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Wissenschaftliche Kommissionen

Bericht zur Arbeitstagung

Bericht zur Arbeitstagung: Entwicklung, laufender Betrieb und Administration: Anforderungen im Prüfungs- und Studiengangsmanagement nach Bologna am 7. November in Berlin

 

Am 07. November 2013 fand an der FU Berlin eine Arbeitstagung des VHB zum Thema „Entwicklung, laufender Betrieb und Administration: Anforderungen im Prüfungs- und Studiengangsmanagement nach Bologna“ statt.

 

Jeder Studiengang ist ein komplexes Unterfangen: Es müssen die Bestimmungen der Hochschulgesetze eingehalten werden, bei der Einführung sind diverse Hochschulgremien beteiligt, die unter Umständen nicht immer vorhersehbare Forderungen stellen, die reibungslose Administrierbarkeit des Studiengangs muss sichergestellt werden und Klagen vor Verwaltungsgerichten erzwingen permanente Änderungen. In diesem Workshop setzte man sich mit den Fragen auseinander, die im Zusammenhang mit der Einführung und Weiterentwicklung von Studiengängen beschäftigen, wobei darauf geachtet werden sollte, dass die Haupt-Adressaten von Prüfungs- und Studienordnungen die Studierenden sind und nicht die Verwaltungsgerichte. 

 

Herr Professor Dr. Dr. Andreas Löffler als für das Ressort „Lehre“ zuständiges Vorstandsmitglied im VHB hieß die Teilnehmer willkommen und gab vorab eine Übersicht über den Inhalt sowie den Ablauf der Arbeitstagung.  

Vorträge:

 

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Hochschulgesetze zu Prüfungsordnungen

Prof. Dr. Dr. Andreas Löffler, FU Berlin

 

Herr Prof. Dr. Dr. Löffler ist Lehrstuhlinhaber am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der FU Berlin für Bank- und Finanzwirtschaft und im Vorstand des VHB e.V. zuständig für das Ressort "Lehre". In seinem Vortrag skizzierte Professor Löffler die rechtliche Basis, auf der eine Prüfungsordnung (PO) aufzustellen ist. Trotz ihrer Abstraktheit wirken einige Artikel des Grundgesetzes auf Prüfungsordnungen ein, da Prüfungen in verankerte Grundrechte eingreifen können (es handelt sich konkret um einen Eingriff in die Wahl der Berufsfreiheit). 

 

In der Gesamtheit der Richtung gebenden Rahmengesetze hat das veraltete Hochschulrahmengesetz (HRG) immer noch Gültigkeit, bietet jedoch keine handhabbare Orientierung mehr. Weiter definieren die Kultusminister (KMK) besondere Eckpunkte zu Studentenauswahlverfahren, Akkreditierung und Rahmenprogrammen zu Studienmodulen. Zudem sind die Hochschullandesgesetze zu beachten. Die Regelungen dieser Landesgesetze bilden ein Spannungsverhältnis zu Regelungen des HRG und der KMK. Da Universitäten rechtlich gesehen Behörden sind, ist auf deren Handeln zusätzlich zu den bereits genannten Gesetzen auch noch das Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) anzuwenden. Das Einhalten all dieser Formalien tritt immer weiter in den Vordergrund, wie an den aktuell in der Öffentlichkeit diskutierten Aberkennungen von Doktortiteln zu sehen ist.

 

Gemeinsam ist allen Landesgesetzen, dass eine PO von gesetzlich vorgegebenen Organen zu beschließen ist – dies sind typischerweise die Fakultäts- bzw. Fachbereichsräte. Unterschiede zeigen sich erst wieder in der Struktur der Regelungen. In Berlin z.B. sind allgemein geltende Regelungen für Prüfungsordnungen in einer gesonderten zentralen Rahmenstudien-Prüfungsordnung ausgelagert.

 

An den Zwischenfragen der Teilnehmer konnte man erkennen, dass große Unkenntnis und Unsicherheit über die Zuständigkeiten der Prüfungsorgane besteht. Wer ist prüfungsberechtigt? Wie ist hier der Sonderstatus der Honorarprofessoren zu sehen? Darf der Prüfer die eigentliche Organisation der Prüfung festlegen? 

 

Auch über die Art der Prüfungsleistungen besteht in den Länderregelungen keine Gemeinsamkeit. So gelten z.B. Multiple-Choice-Tests (MC) als nicht zulässig, weil das vorgeschriebene 2-Prüfer-Prinzip ins Leere läuft. In einigen Hochschulen wird dieses Ankreuz-Prinzip durch freie Begriffe „wahr“/„falsch“ ersetzt und gilt damit dort nicht mehr als MC. Hier zeigt sich die Uneinigkeit über die Interpretation der anzuwendenden Regelungen. In Hannover z.B. wird nur das 1-Prüfer-Prinzip angewendet - und das sogar juristisch abgesegnet.

