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Donnerstag, 27. April 2017
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VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

79. Pfingsttagung des VHB

7. bis 9. Juni 2017 in St. Gallen

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Bericht zur Arbeitstagung

  

  

 

Bericht über die Arbeitstagung "Executive Education" am 11. November 2011 im Leibnizhaus der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität in Hannover

 

Thematik:

 

Am 11. November 2011 fand in Hannover eine Arbeitstagung zum Thema „Executive Education“ statt. Herr Professor Dr. Richard F. Hartl, als für das Ressort Lehre zuständiges Vorstandsmitglied, führte durch die Veranstaltung.

 

Nach der Begrüßung durch Herrn Hartl und der Vorstellung des Tagungsablaufes hieß der Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Leibniz Universität, Professor Dr. Andreas Wagener, die Teilnehmer im Leibnizhaus willkommen und bedankte sich beim VHB, Herrn Hartl und Professor Dr. Stefan Helber für die Organisation dieser Veranstaltung.

 

Da das Thema noch recht neu an deutschsprachigen Hochschulen ist, fand während der gesamten Tagung ein reger Austausch zwischen den Teilnehmern und den Referenten statt.

 

 

 

Vorträge:

 

Anforderungen und Erwartungen der ThyssenKrupp Academy an die Entwicklung und Durchführung von Executive Education Programmen
Ursula Kiel-Dixon, Geschäftsführerin ThyssenKrupp Academy

 

Frau Kiel-Dixon ist die Geschäftsführerin der ThyssenKrupp Academy. Nach ihrer Begrüßung stellte sie das Unternehmen ThyssenKrupp sowie die Programme der ThyssenKrupp Academy vor, die sich nach den Anforderungen des Unternehmens richten. Die Academy ist ein zentrales Instrument der Führungskräfteentwicklung. Neben dem eigenen Unternehmen nutzt die ThyssenKrupp Academy für ihre Weiterbildung die Angebote von Business Schools. Das erfolgt u. a. über direkte Ansprache oder Ausschreibungen. Die Zielgruppe der ThyssenKrupp Academy sind circa zweitausend Führungskräfte des Konzerns aus verschiedenen Ebenen. Die Weiterbildung findet komplett in englischer Sprache statt. Es wird großer Wert auf praxisnahes Lernen und auf die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches und des Führens intensiver Diskussionen gelegt.

 

Zum Schluss gab Frau Kiel-Dixon Tipps für Erfolgsfaktoren von Business Schools und Executive Education Programmen. Die Sichtbarkeit der Hochschule (z. B. Webseite, Inhalte, ausgewiesene Dozenten) ist besonders wichtig. Die Hochschule muss bereit sein, auch zum Unternehmen zu kommen. Es gibt zum Teil Ausschreibungen, bei denen sich die Hochschulen bewerben müssen. Die Programme sollten maßgeschneidert sein und durch hochwertige Unterlagen ergänzt werden. Die Teilnehmer sollten als potentielle Führungskräfte angesprochen werden. Die Interaktion mit den Teilnehmern ist sehr wichtig.

 

In der anschließenden Diskussion wurde über die Lehre an deutschsprachigen Hochschulen sowie die Weiterentwicklung der Lehre an der ThyssenKrupp Academy diskutiert. Außerdem wurde noch einmal betont, wie wichtig die Sichtbarkeit ist, vor allem für Hochschulen, die neu in die Executive Education einsteigen.

 

 

 

 

Herausforderungen und Spannungsfelder im Executive Education
Prof. Dr. Winfried Ruigrok, Prof. Dr. Robert Winter, Universität St. Gallen

 

Professor Dr. Winfried Ruigrok stellte die Executive School of Management, Technology and Law, die der Universität St. Gallen angegliedert ist, und deren Programm vor. Die Executive School gehört dem Kanton, ist aber über fünfzig Prozent selbstfinanziert. Sie ist eine von sechs Schools an der Universität. Da die Kosten für Executive Education in der Schweiz sehr hoch sind, muss auf Qualität gesetzt werden. Man kann verschiedene Abschlüsse erwerben. Die Verzahnung zwischen den Schools und den Instituten der Universität ist sehr wichtig. Herr Ruigrok ging besonders auf die Abschlüsse MBA und EMBA ein. Die Kurse dafür werden vollumfänglich in englischer Sprache gehalten. Es gibt nur ein wenige deutschsprachige Kurse für nichtdeutschsprachige Teilnehmer. Als Dean der Executive School hat Herr Ruigrok die Aufgabe, Brücken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu schlagen. Die Konkurrenz ist sehr stark, weshalb man manchmal Ausschreibungen in Konkurrenz zu anderen Executive Education Programmen verliert. Außerdem ist der Markt für solche Programme nicht stabil. Dadurch sind die Kosten, um ein Executive Education Programm aufzubauen, sehr hoch und es werden keine konstanten Einnahmen erzielt. Die größte Herausforderung ist es, geeignete Lehrkräfte zu finden. Gute Executive Education Ausbilder werden stark nachgefragt und nicht jeder ist geeignet für diese Stellen. Die Programme in St. Gallen werden sehr maßgeschneidert angeboten.

