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Wednesday, October 18, 2017
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VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

80. Pfingsttagung des VHB

23. bis 25. Mai 2018 in Magdeburg

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Generalthema

Unter dem Leitthema „Einheit von Forschung und Lehre in der BWL: up-to-date oder obsolet?“ wurde den Fragen nachgegangen, welche besonderen Vorteile die Einheit von Forschung und Lehre bzw. die jeweilige Schwerpunktsetzung bringt, welche Umsetzungskonzepte existieren und welche langfristigen Szenarien mit den unterschiedlichen Entwicklungstrends verbunden sind.

 

Das Ideal der Einheit von Forschung und Lehre wird angesichts aktueller Trends im universitären Bereich zunehmend in Frage gestellt. Es wird davon ausgegangen, dass kritische Entwicklungen wie eine weiter zunehmende Unterfinanzierung der Universitäten, steigender Konkurrenzdruck gegenüber außeruniversitären Forschungs- und Lehrinstitutionen und verstärkte Internationalisierungen eine stärkere Profilbildung der Universitäten notwendig machen. Gerade in der europäischen Hochschulpolitik wird daher auch immer wieder diskutiert, inwieweit Universitäten sich auf die Lehre oder auf die Forschung spezialisieren sollen und inwieweit das Humboldt’sche Ideal der Einheit von Forschung und Lehre weiterhin gelebt kann oder werden soll. Diese Fragestellung ist für die BWL als Fachbereich für praxisnahe Bildung und (wissenschaftliche) Ausbildung besonders relevant, da sie zum einen in der Lehre von sehr vielen Studierenden nachgefragt wird sowie im Bereich der Executive Education eine wichtige Rolle übernimmt. Zum anderen hat sich die Forschung in der BWL inhaltlich und methodisch weiter ausdifferenziert und professionalisiert. Das bedeutet, dass auch Wirtschaftsuniversitäten verstärkt den Spagat zwischen hochqualitativer (Aus-)Bildung und internationaler Spitzenforschung schaffen oder eine Ausrichtung auf Lehre oder Forschung einnehmen müssen.

 

In spannenden Keynote-Präsentationen zeigten Prof. Ranjani Krishnan (Michigan State University), Prof. Sim Sitkin (Duke University) und Prof. Dr. Josef Zecher (WU) nicht nur auf, wie es zumindest in ausgewählten Hochschulen in den USA funktionieren kann, sondern gaben eine Reihe von Anregungen für innovative Lehr- und Didaktikkonzepte, die auch in unserem Hochschulsystem umgesetzt werden können.

 

In einem Umfeld, in dem u.a. New Media und interdisziplinäre Fragestellungen einen zunehmend wichtigen Platz einnehmen, befinden sich Universitäten in einem engen Wettbewerb um die besten Studierenden, Forscherinnen und Forscher sowie Ressourcen. Ranjani Krishnan vertrat die Idee, dass Forschung und Lehre ebenso wie Forschung und Wirtschaftspraxis zusammengehören und sich gegenseitig bereichern. Dies sei für alle Ebenen der Lehre (Bachelor, Master, PhD), freilich in unterschiedlicher Ausprägung, zu beobachten. Sie betonte auch die Bedeutung der Praxis in diesem Zusammenhang: manchmal sei Forschung der Praxis weit voraus, in anderen Fällen wiederum bietet die Praxis wertvolle Anregung für die Weiterentwicklung der Forschung. Krishnan schlussfolgert einen Wettbewerbsvorteil für Universitäten. Das erfolgreiche und bereichernde Wechselspiel zwischen Forschung und Lehre hebe Universitäten von reinen Forschungs- oder Lehrinstitutionen ab.

 

Auch Sim Sitkin betonte, dass Universitäten gerade dann einen Wettbewerbsvorteil haben, wenn sie sowohl Grundlagen- als auch anwendungsbezogene Forschung betreiben und diese mit qualitativ hochwertiger Lehre verknüpfen. Sitkin bezeichnete dies als komplexe Herausforderung im Sinne eines „stretch goals“, dessen Annahme aber gesamtgesellschaftlich unabdingbar sei. Gerade die lehrenden Forscherinnen und Forscher an Universitäten seien nämlich in der Lage, einen wesentlichen Zusatznutzen zu bieten. Gelinge es ihnen nicht, dies transparent zu machen, würden Universitäten den Wettbewerb mit unternehmensinterner Ausbildung und web-basierter Lehre, die zu geringeren Kosten und/oder mit geringeren Zugangshürden verfügbar seien, verlieren.

 

Josef Zechner hob hervor, dass in unserer aktuellen Wissensgesellschaft das Humboldtsche Ideal mehr denn je von Bedeutung sei. Gerade international führende Universitäten verwiesen auf die Einheit von Forschung und Lehre als Wettbewerbsvorteil. Nur so könnten sie nämlich in der Lehre ihre Studierenden mit aktuellstem und bestem Wissen in Hinblick auf fachliche Expertise und Methoden ausstatten und gleichzeitig in am Forschungsoutput gemessenen Rankings in der Außenwirkung punkten.

 

Das Fazit aus den Keynotes und der anschließenden Diskussion mit den VHB-Mitgliedern zeigt, dass die Einheit von Forschung und Lehre keineswegs so obsolet ist, wie es die Fixierung auf Rankings und Publikationen vielleicht vermuten lässt. Im Gegenteil: Sie ist vielleicht sogar wichtiger als je zuvor, denn sie prägt gerade die Institution der Universität und verhilft ihr zu einem entscheidenden Mehrwert gegenüber anderen Institutionen.