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Dienstag, 21. März 2017
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VHB Gruppe

  

Kernaktivitäten

 

79. Pfingsttagung des VHB

7. bis 9. Juni 2017 in St. Gallen

 

 

 

Wissenschaftliche Kommissionen

Bericht zur Arbeitstagung

 

 

Kompetenzentwicklung in universitären Massenveranstaltungen? – Lerntheoretische Überlegungen und didaktische Konsequenzen

 

Prof. Dr. Peter F. E. Sloane (Universität Paderborn)

 

Prof. Dr. Peter F.E. Sloane berichtete über lerntheoretische Überlegungen und didaktische Konsequenzen, die sich auf die Kompetenzentwicklung in universitären Massenveranstaltungen beziehen. Zur Ausgangslage wurden kurz die Besonderheiten einer Massenveranstaltung vorgestellt, wie z.B. die Vielfalt an Studiengängen, die sich in einem Modul treffen. Grundlegend wurden die Konzepte der Kompetenz und Performanz dargeboten, wie das „Kategoriale Konzeptmodell“ und das „Konzept des forschenden Lernens“. Für den didaktischen Zugang wurde die Trennung von Lern- und Fachsteuerung hervorgehoben. Als lernorganisatorisches Modell galt hier die Lern-Arbeitsgemeinschaft („Lern-AG“). Lehr- und Lernprozesse der Arbeitsgruppen wurden beispielhaft dargestellt und nötige Arbeitsprozesse betont. Aspekte waren die Organisation auf Ebene des Plenums, auf Ebene der angeleiteten Gruppen und der selbst gesteuerten Arbeitsgruppen mit dozentenzentrierter Gewichtung auf der einen und studierendzentrierter Gewichtung auf der anderen Seite.

 

Hier schlossen sich Vorschläge zur Prüfungsgestaltung an. An einer exemplarischen Lernsituation erklärte Prof. Dr. Sloane, die Gruppenbildung, welches die Stammgruppen, das Simile-Prinzip, die Bedeutung der Arbeitsphasen, Rollenspielelemente, das Gruppenpuzzle und das Portfolio implizierte.
Hier schlossen sich die reellen Umsetzungsideen für die Betriebswirtschaftslehre an. Die Unterscheidung von standardisierten und individualisierten Modulen wurde aufgezeigt. Problematiken wie Heterogenität und Passivität der Studierenden sollten durch Umgestaltung der bisherigen Lehr-Lernformen stattfinden.

 

 

 

Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Qualitätsverbesserung von Lehre und Studium

 

Prof. Jutta Allmendinger, Ph.D. (WZB), Mitglied des Wissenschaftsrats

 
Die Empfehlung des Wissenschaftsrates zielt darauf ab, eine Hilfestellung zur Verbesserung der aktuellen Lehrsituation an deutschen Hochschulen abzugeben. Hierzu stellte Frau Prof. Jutta Allmendinger, Ph.D., Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, zunächst die gegebenen hochschulpolitischen Rahmenbedingungen vor. Diese implizierten das Trilemma hochschulpolitischer Herausforderungen: Umsetzung der Bologna-Reform, Erhöhung der Studierendenzahl ohne Qualitätsverluste in der Ausbildung und Steigerung der Forschungsleistungen. Außerdem betonte sie die Problematik der Unterfinanzierung der Lehre und die Notwendigkeit eines Mentalitätswandels Lehrender an den Hochschulen.


Die Ausgangslage in den Wirtschaftswissenschaften wird laut Frau Allmendinger maßgeblich durch die schlechte Betreuungsrelation in den Wirtschaftswissenschaften sowie die qualitativen Missstände, welche Gruppengrößen, Beteiligungsmöglichkeiten, Didaktik und Betreuungssituation einschlossen und welche durch Befragung der Studierenden erhoben wurden, geprägt. Zur Lösung des Problems stellte sie die Notwendigkeit einer finanziellen Unterstützung und die veränderte Rolle der Hochschulleitung und Fakultäten dar. Insbesondere die Verantwortung der Lehrenden zur Qualitätsverbesserung der Lehre tritt in den Vordergrund. Die Rolle Verantwortung der Studierenden sowie die Forderung eines Mentalitätswandels sollten sich weiterhin anschließen. Abschließend wurde als Fazit eine notwendige Reform der Struktur und ein Wandel der Kultur aufgezeigt.