 

Als Fazit stellte Herr Ruigrok fest, dass Executive-Programme eine Organisation oder Universität stark verändern. Der Markt ist hart, weshalb man finanziellen Hintergrund und Ausdauer benötigt. „Man muss sich und auch anderen ihre Erfolge gönnen.“

 

  

 

 

Markt verschlafen? – Welche Chancen haben deutsche Hochschulen im lukrativen Markt der Executive Education mitzuspielen
Bärbel Schwertfeger, Schwertfeger-MBA-Channel

 

 

Frau Schwertfeger veröffentlicht den Blog Schwertfeger-MBA-Channel und gibt einen monatlichen Newsletter zum Thema MBA heraus. Sie erklärte, dass für sie Executive Education eine Weiterbildung für Manager bedeutet, die mit aber auch ohne Abschlüsse stattfinden kann. Sie zählte die Voraussetzungen für gute Business Schools auf und wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis ist. Es gibt verschiedene Ausrichtungen von Executive Education: Kurse für bestimmte Zielgruppen, maßgeschneiderte Programme oder konsortiale Programme, in denen sich mehrere Unternehmen zusammenschließen. Die Managerweiterbildung in Deutschland findet kaum an Hochschulen statt. Es gibt eher firmeninterne Weiterbildungen. Außerdem existiert ein zersplitterter, externer Weiterbildungsmarkt mit einigen großen und unzähligen kleinen Anbietern. Frau Schwertfeger gab Tipps, wie ein Executive Education Programm aufgebaut werden kann. Meist wird erst ein MBA-Programm gegründet. Nach internationaler Akkreditierung und dem erfolgreichen Aufbau von Reputation wird ein Executive Education Programm entwickelt. Sie wies auf die Wichtigkeit der Sichtbarkeit des Programms und des Aufbaus von Alumni-Netzwerken hin. Anschließend stellte Frau Schwertfeger den Sonderfall der European School of Management and Technology (ESMT) vor. Diese wurde von 25 Konzernen gegründet, um ihre Weiterbildungsmaßnahmen hauptsächlich an dieser Schule durchführen. In Deutschland sind bisher nur wenige Hochschulen auf dem Gebiet der Executive Education tätig. Wenn man sich neu in diesem Gebiet etablieren möchte, muss man Strukturen schaffen und Zielgruppen festlegen. Kreativität ist gefragt, um in dem umfangreichen Angebot aufzufallen. Kontakte und Beziehungen (u.a. durch Alumninetzwerke) sind wesentlich. Außerdem ist die Auswahl der Dozenten enorm wichtig.

 

 

 

Herausforderung Executive Education
Prof. Dr. Jürgen Weigand, WHU Vallendar

 

Professor Dr. Jürgen Weigand zeigte am eigenen Beispiel, was bei einem Executive Education-Kurs zu beachten ist. Anschließend stellte Herr Weigand die WHU – Otto Beisheim School of Management vor. Ursprünglich war geplant, dass dort Studenten für den Mittelstand ausgebildet werden. Mit Diplom-Abschlüssen hat das aber nicht funktioniert, da die Absolventen im Endeffekt zu großen Unternehmen wechselten. Durch die Einführung von Bachelor und Master konnte sich die WHU auf ihr ursprüngliches Ziel besinnen. Der Executive MBA wird seit 1997 vergeben. Bis zu sechzig Prozent der Teilnehmer kommen aus dem Ausland. Von Anfang an gab es zugeschnittene Unternehmensprogramme. Die WHU hat wenige, aber große Klienten. Seit 2010 wird der Executive MBA auch akkreditiert. Die WHU will sich in Zukunft selbst akkreditieren. Der Markt für Executive Education ist in den letzten Jahren wie die Konkurrenz stark gewachsen. Deshalb stellt auch Herr Weigand fest, dass Netzwerke enorm wichtig sind. Außerdem muss man sich positionieren. Die WHU hat sich auf General Management spezialisiert, um im umfangreichen Angebot bestehen zu können. Da die WHU Partnerschaften mit anderen Business Schools pflegt, sind die Studierenden verpflichtet, eine Zeit lang ins Ausland an die entsprechenden Partnerschulen zu gehen. Es ist wichtig, mehrere sehr gute Lehrende zu haben, um bei der Weiterbildung Vielfalt anbieten zu können.