 

Fazit: Da die Prüfungsregelungen sehr wohl einen rechtlichen Rahmen haben und bieten müssen, entstehen oft Missverständnisse, je nachdem, welcher Rechtsrahmen angewendet wird. Sobald Rechtsverfahren, die hier Klarheit schaffen sollen, seitens des studentischen Klägers gewonnen werden, müssen die PO teilweise gänzlich neu geschrieben werden, da sie dann nicht weiter anwendbar sind. Dies vergrößert die bestehende rechtliche Unsicherheit. 

 

 

Prozesse zur Studiengangsentwicklung - Wie setzt man einen neuen Studiengang auf?

Dr. Gaby Luther, FU Berlin

 

Frau Dr. Luther ist als Hauptkoordinatorin zuständig für die konzeptionelle Beratung der Fachbereiche bei der Weiterentwicklung und Einführung von Studiengängen an der FU Berlin und bietet für das Tagungsthema die Sicht der Verwaltung. 

 

Die Lehrenden sollen durch die Arbeit der Verwaltung entlastet werden. Schon zu Beginn eines Einrichtungsprozesses ist daher eine breit aufgestellte, interaktive Kommunikation elementar wichtig. Funktioniert die Kommunikation gut, dann gelingt auch die Einrichtung des Studiengangs.

 

Üblicherweise überschaut eine Verwaltung nur Verwaltungsinhalte und setzt daher den Schwerpunkt bei dem Einrichten eines neuen Studiengangs auf die Organisation. Es wird auch immer wichtiger, die organisatorische Einrichtung mit den Inhalten aufeinander abzustimmen – hier unterstützen externe Expertisen bei der Beurteilung der vorgesehenen Inhalte eines neuen Studiengangs.

 

Frau Luther beleuchtet den Entscheidungsweg aus der Sicht von Bologna. Als optimale Entscheidungszeit wird von einem halben bis zu einem dreiviertel Jahr für einen „einfachen“ Studiengang ausgegangen. Die Universität hat aus Gründen der Qualitätssicherung zu entscheiden, ob der vorgeschlagene Studiengang in das Angebot der Universität hineinpasst bzw. was als Ergebnis dieses Studiengangs heraus kommt. Dies zu klären steht schon zu Beginn eines Einrichtungsprozedere. Mögliche Misserfolge sollen durch eine vorerst befristete Einrichtung eingedämmt werden. Kontroll- bzw. Auswertungsmöglichkeiten sollten ausgeschöpft werden.

 

Das darauf folgende Feedback an die Fachbereiche ist sehr wichtig. Im Beispiel der FU Berlin wird dies mit sog. „Ampel-Listen“ umgesetzt, die zugleich als Instrument zur Kommunikation dienen und beim Qualitätsmanagements eine entsprechende Rückmeldung geben. Bei Ampel „rot“ ist der Studiengang mangelhaft und vom Fachbereich zu überarbeiten– dazu wird dieser aufgefordert (notfalls über Zielvereinbarungen).

 

Diskutiert wird darüber, dass die Qualität der Hochschulabschlüsse zwischen Studierenden der Universitäten und der Fachhochschulen stark unterschiedlich ist. Für die Studierenden der Fachhochschulen werden bessere Noten beobachtet als bei „eigenen“ Studenten. Die eigenen Studenten werden dann meist nicht zu einem Studiengang zugelassen, obwohl die den Noten zugrundeliegenden Wissensinhalte qualitativ höherwertiger sind.

 

Nach dem Gleichstellungsgebot sind alle diese Abschlüsse als Zugangsvoraussetzungen identisch zu behandeln. Hier wurde empfohlen, das jeweilige Prüfungskonzept zu überprüfen (hier kann ggfs. das Problem über einen Studieneingangstest gelöst werden) oder die Zugangsbestimmungen zu überdenken (für bestimmte Fächer könnten bestimmte Leistungspunkte aus dem Abschlusszeugnis verlangt werden).

 

Fazit: Die Verwaltung sollte sich immer weniger als diktierende und immer mehr als beratende Instanz sehen. Für eine optimale Entwicklung und Umsetzung der Studiengänge sollten seitens der Verwaltung mit eigens dafür geschultem Personal Anregungen und Service geboten werden.  

 

 

Welche rechtlichen Risisken bestehen bei der Formulierung von Prüfungsordnungen und wie beherrscht man diese?

Dr. Andreas Fijal, FU Berlin

 

Als langjähriger Studiendekan und Leiter des Studien- und Prüfungsbüros des Fachbereichs Rechtswissenschaft an der FU Berlin unterstreicht Herr Dr. Fijal seinen Vortrag mit Beispielen aus einem breiten Erfahrungshintergrund.

 

Die Thematik der Arbeitstagung ist vor dem Hintergrund der Studienstrukturreform, die bis 2014 umgesetzt werden soll, hoch aktuell. In der Praxis sind viele Rahmengesetze zu beachten, die teilweise entgegengesetzt wirken oder sich sogar gegenseitig widersprechen. Häufig stellt sich die Frage, welches Recht jeweils übergeordnet ist.