 

 

 

Die Betreuung von Studierenden mit Internet- und Präsenztutorien

 

Jun.-Prof. Dr. Michael Steiner (WWU Münster)  

 

In seinem Vortrag machte Jun.-Prof. Dr. Steiner von der WWU Münster auf die zunehmende Passivität der Studenten in Massenveranstaltungen der Bachelor-Studiengänge aufmerksam. Durch mehrere hundert Studenten in einer Veranstaltung sei es kaum möglich, Übungen in kleinen Gruppen durchzuführen, welche die Studenten zur aktiven Erarbeitung der zu vermittelnden Inhalte anregten. Übungen hätten mehr den Charakter einer Vorlesung und die Förderung der Eigenständigkeit bleibe hierbei auf der Strecke. Zukunftsorientiert wäre die Entwicklung eines neuen Veranstaltungskonzepts, welches den akuten Anforderungen gerecht werden würde, nötig. Ein Lösungsansatz stelle das internetgestützte Lernen dar, das verschiedene Szenarien virtueller Lehrmöglichkeiten eröffne. Die Vorlesung solle durch ein sogenanntes Proseminar begleitet werden, welches aus einem virtuellem Intut (Internettutorium) und einem Prätut (Präsenztutorium) bestehe. Im Intut könne die Studentenschaft Fragen online und zeitlich flexibel austauschen, diskutieren und beantworten. Als Beispiel wurde die virtuelle Lehrplattform „openuss“ (http://www.openuss.de/) angeführt. Das folgende Prätut diene der Klärung offener Fragen des Intuts. Nach einer Vorführung der Pro- und Contra-Argumente dieses Lernmodells aus Sicht von Studierenden, Tutoren und Professoren, schloss der Vortrag mit den Herausforderungen, die dabei an Studierende, Lehrende und an den technologischen Aufwand gerichtet sind.

  

 

 

Mitarbeit durch Arbeitsgruppen-Wettbewerbe

  

Prof. Dr. Joachim Winter (LMU München), Ars legendi-Preis 2008

 

Der Vortrag des Prof. Dr. Joachim Winter postulierte eine Qualitätsverbesserung von Massenveranstaltungen durch Arbeitsgruppen-Wettbewerbe. Hierzu stellte er das Vorlesungsmodul „Empirische Ökonomie“ vor, welches an der LMU München durchgeführt wird und zeigte die Problematiken in der Ausgangslage des Moduls auf. Eine Neuausrichtung der Lehrprozesse solle z.B. die mangelnde Mitarbeit und starke Klausurorientierung der Studenten im Lernprozess verändern. Im Neukonzept sollten mechanische und überholte Lehrprozesse beseitigt und das Interesse der Studenten für das Fach mehr geweckt werden. Dies würde durch sogenannte Arbeitsgruppenwettbewerbe erreicht. Herr Prof. Dr. Winter erklärte die Kernelemente und Umsetzungsmöglichkeiten der Arbeitsgruppen-Wettbewerbe und stellte die Qualitätsverbesserungen durch das Konzept an der LMU München vor, die auch zu verbesserten Klausurergebnissen führten. Schlussendlich wurden auch Grenzen der Arbeitsgruppen-Wettbewerbe aufgezeigt.

  

  

 

Distance Learning an Präsenzuniversitäten

  

Prof. Dr. Heinz Lothar Grob (WWU Münster)



Prof. Dr. Heinz Lothar Grob warf die Frage auf, wie Präsenzuniversitäten die Möglichkeiten des Distance Learning nutzen können. Am Beispiel der WWU Münster wurde das Lehrkonzept cHL vorgestellt, welches die Effizienz und Effektivität der Lehre steigern soll, indem es ein System vernetzter Computer impliziert. Elemente des Konzepts cHL sind die Präsenzlehre, blended learning und das moderierte distance learning. Die scheinbare Konkurrenzsituation von Distance Learning und Präsenzveranstaltung, wie sie sich auch in der Beziehung von Fern- und Präsenzuniversitäten widerspiegelt, könne überwunden werden und ein cHL-Modul in die Präsenzveranstaltung integriert werden.

 

Drei Lernarten wurden vorgestellt: Die Vorlesung, das Literaturstudium und das Freestyle Learning (FSL), wobei beim letzteren das Konzept des Distance Learning stark eingebunden wird. Das FSL weise einen besonderen Aufbau auf. Bestandteile sind die Elemente “Intro”, “Test Study”, “Learning by doing”, “Case Study”, “Check up” und “Slide Show”. Bei der Modifizierung des FSL seien Professor und Student maßgeblich beteiligt. Nach der Darstellung von Ablaufprozessen des Distance Learing schloss der Vortrag mit Betrachtungsweisen der Methode aus Sicht von Studierenden und Dozenten.

 

 

 

Diskussion

 

Zu allen Vorträgen gab es intensive Diskussion über Detailfragen wie über übergeordnete Konzepte. Beispielhaft seinen folgende Punkte genannt:

 

  • Eigenverantwortung und aktive Rolle der Studierenden,
  • Qualität der Lehre und Verteilung von Studienbeiträgen,
  • Ethik als Element der universitären BWL-Ausbildung,
  • Ausrichtung innovativer Lehrformen „an der Mitte der Studierenden“,
  • Möglichkeiten der Erfolgskontrolle.

 

Insgesamt wurde die Arbeitstagung, nicht zuletzt dank der angenehmen Umgebung in dem historischen Gebäude der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, wieder als sehr lohnend empfunden.