 

 

 

Der MBA im Jahr 2020: Werden wir ihn wiedererkennen?
Prof. Dr. Bodo Schlegelmilch, Wirtschaftsuniversität Wien

 

Professor Dr. Bodo Schlegelmilch stellte zunächst die Executive Academy der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien vor. Die WU Wien hat die Executive Academy und ihre Aufgaben mittlerweile in ihrer Satzung verankert. Ziel der Academy ist es, unter die Top 25 der internationalen postgradualen Weiterbildungsanbieter zu kommen. Die Academy hat circa zweitausend Studierende, deren Durchschnittsalter 38 Jahre beträgt. Sie bietet offene und unternehmensspezifische internationale Programme an. Erfahrungen können auf vier Kontinenten gesammelt werden. Von den dreizehn angebotenen Programmen findet eins in Bukarest statt und eines wird in deutscher Sprache gehalten. Die anderen sind englischsprachig. Auf der Abschlussurkunde ist erkenntlich, in welcher Sprache die Weiterbildung erfolgte. Die Programme wurden erfolgreich von internationalen Agenturen akkreditiert. Das Alumninetzwerk ist mittlerweile gut ausgebaut.

 

Anschließend ging es um die zukünftige Entwicklung von MBA Programmen. Herr Schlegelmilch informierte über mehrere Entwicklungsmöglichkeiten und Veränderungskatalysatoren. Er kam zu dem Schluss, dass eine Positionierung immer wichtiger werden wird, da der Markt für Wissenschaftler immer internationaler wird. Sehr gute Lehrende sind ebenso wichtig wie ein umfangreiches Themenspektrum. Neue Lehr- und Lernformate werden sich entwickeln.

 

 

 

 

The International Master in Management Program (IMM): An Executive MBA across borders
Prof. Dr. David Schoorman, GISMA-Dean

 

Professor Dr. David Schoorman stellte die GISMA Business School vor. Sie ist eine private internationale Schule, die 1999 gegründet wurde. Sie kooperiert mit der Leibniz Universität Hannover und der Purdue University – Krannert School of Management in den USA. Die GISMA Business School bietet verschiedene MBA an, u.a. einen Executive MBA. An der Schule sind derzeit drei Professoren tätig. Die Anzahl soll bis 2014 auf sechs Personen erhöht werden. Außerdem gibt es Gastprofessoren von anderen internationalen Business Schools. Die Ausbildung findet an vier Schulen aus den USA, Niederlanden, Ungarn und Deutschland statt, die eine Partnerschaft eingegangen sind. Die Studierenden sind international gemischt. Die Teilnehmer sind 38 bis 40 Jahre alt. Sie erhalten zwei Abschlüsse, einen MBA von der Purdue University und einen MBA von einer der europäischen Schulen ihrer Wahl. Herr Schoorman stellte die Programmstruktur und den Zeitrahmen der Ausbildung vor. Er berichtete, dass alle Textbücher mittlerweile nur noch als Ebook herausgegeben werden. Dafür erhält jeder Teilnehmer ein iPad, da die Kosten hierfür günstiger als die Druck- und Versandkosten für die Textbücher sind. Die Business School evaluiert ihre Angebote ständig, um sie zu verbessern. Ab nächstem Jahr soll eine Partnerschule in China gefunden werden und zukünftig soll es noch eine Partnerschule in Südamerika geben.

 

 

 

Als Fazit kann man sagen, dass es viele Faktoren gibt, die beachtet werden müssen, um mit Executive Education erfolgreich zu sein. Wichtig sind ausgewiesenes Lehrpersonal, umfangreiche Netzwerke, sehr gute Angebote, eine deutliche Positionierung und Sichtbarkeit sowie eine sehr gute Akkreditierung.

 

 

Während der Pausen gab es intensive Gespräche zwischen Referenten und Teilnehmern und regen Erfahrungsaustausch. Mit 56 Teilnehmern verlief die Arbeitstagung sehr erfolgreich und erhielt ein positives Feedback. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an alle Referenten sowie die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover für das Bereitstellen der Räumlichkeiten.