 

Nur wenige Personen können von sich behaupten, die umfangreichen Rahmengesetze zu kennen. Bei den meisten jedoch besteht Unwissenheit darüber, ob und welche Gesetze für den jeweiligen Fall greifen, daher sind die Fall-Entscheidungen rechtlich angreifbar, wie dies die große Anzahl der Klageverfahren belegt.

 

Der rechtliche Rahmen bei der Einführung einer Prüfungsordnung ist relativ eng, da immer ein rechtskonformes Verfahren anzuwenden ist. Verfahrensfehler im Detail dürfen keine gemacht werden, denn diese führen zu Unwirksamkeit der Prüfungsordnungen insgesamt. Da dennoch Neuerungen berücksichtigt werden sollen, ist dies eine ständige Gratwanderung zwischen Regulieren, Überregulieren und Deregulieren.  

 

 

Verständliche Sprache und Rechtssicherheit - ein Widerspruch?

Andreas  Bredenfeld, IDEMA Gesellschaft für verständliche Sprache mbH

 

Von der Herkunft Sprachwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Rechtstexte profitiert der Vortrag von Herrn Bredenfeld von seiner Erfahrung im Bereich der verständlichen Fachkommunikation, insbesondere auf dem Gebiet der Verwaltungskommunikation.

 

Ähnlich einem Workshop beschäftigten sich die Teilnehmer der Tagung mit folgenden Fragen: Wird seitens der Administrationen auf die Bereitschaft oder gar die Fähigkeit der Studierwilligen Rücksicht genommen, lange Schachtelsätze zu verstehen? Wie sieht es mit der Lesebereitschaft der Interessenten aus? Wie ist die Sicht besonders der ausländischen Studierenden, die sich mit der PO ihres Studiengangs befassen müssen? Hier besteht ein immens großes Verständnisproblem. Die gängigen Nachschlagewerke zur Erläuterung der Sprache und Begriffe helfen den Orientierung Suchenden nicht weiter bzw. ergeben keinen Sinn.

 

Dem Leser werden in Behörden- und Gesetzestexten eine mit Nomen überladene Sprache - und das auch noch im Fachjargon – zugemutet. Im Alltag dagegen nutzen wir diese Form nur in Kommunikationen mit hoher Eskalationsstufe, d.h in anderen Kommunikationssituationen als in einer rein informativen. Die Verwaltungs-Ansprache ist folglich entgegen unserer alltäglichen Gewohnheit und erzeugt eher Abwehr, Blockade und demotiviert, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Unsere Alltagssprache ist verbbasiert - manche Nomen haben ihre Herkunft in einem Verb – dann sollte man den Satz umstellen und das Verb als solches nutzen. 

 

Selbst den Beschäftigten in den Administrationen, die die Gesetzestexte in die Praxis umzusetzen haben, mangelt es oft am Verständnis derselben. Aus Angst, Fehler zu machen, ist die Copy/ Paste-Übertragung der Sätze in die jeweiligen Universitätsformulare üblich. Die nicht alltagstaugliche Sprache wird damit ohne Verbesserung der Verständlichkeit immer weiter verbreitet. 

 

Wie kann eine Lösung hier aussehen?

 

Folgende Möglichkeiten hierzu wurden im Teilnehmerkreis diskutiert, um Inhalte und Sinn der Texte klarer zu machen, im Folgenden am Beispiel durch optische gestaltende Instrumente wie einer einfachen Aufzählung: 

 

  • mehr Übersichtlichkeit durch optische Strukturierung gewinnen,
  • Fachbegriffe unmittelbar bei ihrem Einsatz erläutern,
  • auf eine gleichmäßige Verteilung von Verben und Substantiven (Nomen) innerhalb eines Satzes achten - keine Anhäufung zum Satzende,
  • Aktiv- anstelle Passivsprache einsetzen,
  • einen Satz in mehrere „leichter verdauliche“ Sätze aufteilen,
  • Sätze im Satzbau umstellen,
  • Linksattribute vermeiden.

 

Formulierungen über mehr als neun Zeilen sind inhaltlich nicht mehr verständlich – wen wundert es, dass darauf basierende Bescheide schon mit Erfolg angefochten wurden. Wunderlich ist darüber hinaus nur noch, dass aus diesem Grunde nicht schon Prüfungsordnungen insgesamt angefochten wurden.

 

Hier kann eine Universität an den Service-Gedanken anknüpfen und die relevanten Texte studentenfreundlich verständlich aufbereiten!

 

Fazit: Die Möglichkeiten und Spielräume der sprachlichen Mittel sind so groß wie nie – man sollte sie nutzen! Es gibt keine allgemeingültige oder beste Vorgehensweise. Universitäten können und sollten diese Mittel besonders vor dem Hintergrund des Servicegedankens einsetzen.

 

Während der Pausen gab es intensive Gespräche zwischen Referenten und Teilnehmern und einen regen Erfahrungsaustausch. Die Arbeitstagung verlief mit 38 Teilnehmern erfolgreich und erhielt ein positives Feedback. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an die Referenten sowie an die Freie Universität Berlin für die organisatorische Unterstützung und das Bereitstellen der Räumlichkeiten.