuliert werden. Erwartet wird ein Beitrag zur internationalen Diskussion. Die Fördermöglichkeiten betragen EUR 600.000 für maximal fünf Jahre.

 

Als zweites Modell wurden die Lichtenberg-Professuren vorgestellt. Dies ist ein Tenure-Track-Programm für Spitzenwissenschaftlerinnen und Spitzenwissenschaftler an deutschen Universitäten. Es ist eine Kombination aus personen- und institutionenbezogener Förderung. Zielgruppen sind zum einen junge, herausragend qualifizierte promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen wissenschaftlichen Bereichen bis maximal vier Jahre nach der Promotion und zum anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis maximal sieben Jahre nach der Promotion, die aus dem Ausland zurückkehren oder Bewerberinnen und Bewerber aus dem Ausland sind. Der Förderumfang beträgt max. 1,5 Mio. EUR für anfangs fünf Jahre. Weitere drei Jahre sind nach positiver Evaluation möglich.

 

Die Symposien und Sommerschulen waren das dritte vorgestellte Modell. Ziel ist die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Ideen und die Diskussion bislang noch nicht behandelter Themen und Ansätze. Sie sind themenoffen für alle Fachgebiete. Ein weiteres Ziel ist die aktive Beteiligung des wissenschaftlichen Nachwuchses, insbesondere von Frauen. Bei Symposien wird der Teilnehmerkreis entsprechend der Thematik gezielt zusammengesetzt. Die Teilnehmerzahl beträgt max. 80 Personen. An den Sommerschulen nehmen Nachwuchswissenschaftler aus dem In- und Ausland teil und es werden Experten aus dem Ausland als Referenten eingebunden. Die Teilnehmerzahl beträgt max. 60 Personen und es sind bis zu drei thematisch aufeinander aufbauende Veranstaltungen möglich.

 

 

Erfahrungsbericht zu DFG-Graduiertenkolleg und Volkswagenstiftungsprojekten

Prof. Dr. Jörg Sydow (FU Berlin)

 

In diesem Vortrag berichtete Professor Dr. Sydow über die Erfahrungen mit der Volkwagenstiftung und einem DFG-Graduiertenkolleg.

 

Bei der Volkswagenstiftung wurde ein in Englisch abgefasster Antrag eingereicht, der ein Jahr nach der Einreichung abgelehnt wurde. Es gab aber die Bewilligung einer Vorstudie zur Präzisierung und Anpassung des Problems. Nach Abgabe des überarbeiteten Antrags vergingen vier Monate bis zur Bewilligung. Der Antrag beeindruckte durch wenige ausgesuchte, auf den Inhalt bezogenen Publikationen. Die Laufzeit des Projekts betrug fünf Jahre und es gab zweimalige kostenneutrale Verlängerungen. Die Anforderungen an das Projekt sowie an die Antragsteller waren hoch.

 

Beim DFG-Graduiertenkolleg wurde ein thematisch fokussiertes Forschungs- und Ausbildungsprogramm gefördert. Wichtig waren dabei die Kooperationspartner. Das Antragsverfahren ist zweistufig. Die Förderung betrug insgesamt neun Jahre und beinhaltete die Förderung von Stipendien für Doktoranden und PostDocs, Reisemittel und eine Verwaltungsstelle. Das Kolleg ist ein strenges Kohorten-Modell. Es ist ein intensives Studienprogramm, bei dem man sich zur Teilnahme an internationalen Tagungen verpflichtet und die Möglichkeit zum Auslandsaufenthalt erhält. Träger und Assoziierte kommen auch aus der Soziologie und der Politologie. Ziel des Pfadkollegs ist die Forschung und die Ausbildung. Eine Besonderheit des Pfadkollegs ist die Interdisziplinarität. Außerdem ist das Pfadkolleg national und international sichtbar u. a. durch Publikationen, Konferenzteilnahmen, Preise für Dissertationen und Konferenzpapiere sowie Gastaufenthalte. Gutachter achten z. B. auf Relevanz und Güte des Projekts, Klarheit in der Darstellung und der Forschungsfrage, die methodische Ausrichtung, Publikationserfolge und Reputation der Antragsteller. Das Kolleg soll – in Forschung wie Ausbildung – das in der Welt führende Zentrum der Erforschung organisatorischer Prozesse aus einer Pfadperspektive sein!

 

 

Förderungsmöglichkeiten durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Engelbert Beyer (BMBF)

E

Den letzten Vortrag des Tages hielt Herr Engelbert Beyer. Das BMBF fördert hauptsächlich im Verbund Projekte zwischen Forschung und Wissenschaft. Darüber hinaus werden kleine und mittlere Unternehmen durch spezielle Förderprogramme unterstützt. In den meisten Fällen fördert das BMBF nicht direkt, sondern intermediär.

 

Zu den allgemeinen Fördervoraussetzungen des BMBF gehören z. B. ein öffentliches, d. h. ein erhebliches Bundesinteresse, außerdem ein hohes wissenschaftlich-technisches Risiko. Weiterhin ist die Verwertung der Ergebnisse in Deutschland ein Kriterium.

 

Beim BMBF gibt es einen Spitzencluster-Wettbewerb. Ziel ist der Ausbau exzellenter technologischer Kompetenzen von regionalen Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Dieser Wettbewerb ist themenoffen. In drei Wettbewerbsrunden werden 5 Spitzencluster pro Runde ausgewählt. Die Förderung geht über maximal fünf Jahre und hat einen Umfang von bis zu EUR 200 Mio.

 

 

Am Ende jedes Vortrages, zum Ende der Veranstaltung sowie während der Pausen gab es intensive Gespräche zwischen Referenten und Teilnehmerinnen und Teilnehmern und einen regen Erfahrungsaustausch, der die Veranstaltung sehr belebte.

 

Die Arbeitstagung verlief mit 64 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr erfolgreich und erhielt ein positives Feedback. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an alle Referenten sowie an die Technische Universität Berlin für die organisatorische Unterstützung.